Negativ-Schlagzeile
«Unhaltbare Vorwürfe»: Produzent kontert Kritik an Manser-Film

Die Einheimischen auf Borneo sollen sich über Alkoholexzesse und die «ungehobelte Art» der Filmcrew aufgeregt haben. Zudem haben die Statisten zu wenig Lohn erhalten. Was lief denn wirklich schief während den Dreharbeiten?

Hannes Nüsseler
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Kritiker findet man überall. (zvg / Ausschnitt Bruno Manser-Film)

Kritiker findet man überall. (zvg / Ausschnitt Bruno Manser-Film)

Valentin Greutert ist enttäuscht. «Ich hoffe, die Leserinnen und Leser haben gemerkt, dass dieser Artikel böswillig ist», sagt der Produzent der Bruno-Manser-Verfilmung am Telefon. Er meint damit die Reportage, die am Freitag in der «Zeit» erschienen ist. Ihr Titel: «Weisse Trampel im Regenwald». Darin schildert der Basler Journalist Olivier Joliat seine Eindrücke von den Drehplätzen auf Borneo und seine Begegnung mit Indigenen, «die sich von der Filmcrew hintergangen fühlen».

So soll die über hundert Personen starke Filmcrew die einheimische Bevölkerung während der Dreharbeiten zu «Bruno Manser – Die Stimme des Regenwaldes» durch ihre «ungehobelte Art» und Alkoholexzesse vor den Kopf gestossen haben. Zudem seien Statisten finanziell ausgenutzt und Rechnungen nicht beglichen worden. Alles eine Folge von Missverständnissen, vermutet Joliat, aber eben auch «aus Ignoranz gegenüber der lokalen Kultur entstanden».

Persönliches Treffen verweigert

Greutert will das so nicht stehen lassen: «Wir hatten ein gutes Verhältnis, sonst hätten wir kaum vier Monate lang in dem Dorf bleiben können.» Und was die angeblich schlechte Bezahlung der Statisten betreffe, so betrage das durchschnittliche Tageseinkommen in Indonesien 220'000 Rupien. «Wir haben unseren Statisten 350'000 bezahlt.»

Der Journalist habe ein persönliches Treffen verweigert und die Stellungnahmen der Filmemacher faktisch ignoriert. Die Zitate seien aus dem Zusammenhang gerissen und im Sinn verfälscht worden. «Der Artikel lässt jede journalistische Sorgfalt missen.» Bei der «Zeit» wolle er trotzdem nicht vorstellig werden.

Lukas Straumann, Geschäftsleiter des Bruno Manser Fonds, gibt zu den von Joliat erhobenen Vorwürfen keinen Kommentar ab. Der Fonds habe die Film-Crew in Sarawak beim Casting der Schauspieler unterstützt. Von den am Film beteiligten Penan habe man keinerlei negative Rückmeldungen erhalten. «Bei den Dreharbeiten in Indonesien waren wir aber nicht vor Ort und möchten sie deshalb auch nicht kommentieren.»

Straumann persönlich gefalle der Film («grosses Gefühlskino»), das Team habe hervorragende Arbeit geleistet. «Das Spannende am Film von Niklaus Hilber ist eben auch, dass er Fragen aufwirft, die nicht abschliessend beantwortet werden können.»
Eine Geschichte über Bruno Manser bedeute Rampenlicht, so Produzent Valentin Greutert. «Manche nutzen das leider, um den Film jetzt schlecht zu machen.»

Olivier Joliat, der erst nach der Veröffentlichung in der bz Stellung zum Artikel beziehen konnte, hält an der Richtigkeit seiner Darstellung fest. «Ich habe Herrn Greutert - wie es üblich ist - einen Katalog mit den Vorwürfen geschickt. Er hat ausführlich Stellung bezogen, daraus habe ich die stärksten Argumente als Zitate genommen und ihm nochmals geschickt. Es stimmt auch nicht, dass ich mich einem Gespräch verweigert hätte.» Zudem stamme der Vorwurf, die Statisten seien finanziell ausgebeutet worden, nicht aus seinem «Zeit»-Artikel. «Ich beklagte, dass die Statistinnen mit nackten Brüsten gefilmt wurden. Ihren Lohn habe ich nicht kommentiert.» Er könne den Frust der Produktionsfirma verstehen, so Joliat: «Aber einige Leute auf Borneo sind eben wirklich unzufrieden.»