Sie ist klein, gefrässig und breitet sich blitzartig aus: Die Rede ist von der Schwarzmeergrundel, einem kleinen invasiven Fisch. Seit einigen Jahren ist er auch im Rhein heimisch, vermutlich eingeschleppt als blinder Passagier im Tank grosser Schiffe.

«Massiver Rückgang»

Anfang Oktober berichtete die bz, dass erstmals ein Rückgang der Eindringlinge zu verzeichnen sei. «Wir haben diesen Sommer keine einzige Meldung von grösseren Schwarzmeergrundelfängen erhalten. Es hat deutlich weniger, das ist so», sagte damals Fischereiaufseher Hans-Peter Jermann. Nun bestätigt diese Einschätzung die Uni Basel. Gestern Abend präsentierte die eigens eingesetzte Grundel-Taskforce der Uni Zahlen. Verzeichneten Angler 2016 noch über 3000 Fänge, waren es im vergangenen Jahr nur noch etwas mehr als 2000.

Noch neuer sind die Erhebungen der Fänge, welche die Forscher mit ihren Reusen erzielen. Jeweils im August fischen die Forscherinnen und Forscher gezielt im Hafenbereich auf Schwarzmeergrundeln und Artverwandte. Gingen 2017 noch weit über 300 Exemplare ins Netz, waren es im vergangenen Sommer noch etwa 65. An ihrem gestrigen Vortrag nannte dies Forscherin Karen Bussmann «massiv». Erstmals liegen zudem Beweise für die mysteriöse Verletzung der kleinen Fische vor. Fischer hatten diese bei einer Vielzahl von Grundeln beobachtet. Rund zehn Prozent der jüngst gefangenen Grundeln wiesen Hautläsionen auf, erzählte Bussmann. Andere Grundelarten scheinen weniger betroffen als die über die Donau eingeschleppten Schwarmeergrundeln.

Gründe für die Ursache liegen allerdings keine vor. Überdies ist unklar, ob die Krankheit in einem Zusammenhang steht mit dem Rückzug der invasiven Grundel. «Darüber lässt sich nur spekulieren», sagte Bussmann. Für sie steht aber fest: «Ganz loswerden wird man die Schwarzmeergrundel nicht.»

Das sind insbesondere deswegen schlechte Nachrichten, weil die geografische Ausbreitung der Grundel weiter voranschreitet. Erst vor wenigen Wochen stiessen Wissenschafter auf Grundeln jenseits des Kraftwerks Säckingen. Ein Teil der Forschungsgruppe beschäftigt sich deshalb intensiv mit einer möglichen Grundelsperre. In Zusammenarbeit mit der Uni in Karlsruhe wird im Labor ein künstlicher Fischaufstieg nachgebaut, wie er an vielen Kraftwerken steht. Das Ziel: Eine Vorrichtung, welche gewünschte Fische wie Aale, Lachse oder Forellen durchlässt, Grundeln aber nicht.