Philippe Bischof vom Basler Präsidialdepartement ist Realist: «Wir müssen damit rechnen, dass künftig nicht mehr so viele Gelder nach Basel fliessen», sagt der Leiter der Abteilung Kultur. Denn der Bund zieht die Schraube an. Es sei nicht auszuschliessen, dass Institutionen nicht mehr unterstützt werden, stellt das Bundesamt für Kultur klar. Hintergrund: «Bern» ändert sein Förderkonzept für Museen und Sammlungen.

Neu werden die Kantone und Gemeinden verstärkt in die Pflicht genommen. Will die öffentliche Hand am Museumsstandort Unterstützung durch den Bund, muss sie bereit sein, ihren Beitrag daran zu leisten.

Dringend mehr Kantonsgelder

Am Wochenende ist die Frist für Fördergesuche abgelaufen. Dabei muss ein strenger Kriterienkatalog erfüllt sein. Das betrifft nicht nur inhaltliche Punkte wie eine landesweite Ausstrahlung oder eine innovative und vielfältige Vermittlungsarbeit.

Vielmehr sind auch strikte finanzielle Kriterien zu erfüllen. So müssen die Institutionen über eine verbindliche Zusage von Kanton oder Gemeinde zur Mitfinanzierung verfügen – und das mindestens im Umfang des Bundesbeitrags.

Dieser beträgt höchstens 30 Prozent des Museumsbudgets, aber mindestens 250 000 Franken. Der Haken an der Sache: Mehrere infrage kommenden Häuser erhalten heute nicht genügend Beiträge von Basel-Stadt, um die Vorgaben zu erfüllen. Heisst: Die Neuvergabe der Finanzhilfen kann sie in ihrer Existenz gefährden.

Konkret werden heute das Haus der elektronischen Künste HeK, das Schweizer Architekturmuseum und das Sportmuseum Schweiz gefördert. Sie alle bewerben sich auch im Rahmen des neuen Förderkonzepts um Bundesgelder.

Zudem ersucht neu die Basler Papiermühle erstmals um Bundesgelder. «Sie alle haben sich an uns gewandt für eine ‹letter of intent›», sagt Kulturchef Bischof. Eine solche Absichtserklärung reiche für einen Antrag beim Bund. «Der Kanton ist grundsätzlich bereit, Gesuche wohlwollend zu prüfen», versichert Bischof. «Wir wollen natürlich das Beste für die Basler Museen rausholen.»

Beispiel Architekturmuseum: Dieses erhält derzeit von Basel-Stadt 80 000 Franken im Jahr, was bei weitem nicht den neuen Vorgaben des Bundes entspricht. Es bräuchte also dringend mehr Kantonsgelder. Vor einer anderen Ausgangslage steht die Papiermühle. Sie erhält bereits heute von Basel-Stadt 260 000, von Baselland 50 000 und von der CMS 315 000 Franken.

Die Chancen auf Erfolg beim Bund dürften allerdings nur 50 : 50 stehen. Denn heute sei Basel verglichen mit anderen Regionen in einer privilegierten Situation, ist sich Bischof bewusst. «Daher müssen wir realistischerweise damit rechnen, dass künftig nicht mehr so viele Mittel in die Region fliessen könnten.»

Immerhin erhalten die drei bisher vom Bund subventionierten Basler Häuser insgesamt rund 770 000 Franken im Jahr – eine stolze Summe angesichts der 5,1 Millionen für die gesamte Schweiz.

Notfallszenarien vorbereiten

Nicht ohne Grund hätten andere Regionen denn auch bereits beim Bund reklamiert, dass sie künftig besser berücksichtigt werden wollen. Schweizweit kämen wohl nur 12 bis 14 Institutionen zum Handkuss. «Da hätte Basel mit vier Museen ein extremes Übergewicht», weiss auch Bischof. «Wir müssen deshalb auch mit negativen Ergebnissen rechnen.»

Der Kanton habe die Museen bereits angewiesen, ein Notfallszenario vorzubereiten. Bischof: «Wir geben die Hoffnung nicht auf, bereiten uns aber gleichzeitig auf den schlechten Fall vor, um nicht auf dem falschen Fuss erwischt zu werden.»

So weit soll es auf keinen Fall kommen. An die Beteiligung des Standorts angerechnet würden zwar auch Zuwendungen Dritter wie Baselland oder der CMS. Dennoch sei nicht auszuschliessen, dass Basel-Stadt mehr Geld in einzelne Museen stecken muss, damit diese an Bundesmittel kommen. Und das kann rasch ein paar Hunderttausend Franken ausmachen.

Der Entscheid aber liege bei Regierung und Grossem Rat. Vom Präsidialdepartement liege nur eine Absichtserklärung vor, betont Bischof, «mehr ist gar nicht möglich». Doch es bleibt dabei: Zahlt der Kanton nicht den Mindestbeitrag, zieht sich auch der Bund zurück.

Damit könnten weiter einzelne Häuser aus der Bundesförderung rausfallen. Noch will sich Benno Widmer vom Bundesamt für Kultur aber nicht in die Karten blicken lassen: «Über einzelne Gesuchsverfahren erteilen wir keine Auskünfte.»

Der Bund wird erst im Sommer über die Gesuche entscheiden. Die Basler Behörden wissen aber auch so, was es geschlagen hat. «Bei Reduktion oder gar Wegfall bisheriger Bundesmittel wären die betroffenen Basler Museen in ihrer Existenz gefährdet», stellt Bischof klar.