Kantonsgelder
Unsichere Zeiten für Basels Museen

Der Bund droht, mehreren Museen den Geldhahn zu zudrehen. Wenn der Kanton Basel-Stadt nicht mehr Geld in die Hand nimmt, sind die Häuser bedroht.

Daniel Ballmer
Drucken
Teilen
Für das Schweizer Architekturmuseum könnte es eng werden: Die angestrebten Bundesmittel sind derzeit noch in weiter Ferne.

Für das Schweizer Architekturmuseum könnte es eng werden: Die angestrebten Bundesmittel sind derzeit noch in weiter Ferne.

Juri Junkov

Philippe Bischof vom Basler Präsidialdepartement ist Realist: «Wir müssen damit rechnen, dass künftig nicht mehr so viele Gelder nach Basel fliessen», sagt der Leiter der Abteilung Kultur. Denn der Bund zieht die Schraube an. Es sei nicht auszuschliessen, dass Institutionen nicht mehr unterstützt werden, stellt das Bundesamt für Kultur klar. Hintergrund: «Bern» ändert sein Förderkonzept für Museen und Sammlungen.

Neu werden die Kantone und Gemeinden verstärkt in die Pflicht genommen. Will die öffentliche Hand am Museumsstandort Unterstützung durch den Bund, muss sie bereit sein, ihren Beitrag daran zu leisten.

Dringend mehr Kantonsgelder

Am Wochenende ist die Frist für Fördergesuche abgelaufen. Dabei muss ein strenger Kriterienkatalog erfüllt sein. Das betrifft nicht nur inhaltliche Punkte wie eine landesweite Ausstrahlung oder eine innovative und vielfältige Vermittlungsarbeit.

Vielmehr sind auch strikte finanzielle Kriterien zu erfüllen. So müssen die Institutionen über eine verbindliche Zusage von Kanton oder Gemeinde zur Mitfinanzierung verfügen – und das mindestens im Umfang des Bundesbeitrags.

Dieser beträgt höchstens 30 Prozent des Museumsbudgets, aber mindestens 250 000 Franken. Der Haken an der Sache: Mehrere infrage kommenden Häuser erhalten heute nicht genügend Beiträge von Basel-Stadt, um die Vorgaben zu erfüllen. Heisst: Die Neuvergabe der Finanzhilfen kann sie in ihrer Existenz gefährden.

Konkret werden heute das Haus der elektronischen Künste HeK, das Schweizer Architekturmuseum und das Sportmuseum Schweiz gefördert. Sie alle bewerben sich auch im Rahmen des neuen Förderkonzepts um Bundesgelder.

Zudem ersucht neu die Basler Papiermühle erstmals um Bundesgelder. «Sie alle haben sich an uns gewandt für eine ‹letter of intent›», sagt Kulturchef Bischof. Eine solche Absichtserklärung reiche für einen Antrag beim Bund. «Der Kanton ist grundsätzlich bereit, Gesuche wohlwollend zu prüfen», versichert Bischof. «Wir wollen natürlich das Beste für die Basler Museen rausholen.»

Beispiel Architekturmuseum: Dieses erhält derzeit von Basel-Stadt 80 000 Franken im Jahr, was bei weitem nicht den neuen Vorgaben des Bundes entspricht. Es bräuchte also dringend mehr Kantonsgelder. Vor einer anderen Ausgangslage steht die Papiermühle. Sie erhält bereits heute von Basel-Stadt 260 000, von Baselland 50 000 und von der CMS 315 000 Franken.

Die Chancen auf Erfolg beim Bund dürften allerdings nur 50 : 50 stehen. Denn heute sei Basel verglichen mit anderen Regionen in einer privilegierten Situation, ist sich Bischof bewusst. «Daher müssen wir realistischerweise damit rechnen, dass künftig nicht mehr so viele Mittel in die Region fliessen könnten.»

Immerhin erhalten die drei bisher vom Bund subventionierten Basler Häuser insgesamt rund 770 000 Franken im Jahr – eine stolze Summe angesichts der 5,1 Millionen für die gesamte Schweiz.

Notfallszenarien vorbereiten

Nicht ohne Grund hätten andere Regionen denn auch bereits beim Bund reklamiert, dass sie künftig besser berücksichtigt werden wollen. Schweizweit kämen wohl nur 12 bis 14 Institutionen zum Handkuss. «Da hätte Basel mit vier Museen ein extremes Übergewicht», weiss auch Bischof. «Wir müssen deshalb auch mit negativen Ergebnissen rechnen.»

Der Kanton habe die Museen bereits angewiesen, ein Notfallszenario vorzubereiten. Bischof: «Wir geben die Hoffnung nicht auf, bereiten uns aber gleichzeitig auf den schlechten Fall vor, um nicht auf dem falschen Fuss erwischt zu werden.»

So weit soll es auf keinen Fall kommen. An die Beteiligung des Standorts angerechnet würden zwar auch Zuwendungen Dritter wie Baselland oder der CMS. Dennoch sei nicht auszuschliessen, dass Basel-Stadt mehr Geld in einzelne Museen stecken muss, damit diese an Bundesmittel kommen. Und das kann rasch ein paar Hunderttausend Franken ausmachen.

Der Entscheid aber liege bei Regierung und Grossem Rat. Vom Präsidialdepartement liege nur eine Absichtserklärung vor, betont Bischof, «mehr ist gar nicht möglich». Doch es bleibt dabei: Zahlt der Kanton nicht den Mindestbeitrag, zieht sich auch der Bund zurück.

Damit könnten weiter einzelne Häuser aus der Bundesförderung rausfallen. Noch will sich Benno Widmer vom Bundesamt für Kultur aber nicht in die Karten blicken lassen: «Über einzelne Gesuchsverfahren erteilen wir keine Auskünfte.»

Der Bund wird erst im Sommer über die Gesuche entscheiden. Die Basler Behörden wissen aber auch so, was es geschlagen hat. «Bei Reduktion oder gar Wegfall bisheriger Bundesmittel wären die betroffenen Basler Museen in ihrer Existenz gefährdet», stellt Bischof klar.

So sieht es bei den einzelnen Museen aus:

Haus der elektronischen Künste HeK

Sabine Himmelsbach blickt optimistisch in die Zukunft. Die Direktorin des HeK zeigt sich davon überzeugt, dass ihr Haus hinsichtlich der Förderkriterien des Bundes gut aufgestellt ist. Das betreffe etwa die Einzigartigkeit der Sammlung und damit auch die gesamtschweizerische Ausstrahlung. Dafür erhält das HeK heute 420 000 Franken vom Bundesamt für Kultur. Zudem beteiligen sich Basel-Stadt und Baselland mit 220 000 beziehungsweise 100 000 Franken. Hinzu kommen weitere 370 000 Franken von der CMS.

Das Haus der elektronischen Künste ist die einzige Institution in der Schweiz mit Fokus auf Medienkunst. Dennoch ist das Haus nicht davor gefeit, dass es künftig mit weniger Bundesmitteln auskommen muss. Immerhin ist der Anteil, welcher «Bern» an Basler Einrichtungen auszahlt, ziemlich hoch im Vergleich zu den 5,1 Millionen Franken, die landesweit verteilt werden. Tatsächlich wäre das HeK aber in seiner Existenz bedroht, sollten die «Mittel wegfallen oder substanziell gekürzt» werden, gibt Himmelsbach zu bedenken.

Schweizerisches Architekturmuseum

Auch das Schweizerische Architekturmuseum hofft darauf, weiterhin Gelder vom Bundesamt für Kultur zu erhalten. Die Ausgangslage ist allerdings schwierig. Denn heute erhält das Museum vom Kanton Basel-Stadt gerade mal 80 000 Franken im Jahr, was bei weitem nicht den Kriterien des Bundes entspricht. Zur Erinnerung: Der Bund fördert künftig nur noch in selber Höhe wie der Standortkanton und nur mit einem Mindestbeitrag von 250 000 Franken. Basel-Stadt hat zwar eine Absichtserklärung abgegeben; diese ist allerdings nicht bindend.

Das Architekturmuseum glaubt dennoch an einen positiven Bescheid aus Bern: «Wir haben uns gut auf die Bewerbung vorbereitet und hoffen stark, auch weiterhin vom Bund gefördert zu werden», lässt Museumsdirektor Andreas Ruby ausrichten. Auch zusätzliche Kantonsgelder scheinen nicht ausgeschlossen zu sein. Der aktuelle Subventionsvertrag läuft Ende Jahr aus. Schon seit letztem Herbst wird über die Subventionen für die Periode 2018 bis 2021 verhandelt.

Sportmuseum Schweiz

Noch vor wenigen Monaten stand das Sportmuseum faktisch vor dem Aus. Die kantonalen Subventionen waren stark umstritten. Diese Hürde aber scheint vorerst genommen zu sein, sodass sich das Museum nun auch um Bundesgelder bewerben kann. Allerdings nur für den Mindestbeitrag von 250 000 Franken, wie die Co-Museumsleiter Lumir Kunovits und Hans-Dieter Gerber erläutern.

Nun will das Sportmuseum die anstehenden Gespräche nutzen, um die künftige Unterstützung durch die Finanzierungspartner Bund, Swiss Olympic und die beiden Basel neu zu gestalten. «Wir erhoffen uns, dass das Sportmuseum Schweiz in Zukunft über eine vernünftige finanzielle Basis verfügen wird, Kontinuität einkehrt und das Potenzial der Sammlung entfaltet werden kann», so die Museumsleitung. «Die künftige Unterstützung durch den Bund wird dann hoffentlich die Regierungen beider Basel beflügeln, sodass sie den beiden kantonalen Parlamenten konstruktive Zukunftsvorschläge unterbreiten werden.»

Jüdisches Museum der Schweiz

Das Jüdische Museum in Basel hat bereits aufgegeben. Es hat beim Bund kein Fördergesuch eingereicht. «Unser kleines privates Museum erfüllt die Bedingungen nicht», erklärt Leiterin Naomi Lubrich. Das Museum erhält vom Kanton nur 80 000 Franken im Jahr; nötig wären aber mindestens 250 000 Franken. «Und weitere Mittel konnte uns der Kanton nicht zusichern», sagt Lubrich. In einem Vorgespräch habe das Bundesamt für Kultur denn auch klargestellt, dass ein Gesuch aussichtslos wäre.

Damit bleibt der Status quo. Denn das Jüdische Museum hat auch bisher keine Bundesgelder erhalten. «Das ist sehr schade», sagt Lubrich, «denn wir wären gerne aktiver und würden auch gerne unsere Öffnungszeiten verlängern.» Zumal das Interesse klar gestiegen sei. Die Besucherzahlen hätten deutlich zugenommen. Das Museum finanziere sich nun aber weiter vor allem aus Spenden. Diese seien jedoch meist nur projektbezogen. Lubrich: «Welcher Spender will schon für die Heizkosten aufkommen?»

Basler Papiermühle

Im Rahmen des neuen Förderkonzepts will sich nun erstmals auch die Basler Papiermühle um Bundesgelder in der Höhe von mindestens 250 000 Franken bewerben. Die Hürde dazu ist allerdings hoch. Vom Bundesamt für Kultur (BAK) stehen insgesamt lediglich 5,1 Millionen Franken zur Verfügung. Und die nationale Konkurrenz ist gross. Kommt hinzu: Das Basler Papiermuseum hat auch bisher keine Bundesmittel erhalten.

Zumindest die neuen finanziellen Kriterien des Bundes kann das Schweizerische Museum für Papier, Schrift und Druck heute auf jeden Fall erfüllen: Für die Jahre 2016 bis 2019 erhält das Haus alleine vom Kanton Basel-Stadt einen Staatsbeitrag von jährlich 260 000 Franken. Über die Kulturvertragspauschale beteiligt sich derzeit ausserdem der Kanton Baselland mit zusätzlichen 50 000 Franken. Und auch die Christoph Merian-Stiftung zahlt derzeit jährlich einen Beitrag in der Höhe von 315 000 Franken an das Papiermuseum. (DBA)