Studienrat

Universität Basel soll rein männlichen Studentenverbindungen keine Plattform mehr bieten

Ein seltenes Bild: Frauen sind in Studentenverbindungen die Ausnahme.

Nächste Woche steht beim Studienrat ein Antrag auf der Traktandenliste, der zu jede Menge Diskussionsbedarf führen dürfte. Schon letzten Herbst sorgte ein Vorstoss zur «Weltwoche» für schweizweite Fragen und Diskussionen.

Normalerweise fristet der Studierendenrat ein sehr beschauliches Dasein. Grosses öffentliches Interesse erregte aber vergangenen Herbst die Debatte rund um die «Weltwoche». Ein Vorstoss hatte gefordert, dass das Magazin keine Gratisausgaben mehr auflegen dürfe. Die Frage sorgte schweizweit für Schlagzeilen und Diskussionen.

An der nächsten Sitzung des Studierendenrats kommende Woche steht ein Antrag auf der Traktandenliste, der ebenfalls für jede Menge Diskussionsbedarf führen dürfte. Der Biologie-Student David Ineichen fordert, dass sich die Universität von allen Studentenverbindungen distanziert, die nur Mitglieder vom gleichen Geschlecht aufnehmen. Diese sollen nicht mehr als studentische Organisationen anerkannt und gefördert werden.

«Durchgängig diskriminierungsfrei»

So soll den Verbindungen keine Plattform mehr geboten werden, etwa am Erstsemestertag oder am Dies academicus. Betroffen vom Vorstoss wären sechs der acht Studentenverbindungen, konkret Helvetia, Alemannia, Jurassia, Raurica, Zofingia und der Schweizerische Studentenverein. Die Verbindungen Schwizerhüsli und Froburger nehmen Frauen auf, Letztere haben zurzeit sogar eine Präsidentin.

Ineichens Antrag verlangt, dass sich die Studentenvertretung Skuba beim Rektorat dafür einsetzt, dass reine Männer-Verbindungen nicht mehr als studentische Organisationen akzeptiert werden sollen. Dabei beruft er sich auf die Vorsätze der Uni, die sich gemäss Eigendeklaration als «durchgängig diskriminierungsfrei» versteht. «Solche Verbindungen widersprechen durch ihre Geschlechterdiskriminierung den Werten, für die die Universität Basel steht», sagt Ineichen.

«Wenn eine muslimische Schule ihre Kinder nach Geschlecht trennt, gibt es einen Riesenaufschrei. Bei den Studentenverbindungen heisst es einfach, das sei Tradition.» Zudem stört sich Ineichen daran, dass Männer in Studentenverbindungen ein Netzwerk zu Mitgliedern aufbauen können, die oft höhere Kaderpositionen besetzen und dies zu Kumpelei führen kann. Dadurch hätten Frauen geringere Chancen im späteren Berufsleben, um solche Positionen besetzen zu können.

Vom Bundesgericht zurückgepfiffen

Bei den Studentenverbindungen kommt dieser Vorstoss nicht gut an, selbst bei denjenigen, die Frauen in ihren Reihen haben: Zwar hege er gewisse Sympathien für den Kern des Anliegens, sagt Francesco Borner, Präsident der Verbindung Schwizerhüsli. Trotzdem lehne er den Antrag entschieden ab. Borner sieht vor allem Probleme in der Praxis: So wäre es denkbar, dass eine Verbindung nur aus Männern besteht, auch wenn Frauen aufgenommen dürften. Und wenn sich eine reine Frauenverbindung formieren würde, müsste diese umgekehrt wohl auch verboten werden. «Solange jede interessierte Studentin einen Platz in einer Verbindung findet, erkennen wir keinen Handlungsbedarf», sagt Borner.

Klar ist auch: Ohne Bereitschaft der Studentenverbindungen wird es kaum zu grossen Veränderungen kommen. Als die Universität Lausanne vor einigen Jahren der Zofingia den Status als universitäre Vereinigung entziehen wollte, wurde sie vom Bundesgericht zurückgepfiffen. Gemäss dem Urteil haben die Stundentenverbindungen als privater Verein das Recht, frei darüber zu bestimmen, wer Mitglied sein darf. Der Entscheid, Frauen nicht aufzunehmen, könne sich auf das Grundrecht der Vereinigungsfreiheit stützen.

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