Uni Basel

Uni-Dozenten im Abstimmungskampf – das gefällt nicht allen

Sind sich in der Frage der Abstimmungsempfehlungen nicht einig Studierende der Universität Basel.

Sind sich in der Frage der Abstimmungsempfehlungen nicht einig Studierende der Universität Basel.

Wenn in einer Woche über die Spitalfusion abgestimmt wird, werden auch einige Stimmcouverts von Studierenden in der Urne landen. Das wissen auch jene Dozenten, die im Rahmen von Kursen ihre Abstimmungsempfehlung an sie weitergeben.

So geschehen erst kürzlich an der Medizinischen Fakultät, wo ein Mitglied des Dekanats den Prüflingen des Staatsexamens ein Ja zur Spitalfusion ans Herzen legte. Für den Vorstand der Studentischen Körperschaft der Uni Basel «Skuba» ein problematisches Vorgehen: «Die Skuba steht Abstimmungsempfehlungen skeptisch gegenüber, vertritt aber die Haltung, dass die einzelnen Fälle differenziert betrachtet werden müssen», sagt Vorstandsmitglied Daniel Seitz.

Der Sport- und Biologie-Student hat selbst noch nie erlebt, dass ein Dozent eine Empfehlung abgegeben hat. Aber die politische Meinung eines Dozenten bezüglich seines Fachbereichs werde hin und wieder ersichtlich. «Ich würde es bevorzugen, wenn Vor- und Nachteile klar aufgezeigt würden. Eine Empfehlung finde ich aber sehr problematisch. Der Diskurs sollte wissenschaftlich bleiben,» sagt Seitz.

Ähnlich sieht es Düzgün Dilsiz, Wirtschaftsstudent an der Universität Basel und ehemaliger Initiant des Weltwoche-Vorstosses: «Ich finde es nicht in Ordnung, wenn Dozenten im Rahmen ihres Lehrauftrages explizit Abstimmungsempfehlungen abgeben, ausser es geht um grundlegende Positionen der Universität Basel», sagt er gegenüber der bz. «Alles andere ist für mich politische Einflussnahme, weil Professoren ihre Rolle zur Verbreitung einer politischen Botschaft ausnützen.»

Philodozent hält sich zurück

Die Abstimmungsempfehlung zur Spitalfusion ist indes kein Einzelfall. Eine Studentin berichtet gegenüber der bz von einer Abstimmungsempfehlung, die ein Dozent an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät abgab. Der Professor legte dem Publikum im Rahmen einer Vorlesung im Jahr 2013 ein Nein zur 1:12-Initiative nahe.

Auch andere Dozenten sind für ihre politische Haltung bekannt. Der Wirtschaftsprofessor Aleksander Berentsen positionierte sich im Vorfeld der Vollgeld-Initiative als vehementer Gegner der Vorlage. Aktuell ein politischer Vordenker an der Uni Basel ist der Philosophieprofessor Markus Wild, der in Tierethik spezialisiert ist und gegen das geplante Ozeanium kämpft.

Der Dozent spricht selbst keine Abstimmungsempfehlungen aus, wie er der bz schreibt. «Das Ozeanium fällt zum Teil in meinen wissenschaftlichen Kompetenzbereich, aber ich trenne hier zwischen meiner Lehrtätigkeit und meinem öffentlichen Engagement.» Allerdings fordere er die Studierenden bisweilen dazu auf, sich an eidgenössischen Abstimmungen überhaupt zu beteiligen. Wilds Studierende bestätigen, dass ihnen ihr Professor keine Meinung aufzwinge.

Ausserdem seien gerade Studierende zur kritischen Reflexion fähig, wie Philosophie-Student Lukas Hilgert betont: «Sie sind mündige Mitglieder der Gesellschaft, die man nicht unterschätzen sollte, wenn es darum geht, ihre eigenen Meinungen zu vertreten und für sie zu argumentieren.»

Vorschriften gibt es keine

Für die Universitätsleitung ist das politische Engagement einzelner Dozierender unproblematisch. Es gebe an der Uni Basel «keine Vorschriften», die es den Dozenten untersagen würden, Abstimmungsempfehlungen auszusprechen, so Sprecher Matthias Geering. Die Universitätsleitung könne und wolle den Dozierenden «keinen Maulkorb anlegen». «Wir haben es an der Universität ja mit erwachsenen und klugen Leuten zu tun, die Inhalte hinterfragen können.»

Dennoch betont auch Geering, dass es auf den konkreten Fall ankomme. Gebe es einen inhaltlichen Bezug zur Vorlesung, so sei für ihn ein Positionsbezug eines Dozenten vertretbar. «Bei der Spitalfusion sind politische Äusserungen von Dozenten meiner Meinung nach vertretbar, da die Universitätsleitung in dieser Frage eine klare Haltung und diese auch öffentlich kundgetan hat», so Geering.

Die Haltung der Uni Basel deckt sich mit jener anderer Schweizer Unis. Von den angefragten Hochschulen haben drei geantwortet: die Universitäten Fribourg, Bern und Luzern. An allen dreien gibt es wie an der Uni Basel auch keine entsprechenden Vorschriften für Dozierende.

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