Ulrich Vischer ist die Sache unangenehm. Seit die bz die Pläne des Universitätsrats bekannt gemacht hat, Teile der Basler Hochschule im Baselbiet anzusiedeln, herrscht Aufruhr. Am liebsten würde sich Vischer gar nicht mehr dazu äussern, ein Interview schlägt er aus: «Ich will der Sache nicht mehr Gewicht geben.» Er möchte wohl vor allem die Wogen glätten, denn seit vergangenem Montag machen die verschiedensten Interessensvertreter ihre Ansprüche geltend. Innerhalb einer Woche haben sich für Vischer folgende Brände entflammt, die er im Dienste der Bildung löschen soll:

Die Politik

Die politische Situation stellt den Rahmen für Vischers Ungemach. Vor allem von Baselbieter Seite wird ihm vorgeworfen, einen PR-Stunt zu zelebrieren. Der Landschaft steht eine wegweisende Abstimmung ins Haus: Mit dem Referendum der SVP gegen die Sanierung der Pensionskasse wackelt der 80-Millionen-Deal, welcher für die Uni von grösster Bedeutung ist. Der Flirt mit Liestal wird von bürgerlicher Seite als Manöver interpretiert, die Landschäftler zu umgarnen. Entsprechend reagiert die Baselbieter Bildungsdirektorin Monica Gschwind verhalten positiv: «Eine Voraussetzung dafür jedoch ist, dass die Verlagerung auch betriebswirtschaftlich zielführend ist.» Viel schwerer dürfte für Vischer, den ehemaligen Regierungsrat der Daig-Partei LDP, jedoch die Kritik aus den eigenen Reihen wiegen: LDP-Regierungskandidat Conradin Cramer sprach sich öffentlich gegen einen Standort Liestal aus. Cramer befindet sich im Wahlkampf, gegenseitige Kritik findet entsprechend unter diesen besonderen Vorzeichen statt.

Die Professoren

Als störend dürfte Vischer auch den Alleingang einiger Professoren empfinden, die beim Münchensteiner Gemeindepräsidenten Giorgio Lüthi angeklopft haben, weil sie einen Standort am Dreispitz jenem am Liestaler Bahnhof vorziehen würden. «Innerhalb der Uni beschäftigt sich eine Immobilien-Arbeitsgruppe mit dem Projekt. Ich glaube nicht, dass Dritte bessere Standorte finden», sagt Vischer. Offenbar steht dieser Aussage das Kollegium der beiden betroffenen Fakultäten mehr oder weniger geschlossen gegenüber: «Die meisten Dozenten sehen das Projekt sehr kritisch und begrüssen es, wenn Alternativen geprüft werden», sagt ein Professor, der anonym bleiben will, zur bz. Die Baselbieter Abstimmung vor Augen wäre nun aber Einigkeit Trumpf.

Die Studenten

Von ihnen war Unmut zu erwarten: den Studenten. Deshalb hat Verwaltungsdirektor Christoph Tschumi im Namen des Rektorats das Wort an sie gerichtet. Tschumi bestätigte in einer Mail an die Studenten der Fakultäten Wirtschaft und Jus noch einmal die Überlegungen der Uni: «Seit dem Umzug der Juristischen und der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät an den Standort Bahnhof hat die Universität Basel immer wieder betont, dass dieser Standort nicht definitiv sei und man Alternativen prüfe.» Auch hier wird aber auf die Bremse getreten: «In diesem Zusammenhang wird – neben anderen Optionen – derzeit auch der Standort Bahnhof Liestal einer Prüfung unterzogen», heisst es weiter.

Der Vize

Genau in diesem Moment giesst Vizepräsident Klaus Endress zusätzlich Öl ins Feuer. Der Reinacher Unternehmer spricht sich weit offener als sein Präsident für eine Züglete nach Liestal aus. Damit verkompliziert sich die Lage zusätzlich. Denn nun muss Vischer nicht nur Studenten und Professoren auf eine gemeinsame Linie bringen. Jetzt muss er auch noch im allerengsten Kreis für mehr Diplomatie und Zurückhaltung sorgen. Die Lage hat sich damit für Vischer nicht verbessert.