So bunt die Schar der klimastreikenden Schüler auch sein mag: Es ist eine ziemlich homogene Masse, die sich am Freitagmorgen auf dem Münsterplatz versammelt hat. Die meisten Demonstranten gehen wohl ans Gymnasium. Ihre Transparente zeugen von der Internationalität dieser Bewegung, sind gespickt mit Referenzen an Initiantin Greta Thunberg, verweisen auf Netflix-Dokumentationen oder Internetseiten.

Die Klasse von Frau J.* fällt da etwas aus dem Rahmen. Kein Wunder, die Kinder sind erst zwölf Jahre alt – und ihre Lehrerin dürfte gar nicht hier sein. In ihrem Fall ist alles sehr hastig zu und her gegangen. Erst am Donnerstag hatte sie ihrer Klasse gegenüber die Klimademo vom Freitag erwähnt. «Dann wollten sie auch hingehen, die Kraft der Kinder hat mich überrascht», sagt die Lehrerin. Sie setzte einen Brief an die Eltern der Primarschüler auf, indem sie um ihre Erlaubnis bat. Auch bei der Schulleitung klopfte J. an.

Nur zwei machten nicht mit

Die Regeln des Basler Erziehungsdepartements, im Februar unter Druck der nicht abebbenden Bewegung entstanden, sehen «pragmatische Lösungen» zwischen Klassen und Lehrpersonen vor. Dass sich die Lehrer mit den Schülern in die Reihen der Demonstranten stellen, ist hingegen ausdrücklich untersagt. Das geht aus einer Mail hervor, die der «Schweiz am Wochenende» vorliegt.

Die Schulleitung wollte der Lehrerin entsprechend eine so kurzfristige Aktion nicht durchlassen. Auch ein Gesuch um unbezahlten Urlaub lehnte die Leitung der Primar ab. Doch J. wollte das nicht hinnehmen.

19 Schüler brachten am Freitagmorgen eine unterschriebene Erlaubnis der Eltern mit, am Streik teilzunehmen. Zwei nicht. Sie kamen in der Klasse eines Kollegen unter. Weil sie selbst nicht auf den Münsterplatz gehen sollte, bat sie den Grossvater eines Schülers um Hilfe.

Es ist der ehemalige EVP-Grossrat und pensionierte Lehrer Christoph Wydler. Zusammen mit seiner Frau Rosmarie erlebt er derzeit eine erneute politische Erweckung im Klimaprotest, das wird im Gespräch sofort deutlich. «Wenn sich Jugendliche an dieser Bewegung beteiligen wollen, dann unterstütze ich das», sagt er. Deshalb haben die Grosseltern sich bereit erklärt, die Verantwortung von der zurückgebundenen Lehrerin zu übernehmen und die Schulklasse beim Protest zu begleiten und zu überwachen.

Klimademo in der Basler Innenstadt

Eine erneute Klimademo zieht am Freitag, 24. Mai, durch die Basler Innenstadt. 

Am Ende hat es J. jedoch nicht ausgehalten, alleine im Schulhaus zu bleiben: «Was hätte das für einen Sinn, wenn das hier so wichtig ist.» Deswegen steht sie jetzt inmitten der Schar auf dem Münsterplatz, die den Worten aus dem Megafon lauscht. Rosmarie Wydler hat sich spontan zu einer Ansprache entschieden. Sie schildert den Fall, die Menge buht die Schulleitung aus.

Wohl ist der jungen Lehrerin nicht dabei, auch wenn sie absichtlich nicht bei ihrer Klasse steht. «Ich weiss, dass mein Vorgehen nicht ganz korrekt war, und ich weiss nicht, ob ich dem gewachsen bin, was nun folgt», sagt sie.

Das Band mit der Schulleitung ist ohnehin zerschnitten, J. hatte bereits gekündigt und wird die Klasse im Sommer abgeben. Das Erziehungsdepartement konnte sich am Freitag nur bedingt zum konkreten Fall äussern. Sprecher Simon Thiriet zeigte sich aber «enttäuscht» darüber, wenn die Rahmenbedingungen nicht eingehalten werden. «In einem solchen Fall würde zusammen mit der Schulleitung und der Volksschulleitung die Situation genau angeschaut.»

 

*Name der Redaktion bekannt