Die Kunstmesse Art macht nicht alles möglich. Aber vieles. So hat Anmari Wili, die seit Jahren ein Plätzchen für ihr Schiff sucht, von den Schweizerischen Rheinhäfen einen Liegeplatz erhalten. «Lorin», ihr zu einem schwimmenden Atelier umgebauter Frachter, darf an der Uferstrasse am Basler Klybeckquai liegen, vis-à-vis der dortigen Zwischennutzungen an Land.

Doch das Bleiberecht ist auf zwei Monate befristet und an ein Projekt gebunden: «Lorin’s Promenade Through The Art Basel» hiess das Programm, das im Rahmen der Kunstmesse stattfand. Im geräumigen Bauch des 45-Meter-Kahns gab es Ausstellungen, Vernissagen, Konzerte, Partys. Am 2. Mai durfte «Lorin» anlegen, nach dem 4. Juli heisst es wieder Leinen los – Zielhafen: unbekannt.

Für die Kulturschaffende Anmari Wili ist das Entgegenkommen der Rheinhäfen aber schon ein Lichtblick. Die Pianistin – in Schifffahrtskreisen spricht man von der Piratin, was schmeichelhaft gemeint ist – durfte bisher nur selten einen Schweizer Hafen ansteuern. Und wenn, galt das Bleiberecht maximal ein paar Tage. Das dauert schon seit Juni 2009 so. Damals kam Anmari Mëtsa Yabi Wili, wie sie sich mit vollem Namen nennt, mit ihrem Schiff in Schweizer Gewässern an. Seither lag es die meiste Zeit in Huningue an einem Notsteg.

Huningue: «accès interdit»

Als sie die bz im vergangenen September besuchte, war sie noch zuversichtlich, am französischen Ufer bleiben zu können. Nun scheint ihr auch diese Option abhandengekommen zu sein. Als sie im April zum vorerst letzten Mal den Quai de la République ansteuerte, fand sie dort ein Schild vor, auf dem «accès interdit» stand. Als sie und der Kapitän, der das Schiff jeweils navigiert, dieses vertäuen wollten, kam es zu einem Zwischenfall: Ein Poller gab nach, eine Seilwinde fiel in die Fluten. Wili ist überzeugt: «Das war Sabotage, das passiert nicht einfach so». Trotzdem konnten sie den Frachter behelfsmässig befestigen.

Schon zuvor war der Eignerin in Huningue eine Frist gesetzt worden, den Steg zu verlassen. Wili fand im Frühling einen Liegeplatz in Muttenz. Die betroffenen Anlieger erlaubten es ihr, zu bleiben – nicht jedoch die Schweizerischen Rheinhäfen. Die Häfen seien der gewerblichen Grossschifffahrt vorbehalten, teilte man der Baslerin mit, sie müsse den Platz freigeben.

Das Schiff wird sie spätestens am 12. Juli für längere Zeit verlassen. Für drei Wochen reist Wili nach Indonesien, um Musik für einen Kinofilm zu komponieren. Bis dahin hofft sie, dass eine Zusage vorliegt für einen Liegeplatz im Rahmen des nächsten Projekts. Es hat mit Flüchtlingen zu tun.