Der neue Arbeitskreis «Wissenschaftliche Sammlungen in der Schweiz» verfolgt das Ziel, in Vergessenheit geratene Steine, Tiere, Knochen und Pflanzen in den Kellern und auf den Dachböden von Universitäten, Museen aber auch von Privatpersonen besser zu erfassen und zu pflegen. Gegründet wurde die Gruppierung von Vertretern der ETH, der Universitäten Zürich und Bern sowie verschiedener Museen. Federführend sind Forscher der Universität Basel.

Die Wissenschafter haben unlängst an einer Tagung in Basel ein Memorandum verabschiedet. Darin ist festgehalten, welche Massnahmen ergriffen werden sollen. Besonders im Fokus der Gruppierung sind Sammlungen, die für die Forschung an Hochschulen angelegt wurden, allerdings nirgends ausgestellt sind, sowie Objekte von Privaten, weil sich diese nicht in einem «entsprechend gesicherten räumlichen und administrativen Kontext» befinden.

Anlass für das Treffen war die Veröffentlichung einer Analyse zum Zustand der wissenschaftlichen Sammlungen in Basel, verfasst von der Uni-Archivarin, dem Leiter des Pharmazie-Historischen Museums und dem wissenschaftlichen Mitarbeiter Flavio Häner. Letzterer beschäftigt sich im Rahmen seiner Dissertation mit wissenschaftlichen Sammlungen und stellte dabei fest, dass viele Objekte in den vergangenen Jahren stark vernachlässigt wurden und ein dringender Handlungsbedarf besteht.

Eine öffentliche Diskussion über den Umgang mit wissenschaftlichen Sammlungen an Universitäten hatte der Bericht «Leichen im Keller des Professors» des «Tages-Anzeigers» vor rund einem Jahr ausgelöst: Darin wurde die vernachlässigte Objektsammlung des Zürcher Medizinhistorikers und SVP-Nationalrates Christoph Mörgeli thematisiert.

Damit künftig in der Schweiz sorgfältiger mit Sammlungen umgegangen wird, hat sich der Arbeitskreis zum Ziel gesetzt, innerhalb der Universitäten bessere Strukturen zu schaffen, um Objekte erschliessen, erfassen und erhalten zu können. Dazu möchte die Gruppierung entsprechende Richtlinien erarbeiten, welche den Umgang mit Sammlungen in Lehre und Forschung regeln. Zudem soll im Rahmen eines nationalen Netzwerkes der Austausch zwischen den verschiedenen Hochschulen und Museen gefördert werden, um vorhandenes Wissen und Ressourcen «produktiver einzusetzen».

Im «Memorandum» ist weiter festgehalten, dass der Arbeitskreis nach dem Vorbild Deutschlands «als Basis für eine längerfristige Tätigkeit» eine Website mit einer Datenbank einrichten will, wo Verantwortliche ihre Sammlung eintragen können und dass auch künftig jährlich ein Treffen stattfinden soll, an dem sich Fachleute von Museen, Bibliotheken und Archiven austauschen können.

Die Finanzierung der geplanten Aktivitäten ist allerdings noch nicht geklärt. Die Universität Basel hat im Frühjahr nur gerade 10 000 Franken für Inventurarbeiten und die Organisation der Tagung gesprochen. Wie Flavio Häner gegenüber der «Schweiz am Sonntag» sagt, sei jedoch Ziel, dass der Bund für die Koordination aufkomme. Häner bezieht sich auf ein Bundesgesetz, worin wissenschaftliche Sammlungen als schützenswerte Kulturgüter aufgeführt sind.

Derzeit würden jährlich Millionen für Kultur ausgegeben, deren Wert für die Gesellschaft durchaus infrage gestellt werden könne. «Offenbar ist ein Tier in Alkohol in der öffentlichen Wahrnehmung weniger Wert als Farbe auf einer Leinwand», sagt Häner. Das möchte der Doktorand künftig ändern. Einen ersten Erfolg konnte er bereits verbuchen: Nach der Tagung in Basel seien Privatpersonen auf den neu gegründeten Arbeitskreis zugekommen, die sich danach erkundigt hätten, was sie mit ihren Sammlungen tun können. Genau solcher Informationsaustausch sei wichtig, sagt Häner.

Der Pflege von wissenschaftlichen Sammlungen widmet sich auch die neuste Ausgabe des Basler Wissenschaftsmagazins «Uni Nova». Die Uni Basel, heisst es im Editorial, übernehme in diesem Bereich nun eine «Pionierrolle», weil es bisher in der Schweiz kaum Bemühungen gegeben habe, wissenschaftliche Sammlungen zu schützen.