Der Neubau des Klinikums 2 des Universitätsspitals ist an und für sich unumstritten. Nach der Präsentation des Projekts am 29. Mai wurde nur vereinzelt Kritik laut, man solle vermehrt auf regionale Zusammenarbeit setzen, anstatt in Basel ein neues Klinikum zu bauen.

Doch in den letzten Tagen kritisierten nun verschiedene Kreise in der «Basler Zeitung» und der «Tageswoche» die Wahl des Siegerprojekts der Zürcher Architekten Giuliani und Hönger. Das zweitplatzierte Projekt der Basler Star-Architekten Herzog und de Meuron sei städtebaulich die attraktivere Variante. Das finden neben Heimatschutz-Obmann Robert Schiess und einigen Politikern vor allem auch der Urheber des unterlegenen Vorschlags, der Architekt Jacques Herzog.

Spitaldirektor Werner Kübler dagegen stellt sich hinter die Auswahl der Jury. Diese tagte unter dem Vorsitz des Basler Kantonsbaumeisters, Fritz Schumacher. Das gewählte Projekt biete Vorteile während der Bauzeit, da es sich besser in einzelne zeitliche Abschnitte gliedern lasse. Vor allem werde es aber auch die Abläufe im Spitalbetrieb einfacher machen, als dies beim Projekt von Herzog und de Meuron der Fall gewesen wäre.

Herr Kübler, in den letzten Tagen wurde Kritik am Aussehen des Spitalneubaus laut. Verstehen Sie als Spitaldirektor diese architektonische Diskussion?
Werner Kübler:
Wir haben erwartet, dass es eine Diskussion gibt, denn es handelt sich hier um ein öffentliches Spital und um ein sehr grosses Projekt. Aber es stellt sich schon die Frage, warum wir nun über die Hülle diskutieren und nicht über das Innenleben. Für die Patienten ist entscheidend, dass das Spital funktioniert. Während des Baus und danach sowieso.

Gibt es diese Kritik am Äusseren des Spitals auch intern?
Nein. Wir sind vom Siegerprojekt überzeugt und freuen uns, den Bau umzusetzen. Ich habe intern informiert und die Belegschaft steht hinter dem Projekt. Der Bau wird ohnehin eine grosse Belastung mit sich bringen, da ist es wichtig, dass er so gut geplant wie möglich über die Bühne geht. Wir hier denken alle, dass dies eine sehr gute Lösung ist. Wir brauchen ein neues Klinikum 2 und hoffen darauf, dass die politischen Prozesse nun zügig und positiv ablaufen.

Wo liegen die Hauptunterschiede der beiden Projekte für den Spitalbetrieb?
Der eine Unterschied ist das Offensichtliche. Das eine Projekt setzt auf einen Turm, das andere nicht. Möglich geworden ist der Turm durch die Vorgaben des regierungsrätlichen Masterplans für das Areal, der Turmbauten in dieser Höhe ermöglicht. Der zweite Unterschied liegt in der Etappierung. Bei diesem Projekt ist eine gute Lösung gefunden worden, den Spitalbetrieb während des Baus am Laufen zu halten, denn sämtliche Bauarbeiten der ersten Etappe finden im heutigen Perimeter des Klinikums 2 statt.

Wäre das beim Projekt der Basler Architekten Herzog und de Meuron nicht möglich gewesen?
Doch, natürlich. Wir bauen hier nicht auf der grünen Wiese, sondern in einem funktionierenden Spitalbetrieb. Jedes dieser Projekte brachte eine detaillierte Planung der Etappierung. Das war die ganz grosse Aufgabe der Planerteams. Es braucht Rochadeflächen, weil wir komplexe Strukturen bei laufendem Betrieb ersetzen müssen. Und hier, neben anderen Kriterien, schnitt das Siegerprojekt am besten ab: Es bietet eine hervorragende Lösung für diese notwendige Etappierung des Baus.

Gibt es weitere Unterschiede zwischen den Projekten, die ausschlaggebend waren?
Das fertige Spital wird grosse Vorteile bieten, was die Arbeitswege und -abläufe anbelangt. Vor allem aber bietet es auch eine gute Flexibilität. Wir wissen nur teilweise, welche Fortschritte die Medizin in den nächsten Jahrzehnten machen wird. Eventuell verlagern sich die Schwergewichte. Und das Siegerprojekt bietet flexiblere Lösungen, was die Anordnung der verschiedenen Räume betrifft. Wir wollen hier in den nächsten 40 Jahren eine Hochleistungsmedizin auf universitärem Niveau anbieten, das bedingt Flexibilität.

Gab es grosse finanzielle Unterschiede zwischen den beiden Projekten?
Die Frage lässt sich so noch nicht beantworten. Der Wettbewerb zielte zunächst darauf, eine städtebauliche gute und sinnvoll etappierbare Lösung zu finden. Das genehmigungsreife, baureife Projekt wird erst noch ausgearbeitet werden. Die Unterschiede bei den Kosten sind nicht gross. Der Masterplan sieht Ausgaben von rund einer Milliarde Franken vor, wovon auf das Klinikum 2 in etwa zwei Drittel entfallen werden.

Noch einmal zurück zur Fassade. Wenn die so wichtig ist, wären hier noch Änderungen möglich?
Natürlich. Wir befinden uns ja noch vor dem Vorprojekt. Wenn das konkrete Bauprojekt gemacht wird, dann können die Architekten nach unseren Vorgaben auch die Fassade anpassen. Bisher ging es um die Ausnutzung des Raums, die Planung der Etappierung und die Anordnung der Räume innerhalb des neuen Spitals.