«Es gibt keinen Grund, weshalb die Autos immer noch um den Marktplatz herumfahren dürfen, und die Mittlere Brücke müsste schon längst gesperrt sein», stellt der Präsident der Umwelt- Verkehrs- und Energiekommission (Uvek), der Grüne Michael Wüthrich fest. Doch auch er geht nicht davon aus, dass keine Autos mehr über die Mittlere Brücke fahren, wenn er aus seinen Ferien in den Bergen zurück ist. Eine gewisse Resignation ist ihm deutlich anzuhören: «Wenn es die rot-grüne Regierung nicht schafft, das endlich umzusetzen, dann weiss ich auch nicht weiter.»

«Das», das ist das Verkehrskonzept Innenstadt. Und das gilt seit dem 1. Januar. Noch stehen aber keine Signale, die die Sperrung der Strassen in der Innenstadt für Autos und Motorräder anzeigen. Nach wie vor darf man über die Mittlere Brücke brettern und am Marktplatz um die Kurven flitzen. Und eigentlich war auch dieser 1. Januar nicht die Vorgabe der Uvek, sagt Wüthrich: «Unsere Idee 2008 war, dass das innert drei Jahren umgesetzt wird, also bis 2011. Alles, was danach kam, ist Verzögerungstaktik.» In der Tat: Endlose Debatten im Grossen Rat über immer neue Vorstösse und eine Initiative gegen die Sperrung der Mittleren Brücke verzögerten die Umsetzung des neuen Verkehrsregimes.

Im Frühjahr hiess es dann, im Sommer würde mit der Umsetzung begonnen. Aber die Frage, was mit der Mittleren Brücke geschehen soll, sei noch nicht geklärt. Doch nun ist zumindest klar, die IG Kleinbasel hat es nicht geschafft, die 3000 Unterschriften für ihre Initiative zusammenzubringen. Obwohl sie den Eindruck erweckte, das «ganze Kleinbasel» sei gegen die Brückensperrung.

Im Verlauf des Monats Juli werden am Chäsiweg, an der Allmendstasse und an der Roggenfeldstrasse fünf Bodenmarkierungen «Achtung Schule» angebracht.azr

Im Verlauf des Monats Juli werden am Chäsiweg, an der Allmendstasse und an der Roggenfeldstrasse fünf Bodenmarkierungen «Achtung Schule» angebracht.azr

Wetter verzögert Markierungen

Wann genau die Mittlere Brücke gesperrt wird, kann André Frauchiger, der Sprecher des Tiefbauamts, nicht sagen. Das Amt ist für die Umsetzung des Verkehrskonzeptes zuständig und gemäss Frauchiger auch «schwer daran, das zu tun». Derzeit seien die Equipen im Kleinbasel plangemäss unterwegs; im Grossbasel gäbe es ganz leichte Verzögerungen. Schuld ist einmal mehr Petrus: «Wir haben Probleme mit der Witterung. Wir brauchen trockenes, aber nicht zu heisses Wetter», erklärt Frauchiger.

Bei Regen hafte die Farbe nicht auf der Strasse, bei Temperaturen um 30 Grad trocknet die Farbe zu schnell und wird spröde. «Wir wollen unter idealen Bedingungen arbeiten, dann hält es länger und wir müssen nicht laufend nachbessern», gibt Frauchiger zu bedenken. Er gehe aber davon aus, dass die Termine eingehalten würden. Das hiesse, dass bis Ende Jahr die Signalisation komplett umgesetzt ist. Denn die Teams des Tiefbauamtes malen nicht nur, sie stellen auch die Signale auf, die die neuen Sperrungen, Tempo-30-Zonen, Begegnungszonen und Zufahrtsberechtigungen signalisieren. «Bei der Produktion der Schilder liegen wir im Zeitplan», sagt Frauchiger.

Für Michael Wüthrich ist aber auch klar, die reine Signaletik bringt nur wenig: «Diese muss auch durchgesetzt werden. Es braucht Poller an den Eingangsstrassen und eine strikte Kontrolle durch die Polizei, sonst bringen die Signale nichts.»

Wer das nicht glaubt, solle sich doch einmal an die Einfahrt zur bereits gesperrten Gerbergasse oder in die untere Freie Strasse stellen. Dort seien ständig Autos unterwegs, obwohl Fahrverbot herrsche – und die Polizei sei auch nicht vor Ort.