Hauptpost

Ungewöhnliche Allianz formiert sich gegen die Postschliessung

Die Hauptpost-Filiale in der Basler Innenstadt soll geschlossen werden. Welcher Laden dafür in die historischen Hallen einzieht, ist noch völlig offen. Pedro Schön

Die Hauptpost-Filiale in der Basler Innenstadt soll geschlossen werden. Welcher Laden dafür in die historischen Hallen einzieht, ist noch völlig offen. Pedro Schön

Sowohl aus der Wirtschaft als auch aus der Politik gibt es Verständnis für die mögliche Schliessung der Hauptpost. Stimmen des Widerstands gibt es von Christoph Brutschin, Felix Eymann und Joel Thüring.

Die Hauptpost soll verschwinden. So will es die Post. Sie rentiert nicht mehr, ist zudem umgeben von drei weiteren Filialen in einem engen Umkreis. Dass damit auch ein emotionaler Wert verloren geht, will kaum jemand bestreiten. Matthias Böhm von Pro Innerstadt beispielsweise sagt: «Man kann sich bei einer solchen Institution kaum vorstellen, dass sie einmal verschwindet.» Auch David Weber, Sprecher des Basler Gewerbeverbands, unterstreicht die emotionale Bindung der Bevölkerung zur Hauptpost.

SP, LDP und SVP gegen Schliessung

Für beide steht aber die wirtschaftliche Bedeutung im Vordergrund. Hier ist einerseits Verständnis für die ökonomischen Überlegungen herauszuhören, andererseits auch viel Goodwill für die Bemühungen der Post: «Positiv ist, dass die Post Lösungen anbietet», sagt Weber. Konkret geht es um das Fortführen von Dienstleistungen wie Postfächer, Münzwechsel oder Paketlieferungen. «Hier hinkt die Schweiz generell etwas hinterher», sagt Böhm. Beispiele aus Deutschland zeigten etwa, dass vollautomatische Paketstationen sogar eine Verbesserung für den Kunden darstellen könnten.

Auch verschiedene bürgerliche Politiker zeigen Verständnis: «Wir haben grössere Probleme. Ob der Widerstand der Regierung etwas bringt, ist fraglich. Mann kanns ja probieren, aber das ist wohl verlorene Energie», sagt GLP-Grossrat Dieter Werthemann. Und FDP-Präsident Luca Urgese ergänzt: «Ich glaube, ein gewinnorientiertes Unternehmen muss jederzeit seine Standorte hinterfragen. Das ist ein normaler Prozess.» Parteikollege und Grossrat Christophe Haller macht sich derweil bereits Gedanken um eine mögliche Nachfolge: «Wenn es eine internationale Kette wäre, wäre es in Ordnung, sofern sie die Attraktivität der Stadt steigert. Obwohl es natürlich schade ist, dass sich die Städte dadurch mehr und mehr angleichen.»

Dennoch: Es regt sich Widerstand gegen die drohende Schliessung. Nachdem Wirtschaftsdirektor Christoph Brutschin (SP) sich dezidiert für einen Erhalt der Hauptpost ausgesprochen hatte, scheint sich eine ungewöhnliche Allianz anzubahnen. Denn Hilfe eilt ihm ausgerechnet vonseiten der LDP zu. Grossrat Felix Eymann lobt die Bemühungen Brutschins in einer Interpellation und schreibt: «Als wichtiges Wirtschaftszentrum des Landes ist es auch von grosser Bedeutung, dass Service-Leistungen, wie sie praktisch exklusiv von der Post angeboten werden, nicht ausgedünnt oder aufgehoben werden.» Eymann will den Vorstoss auf nächste Sitzung einreichen. Auch Joël Thüring, Statthalter und Sekretär der SVP, setzt sich für den Verbleib der Hauptpost ein. Auf Twitter verbreitete er eine Petition, in welcher steht: «Die Bewohner des Kantons Basel-Stadt (...) dürfen auch Mal einen defizitären, durch Bundes-Bern finanzierten Dienst in Anspruch nehmen, nicht immer nur die bereits defizitären Bergkantone mit Ihren Bergbahnen, Sesselliften und Schneekanonen.»

Baselland hat sich daran gewöhnt

Ähnlich klang es auch schon im Baselbiet, als dort die Post zum Kahlschlag ansetzte. Inzwischen finden sich die Betroffenen aber gut mit der neuen Situation zurecht: «Die Postagentur ist in die Gemeindeverwaltung integriert und hat dieselben Öffnungszeiten. Sie ist darum länger offen als die Post früher, die kontinuierlich ihre Leistungen abgebaut hatte», sagt Bernhard Zollinger, Gemeindepräsident von Seltisberg. Karin Kälin, Gemeindepräsidentin von Rodersdorf, pflichtet bei: «Die Postagentur kommt sehr gut an.» Röschenz kennt das System einer Agentur schon seit 2009. Gemeindepräsident Remo Oser sagt: «Die Leute haben die Postagentur gut angenommen, sie nutzt und schätzt das Angebot. Negative Rückmeldungen unzufriedener Kunden sind uns nicht bekannt.» Als die Post entschieden habe, die Filiale in Röschenz zu schliessen, habe sich der Gemeinderat für eine Postagentur eingesetzt.

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