Mäss-Plätze

Ungewisse Zukunft: Wird die Rosentalanlage von der Herbstmesse-Karte gestrichen?

Die Rosentalanlage im Jahr 1964 aus der Vogelperspektive, als der Zirkus Knie auf dem Platz gastierte. Rechts unten die ehemalige Friedhofskapelle von Architekt Melchior Berri, links das Rosentalschulhaus, das in den 1970er-Jahren dem Muba-Parkhaus weichen musste.

Die Rosentalanlage im Jahr 1964 aus der Vogelperspektive, als der Zirkus Knie auf dem Platz gastierte. Rechts unten die ehemalige Friedhofskapelle von Architekt Melchior Berri, links das Rosentalschulhaus, das in den 1970er-Jahren dem Muba-Parkhaus weichen musste.

Seit Jahren befindet sich die Herbstmesse Basel an diesem Ort. Wie sich der Platz für die jährliche Messe künftig aufteilen wird, ist noch unklar.

Die Herbstmesse brummt und blinkt derzeit auf sieben verschiedenen Plätzen. Jährlich werden 1 Million Besucher gezählt, aus der Region, aus anderen Kantonen und den Nachbarländern – Tendenz steigend. An Tagen wie dem 1. November oder am diesjährigen Startwochenende mit herrlichem Wetter war an Orten wie dem Messeplatz kaum ein Durchkommen, die Wartezeit vor den Bahnen betrug nicht selten eine halbe Stunde.

Trotz dieser Entwicklung bestehen keine Pläne, die Herbstmesse auf weitere Plätze auszudehnen, wie Sabine Horvath, Leiterin des Standortmarketings, vor dem Start der Messe sagte. Was sie verschwieg: Es könnte sein, dass in naher Zukunft gar ein Platz wegfällt, oder dass zumindest seine Fläche reduziert wird. Dabei handelt es sich ausgerechnet um den ältesten Herbstmesse-Standort im Kleinbasel, um die Rosentalanlage. Der ehemalige Friedhof im «Rooseli»-Quartier gehört mit dem Pferdekarussell und den Schiessbuden zu den traditionellsten Plätzen. Und liegt damit bei eingefleischten Fans wie dem Mässglöggner Franz Baur hoch im Kurs. «Eine Mäss ohne Rosentalanlage ist für mich nicht vorstellbar,» sagt er.

Wann der Turm kommt, ist unklar. Aber er kommt

Schuld an der ungewissen Zukunft der Rosentalanlage als Herbstmessestandort ist der Betonklotz, der 1975 just neben der Rosentalanlage errichtet wurde: das Muba-Parkhaus. Es soll laut Plänen des Kantons und der MCH Group abgerissen werden. Anstelle des Parkhauses soll ein Büro- und Wohnturm errichtet werden. An sich eine erfreuliche Sache, wäre da nicht das Problem, dass das Projekt mehr Platz in Anspruch nehmen könnte – auf Kosten der Rosentalanlage. Zwar wies der Grosse Rat das entsprechende Geschäft im Juni 2019 zurück an die vorberatende Bau- und Raumplanungskommission (BRK). Aber dass das Projekt in den kommenden zehn Jahren realisiert wird, ist sicher. Laut einem Insider haben zahlreiche Investoren Interesse an der Ausführung des Baus angemeldet: «Sie reissen sich richtiggehend darum.»

Die BRK ist nun an der zweiten Beratung des Geschäfts dran. Wann diese abgeschlossen sein wird, könne er nicht sagen, so Kommissionsmitglied René Brigger (SP). Er versucht aber zu beruhigen: «Der neue Turm verunmöglicht den Messebetrieb meines Erachtens nicht. Der Grosse Rat wird kaum etwas entscheiden, was die Messe auf der Rosentalanlage verhindert.»

Leise Bedenken dazu kommen ausgerechnet von Sabine Horvath: «Wir wissen nicht, wie gross die Einschränkungen während der Bauphase sein werden.» Diese dürften mit Blick auf den Bau des Claraturms mehrere Jahre dauern. Trotzdem hält Horvath fest: «Die Herbstmesse findet seit 73 Jahren auf der Rosentalanlage statt, und wir gehen davon aus, dass diese Tradition über den Bau des Hochhauses hinaus Bestand haben wird.» Man nehme die Sorgen der Messe-fans jedenfalls ernst.

Weniger Platz für Fahrgeschäfte

Trotz dieser Signale können Messefans nicht aufatmen. Es besteht ein weiteres grosses Fragezeichen: 2015 beschloss der Kanton, die Rosentalanlage künftig als Grünanlage zu nutzen. Für Veranstalter wie den Zirkus Knie bedeutet dies ein Umzug auf den Parkplatz bei der St. Jakobshalle (die bz berichtete). Diese neuen Nutzungsvorgaben führten dazu, dass die Fläche zur Durchführung von Anlässen eingeschränkt würde, munkeln einige Messefans. Einer sagt: «Das bedeutet doch weniger Platz für Fahrgeschäfte. So könnte die Rosental-Anlage zu einem absoluten Nebenplatz verkommen, weil grosse Bahnen wie aktuell das Chaos-Pendel nicht mehr reinpassen würden.»

Autorin

Rahel Koerfgen

Rahel  Koerfgen

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