«Wollen Sie das System herunterfahren?», fragt der PC. «Ja bitte, und zwar für immer.» So muss die Antwort lauten, wenn der Computer mit Windows XP betrieben wird. Es ist nämlich nicht nur alt und langsam, sondern auch äusserst unsicher.

Die amerikanische Entwicklerfirma Microsoft hat am 8. April die Unterstützung des Programms nach zwölf Jahren eingestellt. Das bedeutet: Wenn sich im Programm Sicherheitslücken auftun, werden die von Microsoft nicht mehr gestopft. Wenn man Systemprobleme hat, gibt es keine Ansprechpartner mehr. Windows-XP-Computer sind also seit über einem Monat Viren und Hackern schutzlos ausgeliefert.

Nur: Die Computer der Basler Behörden laufen nach wie vor mit genau diesem veralteten Programm. Das bestätigt Kaspar Sutter, Generalsekretär des Basler Finanzdepartements, welchem die Zentralen Informatikdienste angegliedert sind. «Wir beginnen diesen Sommer mit der Migration auf ein neueres System», sagt Sutter. Nächstes Jahr soll diese abgeschlossen sein. Dann wird keines der Basler Departemente mehr mit Windows XP arbeiten.

IT-Experte: Fahrlässige Behörden

Doch setzt sich die Verwaltung bis dahin nicht Sicherheitsrisiken aus? Immerhin sind auf den Behörden-Computern Unmengen sensibler Daten gespeichert – etwa von Basler Bürgern.

«Nein», sagt Kaspar Sutter. «Wir haben eine entsprechende Abmachung mit Microsoft. Sicherheitsupdates werden nach wie vor durchgeführt.» «Doch!», sagt hingegen Guido Rudolphi. Er ist ein sogenannter White-Collar-Hacker – ein Computer-Hacker also, der mit seiner Firma im Auftrag von Unternehmen Sicherheitslecks in Computersystemen aufspürt.

«Sind die Basler Beamten allesamt Fans des Liedermachers Wolf Biermann?», fragt der IT-Experte. Auf die Rückfrage des Journalisten nach dem Warum antwortet er: «Wegen dessen Lied ‹Wir müssen vor Hoffnung verrückt sein›.»

Im Gegensatz zu Kaspar Sutter ist Rudolphi überzeugt, dass sich die Basler Behörden fahrlässig der Gefahr aussetzen, dass ihre Computer gehackt werden. Denn selbst wenn sie einen Spezialdeal mit Microsoft abgeschlossen haben, könne es sein, dass Sicherheitslecks unentdeckt bleiben. Und wenn diese dann gefunden sind, könne es wiederum Monate dauern, bis schliesslich etwas dagegen unternommen werde.

Hacker nehmen XP ins Visier

Rudolphi weiss von der illegalen Hacker-Szene, dass diese es auf die Computer abgesehen hat, die noch mit Windows XP laufen. Er kritisiert deshalb die Basler Verwaltung heftig: «Ich kann mir nicht erklären, weshalb man erst jetzt damit anfängt, auf neue Betriebssysteme umzustellen. Dass Windows XP abgeschaltet wird, ist seit Jahren bekannt.» Die Migration auf ein neueres Programm hätte vor mindestens zehn Monaten gestartet werden sollen, meint der Experte.

Microsoft Schweiz will den Deal mit der Basler Verwaltung nicht bestätigen, da keine Auskunft zu einzelnen Kunden gegeben wird. Sprecherin Barbara Josef sagt nur: «Grosskunden, die jetzt mit uns auf ein neues System migrieren, sind gut geschützt.» Allerdings lässt auch sie durchblicken, dass man früher hätte reagieren sollen.

Guido Rudolphi drückt es so aus: «Wenn man ein Auto fährt, von dem man weiss, dass es im April 2014 auseinanderfällt, sollte man es darüber hinaus nicht weiter benutzen.» Wobei in diesem Fall so viele sensible Daten auf dem Spiel stehen, dass man nicht von einem Auto, sondern einem Schulbus sprechen müsse. Mindestens.