«Ich kann meine Umwelt nicht ändern, ich kann mich nur selbst ändern», erklärte der 46-jährige Mann gestern im Basler Strafgericht. Er lese buddhistische Bücher und finde darin Sachen, wie er sich selbst weiterentwickeln könne. «Da sind gute Tipps für den Alltag dabei», erzählte er begeistert. Sein Alltag spielt sich allerdings seit über 25 Jahren hauptsächlich in geschlossenen Vollzugsanstalten ab, gelegentlich durch begleitete Ausgänge aufgelockert. Erst seit einem Jahr lebt er in einer offenen Station ohne Gitter. Das wird sich so schnell auch nicht ändern: Die drei Richter beschlossen gestern, die sogenannte Massnahme um weitere drei Jahre fortzuführen.

Mit Beil auf Menschen los

Der Mann hatte im Jahr 1989 als damals 20-jähriger Mann einen Laden in der Steinentorstrasse überfallen und ist dabei mit einem Beil auf die Verkäuferin losgegangen. Danach bedrohte er in der Altstadt weitere Passanten mit seinem Beil und zielte dabei auf die Köpfe. Nach den Attacken setzte er sich seelenruhig in ein Kino und schaute sich einen Film an. 1990 verurteilte ihn das Basler Strafgericht wegen versuchter vorsätzlicher Tötung sowie versuchten Raubes, verhängte aber keine Freiheitsstrafe: Es stufte den Mann als völlig unzurechnungsfähig ein und schickte ihn in eine geschlossene Anstalt.

Fünf Jahre später flüchtete er aus der Solothurner Strafanstalt Schöngrün und überfiel einen Kiosk, daraufhin verhängte das Gericht in Solothurn erneut eine sogenannte Massnahme: Seither muss ein Gericht alle fünf Jahre entscheiden, ob der Mann möglicherweise entlassen werden kann. Gutachter attestierten dem Mann eine kombinierte Persönlichkeitsstörung. Medikamente nimmt er nicht.

Schlimmer als Verwahrung?

Auch die Fachkommission zur Beurteilung der Gemeingefährlichkeit von Straftätern hat jeweils ein Wörtchen mitzureden, und im genannten Fall sah man eine Entlassung noch immer als verfrüht an. Staatsanwaltschaft, Kommission und Vollzug waren sich einig: Der Mann habe in den letzten Jahren grosse Fortschritte gemacht, doch vorläufig soll er in der offenen Station eines Massnahmezentrums bleiben. Weitere Vollzugslockerungen seien möglich, doch das Gericht solle die Massnahme vorerst um fünf Jahre verlängern. Der Verteidiger hingegen betonte, damit würde sein Mandant faktisch 30 Jahre weggesperrt; und dies sei völlig unverhältnismässig. «Das Wort ‹kleine Verwahrung› trifft hier genau zu. Wäre er verwahrt worden, wären seine Verfahrensrechte deutlich besser», kritisierte der Verteidiger.

Die drei Richter wählten einen Mittelweg: Sie verlängerten die Massnahme nur um drei Jahre statt um fünf. Gerichtspräsidentin Felicitas Lenzinger betonte, sollte der Mann bis 2018 nicht in den ambulanten Bereich entlassen werden können, müsse ein neues Gutachten den Sinn einer weiteren stationären Massnahme aufzeigen. «Drei Jahre sind besser als fünf Jahre», kommentierte der 46-jährige Mann hinterher relativ fröhlich. Das Urteil kann von allen Seiten noch weitergezogen werden.