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Und sie dreht sich doch: Was neben Corona die Region und ihre Welt zurzeit bewegt

Derzeit medialer Nebenschauplatz: die Sanierung der Ruine Farnsburg bei Ormalingen.

Derzeit medialer Nebenschauplatz: die Sanierung der Ruine Farnsburg bei Ormalingen.

Seit einem Monat dominiert das Virus die Medien – auch in der Region. Dabei passierte so einiges, wie dieser Überblick zeigt.

Vor genau einem Monat wurde der Lockdown ausgerufen. Die Welt scheint seither stillzustehen. Fast etwas heimlich dreht sie sich aber weiter. Meldungen, die bis vor Monatsfrist noch als potenzielle Seitenaufmacher gehandelt worden wären, schaffen es bisweilen höchstens in die Nachrichtenspalten des Regionalteils. Um es im Musikerjargon zu sagen: Es gab einige Hits, die in jüngster Zeit nur auf der B-Side gelandet sind. Grund genug, mal in die versteckten Perlen rein zu lauschen.

Beginnen wir mit dem Wetter. Die hohen Temperaturen sind trotz Lockdown nicht an uns vorbeigegangen. Womöglich aber, welche Konsequenzen sie für die Vegetation haben. Die Kirschbäume blühen so früh wie seit über hundert Jahren nicht mehr, wie die bz schrieb. Forschungsobjekt ist ein Liestaler Referenzbaum, der schon am 19. März über 20 Prozent seiner Blütenblätter entfaltet hat. Doch die Pflanzen hatten sich etwas zu früh über den Frühling gefreut. Der nächtliche Frost im Oberbaselbiet setzte den Cordia-Kirschen derart zu, dass sie mit Frostschutzkerzen am Leben erhalten werden mussten.

Die Burgen werden noch lange strahlen

Überlebenshilfe brauchen auch die Burgen. Der Zahn der Zeit nagt an ihnen, nicht das vergängliche Virus. Stünden sie nicht im Schatten von Covid-19, sie wären die Stars der Stunde. Denn: Im Baselbiet wird seit Ostern die Ruine Farnsburg ob Ormalingen für über fünf Millionen Franken aufgemotzt, bis August soll auch die Neu Schauenburg zwischen Frenkendorf und Liestal einem Facelifting unterzogen werden. Kleiner Trost für die Burgen: Ihr Glanz wird noch in Jahrhunderten versprühen, wenn Corona schon längst vergessen ist.

Das gilt leider auch für die Drogen, wo sich die Polizei weltweit einen aussichtslosen Kampf mit den Kartellen und Dealern liefert. Es bleibt den Behörden nur, sich an Glückstreffern zu erfreuen. Ein solcher gelang vergangenes Jahr: Ein Basler Pärchen wurde mit 1,1 Kilogramm Crystal Meth (gilt als die gefährlichste Droge der Welt) festgenommen. Ende März nun standen die beiden vor Gericht und kassierten sieben respektive fünf Jahre Gefängnis.

Fasnachtssujets SVP, Biozentrum, Hundepark

Stillstand herrscht auch nicht in der Politik. So Gott will und nicht eine zweite oder dritte Corona-Welle durchs Land peitscht, sind im Herbst Wahlen in Basel-Stadt. Die Linkspartei Basta will eine Doppelkandidatur ins Rennen schicken und pfeift auf das juristische Gutachten, wonach diese gesetzeswidrig sei. Die Bündnispartnerin SP ist sauer und kehrt der Basta den Rücken. Damit wird die Doppelkandidatur definitiv nicht von Erfolg gekrönt sein – aber immerhin Anwärterin auf die eine oder andere Pointe an der nächsten Fasnacht. So Gott will und den «scheenschte drey Dääg» 2021 nicht eine vierte und fünfte Corona-Welle den Garaus macht.

Zum Fasnachtssujet könnte es auch der Basler SVP gereichen, die selbst in der Corona-Krise ihre Missstände schlecht verbergen kann. Die Rechtsbürgerlichen tun sich mit der Kandidatensuche im Hinblick auf die Regierungswahlen im Herbst schwer. «Nur einer will» titelte die «Schweiz am Wochenende», und meinte damit den SVP-Quereinsteiger Pascal Brenneisen. Brenneisens Problem: Kein anderer will ihn – selbst in der eigenen Partei ist er unbeliebt.

Im Windschatten von Corona mausert sich auch das Biozentrum allmählich zu einem Fasnachtssujet. Aus der Reihe «Pleiten, Pech und Pannen» berichtete die bz vergangene Woche darüber, dass die Abwasserrohre nicht schallisoliert sind. Ein Anfängerfehler führt dazu, der das Zentrum noch ein paar Franken teurer macht. Genauer: 100000 Franken. Dies bei einer Kostenüberschreitung von 70 bis 100 Millionen Franken.

Ein letztes Schmankerl aus der Kategorie «Schnitzelbank-Pointe» lieferte die Basler Stadtgärtnerei. Diese plant, bei der Kunschti Margarethen einen Hundepark zu bauen. Damit wäre einer gewissen Tanja Soland Genugtuung gewiss, die sich einst zum Spott der halben Stadt für einen solchen Park in der Innenstadt eingesetzt hatte.

Auf Nebenschauplätzen herrscht Gelassenheit

So diebisch sich Basels neue Finanzdirektorin Soland über den neuen Hundepark freuen mochte, so sehr dürfte sie geärgert haben, dass ihr Wohnungsbauprogramm corona-bedingt unterging. Mit 35 Millionen will sie eine neue Wohnbaustiftung ins Leben rufen, wie sie Ende März verkündete. Im Stadtkanton sollen 250 Wohnungen gebaut werden – eine Reaktion auf die Annahme der Wohninitiativen. Damit dürften die Linken eher zufrieden sein als mit dem Befund, wonach an den Basler Primarschulen doppelt so viele hochbegabte Knaben wie Mädchen eine Spezialförderung bekommen. Eine Meldung, die sonst im feministischen Lager für viel Aufsehen gesorgt hätte. Corona-bedingte Gelassenheit konnte das Basler Erziehungsdepartement an den Tag legen: Es werde sich mal auf Ursachenforschung begeben.
Auf den Nebenschauplätzen herrscht in Corona-Zeiten eben noch Gelassenheit.

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