Zuwanderungs-Initiative

Uni Basel hat einen Viertel weniger Erasmus-Studenten

Hauptgebäude der Universität Basel

Hauptgebäude der Universität Basel

Das Ja zur Zuwanderungs-Initiative der SVP vor einem Jahr hat für die Uni Basel schmerzhafte Folgen. Für Erasmus-Studenten ist die Institution weniger attraktiv. Für Schweizer Studenten, die ins Ausland wollen, sieht es hingegen anders aus.

In Basel war man stets stolz, dass Erasmus von Rotterdam hier begraben ist. Doch am 9. Februar 2014 änderte sich alles. Seit diesem Tag ist man nicht mehr so stolz darauf. Denn mit dem Ja zur Masseneinwanderungsinitiative (MEI) liegt nicht mehr nur der Theologe Erasmus, sondern auch das gleichnamige Bildungsprogramm der Europäischen Union in Basel begraben. Seit 1987 hatte das Programm Studierenden die Möglichkeit geboten, ein bis zwei Semester an Partneruniversitäten im Ausland zu absolvieren.

Nun liegt die Abstimmung ein Jahr zurück. In den Augen der Öffentlichkeit hat sich nicht viel geändert. Doch hinter den Kulissen brachte das Ja viel Arbeit mit sich – auch für die Universität Basel. Der Schock sass tief, als die EU in der Folge der Abstimmung die Verhandlungen über die Teilnahme der Schweiz am Erasmus-Programm sistierte und die Schweiz in den Status eines Drittstaats zurückversetzte.

Ein Blick auf die aktuellen Zahlen der Uni Basel, an der am Montag das Frühlingssemesters beginnt, zeigen jedoch, dass der Ausschluss für Schweizer Studierenden nicht so grosse Konsequenzen hatte, wie zu Beginn befürchtet wurde. «Durch Unterstützung des Bundes konnte die Übergangslösung SEMP (Swiss European Mobility Programme) einspringen und den Studierendenaustausch erhalten», sagt Andrea Delpho vom International Office der Uni Basel.

Doch ein zweiter Blick zeigt: vor allem bei den Incoming-Studierenden haben sich die Zahlen stark verändert: «Dort hatten wir immerhin eine Abnahme um fast 25 Prozent.» Bei den Outgoing-Studierenden hätte eine Umorientierung in aussereuropäische Programme oder auf die Erasmus-Praktika stattgefunden. «Aber auch dort sind die Plätze begrenzt.»

Attraktive Partner abgesprungen

Doch nicht nur die in die Schweiz kommenden Studierenden, auch die Partneruniversitäten haben das Ja nicht einfach hingenommen. «Die Universität Basel hat 330 Austauschverträge mit rund 200 Partnern in Europa. 2014/2015 sind insgesamt neun Partner abgesprungen und 19 Abkommen wurden erst einmal sistiert», sagt Delpho. Unter den abgesprungenen Partner seien auch attraktive Universitäten – vor allem aus Grossbritannien, Skandinavien und ein paar aus Spanien – befinden. Ausserdem mussten, wie Delpho erklärt, «so gut wie alle Verträge neu verhandelt werden, da wir Schweizer Institutionen ja die Erasmus+-Vorlagen nicht mehr verwenden dürfen.»

Wirklich gelegt hat sich der Schock über das Ja auch nach einem Jahr nicht. «Wir machen alle unsere Arbeit und versuchen, zu retten, was zu retten ist», sagt Delpho. Den Schweizer Hochschulen fehle – trotz Übergangslösungen des Bundes – jegliche Planungssicherheit. «Die Übergangslösungen vom Bund müssen jedes Jahr neu beschlossen werden und mit manchen Partnern müssen jährlich neue Verträge abgeschlossen werden.» Es sind dies die gewichtigen Folgen eines simplen Jas.

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