Obwohl er gerade für ein paar Tage weggefahren ist: Die Unruhen der letzten Tage rund um die Basler Sportpolitik hat Peter Howald genau verfolgt. Seit rund zehn Jahren steht er dem Basler Sportamt vor, davor war er 16 Jahre für das Bundesamt für Sport in Magglingen tätig.

Dieser Mann lebt für den Sport, das merkt schnell, wer sich mit Howald unterhält. Er habe lange mit sich gerungen, bevor er mit der bz sprechen wollte. Doch die jüngsten Entwicklungen in diesem Bereich haben den Ausschlag gegeben. Er sagt: «Als ich 2008 den Posten als Leiter des Sportamts übernommen habe, befand sich dieses in einer schwierigen Situation. Und jetzt, zehn Jahre später, befinden wir uns auf dem Weg dorthin zurück.» Dorthin: Damit ist die Zeit vor Howald gemeint, geprägt von Intrigen, unter Dauerbeschuss der Politik.

Die aktuellen Berichte über marode Sportanlagen, personelle Unruhen und ein fehlendes Sport-Konzept hätten ihn überzeugt. «Das beschäftigt mich wahnsinnig», sagt Howald. Und auch: «Meine Loyalität liegt bei meinen Leuten». Diese würden derzeit drangsaliert, «ganz besonders jene mit den tiefen Löhnen». Er spricht damit die Aushilfen des Gartenbads St. Jakob an.

Das Basler Erziehungsdepartement (ED) wollte diese in der Vorsaison plötzlich in einer deutlich tieferen Lohnklasse einstufen. «Das ist übersteuert», sagt Howald dazu und kritisiert damit auch seinen direkten Vorgesetzten, Thomas Mächler. Dieser leitet seit etwa einem Jahr den Bereich Jugend, Familie und Sport und ist direkt Departementsleiter Conradin Cramer unterstellt. Davor war Mächler der Stellvertreter von Hansjörg Lüking, von dem er den Job übernommen hatte. Die bz hat das ED mit den Vorwürfen konfrontiert, dieses räumte «Fehler» ein, eine Stellungnahme Mächlers blieb aus.

«DDR-Zustände»

Doch die Affäre ums Joggeli ist nicht die einzige, die Howald umtreibt. Er sieht ganz grundsätzlich den Sport vernachlässigt, der im Erziehungsdepartement neben dem riesigen Bildungsbereich einen verhältnismässig kleinen Platz einnimmt. Deshalb täte eine übergeordnete Sport-Strategie not, «in welcher der Kanton aufzeigt, was er will und plant».

Denn Howald stellt klar: «Bei vielen baulichen Massnahmen ist das Sportamt lediglich Bittsteller und bedarf der Koordination mit Immobilien Basel und dem Baudepartement.» Die nötigen Investitionen aufzeigen: Auch das ist das Ziel eines Sportstätten-Konzepts. Ein solches hat Howald einst mitgeholfen zu entwerfen, eine Mitarbeiterin wurde extra dafür angestellt.

Doch als das 110 Seiten starke Dokument fast fertig war, verschwand es in einer Schublade. «Es war damals vielleicht nicht der richtige Zeitpunkt», sagt Howald. Und, selbstkritisch: «Vielleicht wollten wir auch zu viel». Das war 2012 und der damalige Departementsvorsteher Christoph Eymann hatte vielmehr eine Schulraumoffensive auf der Agenda, die gegen 800 Millionen beanspruchen sollte.

Doch Howald hält den Finger auch auf die Sportanlagen und sagt: «Die Baracken im St. Jakob etwa, das sind DDR-Zustände.» Auch wenn Eymann nicht jeden Wunsch erfüllen konnte, so habe er jederzeit das Bild eines Ermöglichers vermittelt.

Eymann, der Sportlehrer

Das sei nun anders. Zum einen hat Howald keinen direkten Kontakt mehr zum Regierungsrat, wie ihn Lüking immer zuliess. Dazwischen stehe nun stets Mächler, der versuche, jeden Bereich zu genau zu kontrollieren und dabei ungenügend priorisiere. Zum anderen zeige auch Cramer im Allgemeinen weniger Affinität zum Sport als dessen Amtsvorgänger. «Eymann war Handballer und in der Basler Sportszene gut vernetzt. Das war immer deutlich», sagt Howald.

Gerade jetzt, da alte Probleme wieder aufs Tapet kommen und sich die Mängel in der Infrastruktur kaum länger mit Sofortmassnahmen kaschieren lassen, wäre die Affinität Cramers für die Thematik besonders wichtig. Howald: «Der Sport braucht eine gewichtige Stimme, damit Basel sich auch in Zukunft eine Sportstadt nennen kann».