Bürgerliche ärgern sich

Universität Basel plant vier Wochen Vaterschaftsurlaub

Die Uni will «in naher Zukunft» die Papi-Ferien verlängern.

Die Uni will «in naher Zukunft» die Papi-Ferien verlängern.

Bürgerliche ärgern sich nach dem eidgenössischen Ja zum Vaterschaftsurlaub über das Vorpreschen der Basler Hochschule.

Die Meldung versteckt sich im jüngsten Bericht der interparlamentarischen Oberaufsichtskommission der Uni Basel. Im Kapitel zur Vereinbarkeit von Studierenden und Familie heisst es etwas themenfremd: «Die Uni plant, einen vierwöchigen Vaterschaftsurlaub einzuführen.» Diese Information war wohl nicht für die Öffentlichkeit bestimmt – zumindest nicht zum jetzigen Zeitpunkt.

Selbst einige Kommissionsmitglieder sagen, sie würden davon zum ersten Mal hören. Kommissionspräsidentin Mirjam Würth (SP/BL) war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Uni-Sprecher Matthias Geering sagt, es sei «in naher Zukunft» eine Verlängerung des Vaterschaftsurlaubs in Planung; dass von vier Wochen die Rede gewesen sein soll, wollte er aber nicht bestätigen.

In Konkurrenz mit der Privatwirtschaft

Wenngleich es das erklärte Ziel der Basler Uni ist, für die rund 1700 Dozierenden familienfreundlicher zu werden: Den Zeitpunkt für die Bekanntgabe der Pläne für Papiferien hätte sie wohl gerne etwas hinausgezögert. Soeben hat das Schweizer Stimmvolk einer Verlängerung des Vaterschaftsurlaubs auf zwei Wochen zugestimmt. Entsprechend wird auf bürgerlicher Seite die Stirn gerunzelt.

«Weshalb die Uni jetzt zwei Wochen mehr haben muss, verstehe ich nicht», meint der Basler SVP-Grossrat Joël Thüring, der in der interparlamentarischen Oberaufsichtskommission der Uni sitzt. Thüring stellt sich vor allem deshalb die Frage, weil er den Eindruck hat, dass «die gutbezahlten Dozenten nicht unter Überlastung zusammenbrechen», wie er sagt.

Grosse Unternehmen buhlen um Jungfamilien

Das Signal an die Steuerzahler, welche die Uni zu einem grossen Teil finanzieren, sei auch deshalb momentan ein falsches, weil die Arbeitslosigkeit in der näheren Zukunft coronabedingt wohl stark ansteigen werde. «In der Privatwirtschaft, namentlich bei Kleinbetrieben, dürfte dieser Schritt zu einigem Unmut führen», meint Thüring.

Mit der Privatwirtschaft steht die Uni allerdings auch in Konkurrenz. Vor allem die grossen Unternehmen buhlen hier um Jungfamilien. Die Novartis hat unlängst den Vaterschaftsurlaub auf vierzehn Wochen, die Roche gibt den frisch gebackenen Vätern bis zu fünfzig Tage frei.

Vaterschaftsurlaub wird zu Diskussionen führen

Im politischen Kontext gewichtiger dürfte aber die Tatsache sein, dass die Uni Basel mit dem Ausbau des Vaterschaftsurlaubs auf vier Wochen schweizweit alleine dastehen würde. An den Unis Bern, Zürich oder St.Gallen gilt die gleiche Regel wie heute in Basel: Wer Papa wird, hat fünf Tage Ferien zugute.

In der wiederkehrenden Debatte über die Uni-Beiträge der beiden Trägerkantone Basel-Stadt und Baselland wird ein vierwöchiger Vaterschaftsurlaub zum Thema werden. Die nächste Leistungsperiode steht ab 2022 an. Die Baselbieter Rechtsbürgerlichen monieren regelmässig, dass die Baselbieter zu viel an die Hochschule bezahlen würden.

Die Baselbieter SVP-Bildungspolitikerin Caroline Mall hält ihren Mahnfinger schon jetzt in die Luft. «Wenn etwa die UBS sich einen langen Vaterschaftsurlaub leisten kann, dann ist das ihre Sache. Aber bei der Uni, die grösstenteils von Steuerzahlern finanziert wird, ist das eine andere Sache», meint sie. Mall stellt in Frage, «ob die Universität überhaupt im Alleingang entscheiden kann, ob sie ihren Vaterschaftsurlaub ausdehnt».

Ohnehin hätte sie den Uni-Verantwortlichen geraten, nach der eidgenössischen Abstimmung zum Vaterschaftsurlaub «mal etwas durchzuschnaufen, statt gleich noch mehr zu wollen». Der Uni mehr Freiräume gewähren will hingegen Sven Inäbnit, das freisinnige Mitglied der IGPK des Baselbieter Landrats. «Die Uni muss selber wissen, welches die richtigen Angebote sind, um im Markt zu bestehen.» Auf die Frage, ob der vierwöchige Vaterschaftsurlaub bei der Landratsdebatte im kommenden Jahr zum Sargnagel des Baselbieter Globalbeitrags werden könnte, meint er: «Ich würde bedauern, wenn darüber eine Detaildiskussion geführt wird.»

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