Analyse

Ungewisse Zukunft: Die Architektur ist den Klybeck-Investoren nicht so wichtig

Wie wird das Klybeck-Quartier in Zukunft aussehen? Eine Diskussion mit den neuen Eigentümern zeigte auf, wie viele Fragen noch offen sind und dass die Architektur für die Investoren nicht so wichtig ist. Eine Analyse.

Ein lebendiger, durchmischter neuer Stadtteil, nicht aus der Retorte, enstehend unter Einbezug von Politik und Bevölkerung. Die neuen Grundbesitzer der ehemaligen Werkareale von Novartis und BASF im Klybeck – die Swiss Life und die eigens gegründete Central Real Estate Basel – versprechen das Blaue vom einst chemierauchgeschwärzten Basler Himmel. Jedenfalls taten sie dies gestern Abend vor ein paar Hundert Interessierten im Baudepartement.

Friede, Freude, Eierkuchen. Auch bei der Politik, vertreten durch Noch-Finanzministerin Eva Herzog, und bei Bewohnern der Gegend, vertreten durch Christoph Moerikofer vom Verein Zukunft Klybeck. Dass dieser per Volksinitiative 50 statt den vorgeschriebenen 33 Prozent sozialen Wohnungsbau fordert, wurde von den Grundherren mit einem Lächeln zur Kenntnis genommen.

Ihre Ankündigung, nun erst einmal einen Schritt hinter die Ergebnisse der Testplanungen und der Quartiergespräche machen zu wollen, quittierte das Publikum noch mit Schweigen. Ihre Seitenhiebe gegen den Architektenstand und hochwertige Architektur nahmen die zahlreichen Stadtplaner und Baumeister im Publikum dann mit einem Lachen zur Kenntnis, das nur als Ausdruck einer spezifischen Form von Resignation oder Opportunismus (wer von ihnen erhofft sich nicht einen lukrativen Bau-Auftrag!) interpretiert werden kann.

Diskussions- oder gar Protestkultur klingt anders. Oder ist es einfach der typischen Basler Zurückhaltung geschuldet, dass alle still auf das Blaue vom Himmel oder die rettende regulierende Hand des Staats hoffen? Die Sachlage ist klar: Die neuen Herren des Klybeck wollen in erster Linie Rendite. Ist sie mit guter Architektur und einer klugen Quartierstruktur zu haben, wird aus diesem Stadtteil eine blühende Landschaft. Wenn nicht, so droht Basel eine Investorenwüste am Rhein. Beides ist möglich.

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Autor

Patrick Marcolli

Patrick Marcolli

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