Im Jahr 2020 wird das Präsidium des Universitätsrats an einen Vertreter des Kantons Baselland übergehen. Das ist ein Bestandteil des Uni-Deals, den die Regierungen beider Basel am Montag verkündet haben. Gemäss dieser Vereinbarung soll der künftige Präsident bereits ab Januar 2018 dem per diesen Termin neu bestellten Unirat angehören und zunächst in der Funktion des Vizepräsidenten die Federführung für die Strategie 2030 der Universität übernehmen.

Das Heft aus der Hand gegeben

Dass der Basler Ueli Vischer Ende 2019 nach über 14 Jahren an der Spitze des obersten Gremiums der Uni einem Baselbieter Platz machen soll, stösst in der Stadt auf Verständnis. Allerdings wird befürchtet, dass damit – wegen der Verknüpfung zur Strategie 2030 – dem Baselbiet das Heft in die Hand gegeben wird, im elfköpfigen Unirat eine Spar-Politik durchzusetzen. Zudem könnte der Unirat seine Unabhängigkeit verlieren. Auch deshalb, weil Bildungsdirektorin Monica Gschwind (FDP) bei der anstehenden Neubesetzung der fünf Uniratssitze des Landkantons von den Bewerbern die Unterschrift unter einen Mandatsvertrag einfordert.

Für den Basler FDP-Präsidenten und Grossrat Luca Urgese kommt das Zugeständnis des Stadtkantons beim Uniratspräsidium verfrüht. Zwar sei zu begrüssen, dass Baselland auch einmal zum Zug komme. Doch vor einer solchen Zusage hätte die Finanzierungsfrage definitiv gelöst werden müssen. Denn: «Es darf nicht sein, dass Baselland das Uniratspräsidium erhält und sich dann von der paritätischen Trägerschaft verabschiedet», erklärt Urgese. Die Wahrscheinlichkeit ist gross, dass die beiden Regierungen für die Zeit ab 2022 ein «dynamisches Modell» einführen wollen, das auf die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Kantone Rücksicht nimmt. Das wäre das Ende der seit 2007 geltenden 50:50-Finanzierung zwischen beiden Basel. Urgese hätte damit, und mit dem Baselbieter Präsidium, kein Problem – solange das neue Modell nicht systematisch und einseitig Baselland bevorzugt. Dass Regierungsrätin Gschwind ihren Uni-Räten einen Mandatsvertrag vorlegt, hält Urgese per se für unproblematisch. Doch er findet: Widerspreche das Interesse eines Trägerkantons in einer Frage dem Interesse der Uni, dann müsse ein Uniratsmitglied in Freiheit abwägen und gegen das Kantonsinteresse abstimmen dürfen. «Besteht diese Freiheit nicht, so kann man den Unirat gleich abschaffen.»

Neuer Präsi soll sich zu Uni bekennen

Dass an der Spitze des Unirats künftig ein Baselbieter stehen soll, stört auch SP-Grossrat Kaspar Sutter nicht: «Ich sehe das eher als Chance, die Identifikation des Baselbiets mit der Uni zu erhöhen.» Vom künftigen Präsidenten fordert Sutter aber ein «klares Bekenntnis zu einer starken und gut finanzierten Uni». Sollte dies nicht gewährleistet werden, so habe die Basler Regierung immerhin ein Veto-Recht. Im offensichtlichen Bemühen der bürgerlich dominierten Baselbieter Regierung, den Einfluss der Politik im Unirat zu erhöhen, ortet Sutter einen Widerspruch: Bei anderen Beteiligungen des Kantons wie den Spitälern forderten dieselben Kreise, dass sich die Politik konsequent zurückzieht.

Regierungsrätin Gschwind teilt die Befürchtungen aus der Stadt nicht, wie sie auf Anfrage betont: Idealerweise handle es sich beim künftigen Baselbieter Uniratspräsidenten um eine «Integrationsfigur», der den Anliegen beider Kantone Rechnung trage. Das Ergebnis der Strategie 2030 sei offen. Sowohl das Finanzierungsmodell für das Restdefizit als auch die Immobilienvereinbarung müssten die beiden Basel neu aushandeln. «Es ist daher unseriös, zum jetzigen Zeitpunkt von einer Sparstrategie zu sprechen», betont Gschwind. Dass eine Verpolitisierung des Unirats wegen der Unterschrift unter einen Mandatsvertrag drohe, stellt sie in Abrede: Dieser ziele auf die Berücksichtigung der von beiden Basel vereinbarten Eigentümerstrategie ab – und diese werde zum Wohle der Uni formuliert. Gschwind ist zudem überzeugt, «dass die öffentliche Ausschreibung der Vakanzen zu einer Entpolitisierung und Professionalisierung des Unirats führen wird.»