Bei der Basler Denkmalpflege hat der Brand des «Schwarzen Bären» zweierlei Reaktionen hervorgerufen: Einerseits grosse Erleichterung darüber, dass eine Polizeistreife den Brand frühzeitig entdeckt hatte – und somit viel weitergehende Schäden am «Flächendenkmal Kleinbasel» verhinderte, wie dieser Teil der Altstadt im Fachjargon heisst.

Anderseits sind die Denkmalpfleger über den Verlust des Dachgeschosses des Gebäudes nicht allzu traurig. Am 22. Juni 1972 brannte es am selben Ort bereits lichterloh. Der aktuelle Verlust dieses Teils der Bausubstanz lässt sich aus ihrer Perspektive also verschmerzen. Denkmalpfleger Daniel Schneller und Frank Löbbecke, Leiter Bauforschung, machen sich jedoch Sorgen um das ganze Gebäude. Ein Experte soll in den kommenden Wochen abklären, was noch zu retten ist. Noch ist nicht klar, wie viel erhalten bleiben kann und wie viel abgerissen werden muss. Ein Abriss des «Schwarzen Bären» hätte hier, in der Schutzzone, eine moderne Rekonstruktion der Gebäudehülle zur Folge.

Die Denkmalpfleger vermuten, dass bereits nach dem Brand von 1972 ein Abriss zur Debatte gestanden hat. Auf einem Bauplan aus dieser Zeit jedoch ist eine neue Strassenlinie eingezeichnet, die Rheingasse wie auch Schafgässlein wesentlich verbreitert hätte. Dies ist der damals geltenden «Strassenfluchtordnung» geschuldet und hätte dazu geführt, dass ein Neubau deutlich kleiner geworden wäre. Für den Eigentümer war das damals offensichtlich keine Option.

Gebäude war schon länger in desolatem Zustand

Der Verlust für die historische Altstadt wäre bei einem Abriss gross gewesen. Das heutige Haus, welches auf den ersten Blick als bauliche Einheit erscheint, besteht im Kern aus mehreren mittelalterlichen Teilen und ist für die Denkmalpflege genau auch deshalb interessant. Dass sich im Erdgeschoss ein Gasthaus befindet, hat übrigens eine lange Tradition: Das Tavernrecht «Zum Bären» wurde vor 1610 erteilt.

Die lange Tradition täuscht allerdings nicht darüber hinweg, dass sich das Gebäude bereits seit Jahren in einem desolaten Zustand befand. Das bestätigten am Donnerstag auch die Mitglieder der Interessengruppe (IG) Rheingasse. Diese stehen nach dem Brand im Schwarzen Bären vor rund einer Woche noch immer unter Schock. An der Medienkonferenz berichteten die Betroffenen von einem Gefühl der grossen Hilflosigkeit. «Wir schweben zurzeit im luftleeren Raum», sagte Cécile Grieder, Betreiberin der «Grenzwert»-Bar, welche seit dem Brand geschlossen ist. Sie wisse momentan noch nicht, ob und wann sie die Räumlichkeiten wieder betreten könne.

CEO der Krafft-Gruppe möchte das Haus kaufen

Definitiv Abschied nehmen muss wohl Anwohnerin Heike Zenker, die mit ihrer Familie im Gebäude nebenan wohnte. Die Familie musste während des Brandes ihre Wohnung verlassen und lebt seither im Hotel Krafft. «Wir möchten gerne weiterhin in der Rheingasse wohnen», sagte Zenker vor den Medien sichtlich aufgewühlt. Ihre ehemalige Wohnung könne sie während vier bis fünf Monaten nicht betreten.

Trotz der schwierigen Situation: Die IG hegt Hoffnungen, die Rheingasse weiterhin attraktiv gestalten zu können. Franz-Xaver Leonhardt, CEO der Krafft Gruppe, erklärte offen sein Interesse am einsturzgefährdeten Gebäude. Seit Jahren versuche er gemeinsam mit Grieder, die Immobilie zu erwerben, allerdings ohne Erfolg. Er hofft nun, dass der Besitzer nach dem Brand seine Absage überdenkt – und das Gebäude auch künftig als Gastbetrieb genutzt werden kann.


   

Das Ausmass des Brandes