Mit dem Sammelsystem «Sack im Behälter» werden Abfallsorten wie Kehricht, Bioabfälle und weitere Wertstoffe separat der Verwertung zugeführt. Bereitstellen sollen die Leute ihre Abfallsäcke in Unterflurcontainern. Nach dem Einsammeln - jeweils eine Sammeltour soll reichen - werden die Säcke extern sortiert.

Im Parlamentsplenum wehrte sich die SVP gegen den Pilotversuch: Die Volksabstimmung zu flächendeckenden Unterflurcontainern vor vier Jahren sei mit fast 70 Prozent Nein-Stimmen doch klar gewesen. Die SP konterte, jene Vorlage sei an inhaltlichen Fehlern gescheitert, nicht am Prinzip. Der Versuch solle eben die Tauglichkeit beweisen.

Gegen «hellblaue Müllhalden»

Die SVP bezweifelte auch den Bedarf für ein rund um die Uhr verfügbares Entsorgungssystem. Nachteile brächten Container statt Sammeltouren vor jedem Haus für Ältere, die Mühe hätten Säcke herum zu tragen. Die SP konterte, hier seien eigens kleinere und damit leichter tragbare Säcke vorgesehen als die üblichen Bebbi-Säcke.

Für den Versuch sprachen sich derweil andere Bürgerliche aus: Der LDP gefällt, dass man so nicht Fischabfälle in der eigenen Küche drei Tage «herumstinken lassen» müsse, bis die nächste Sackabfuhr kommt. Und die CVP sprach von «grässlichen hellblauen Müllhalden» vor den Häusern vor der Sackabfuhr, die das neue System vermeide.

Für das Grüne Bündnis sind Unterflursysteme «die Zukunft». Die Verwaltung müsse aber die Bedenken ernst nehmen und zum Beispiel Altersorganisationen bei der Auswertung des Versuches einbeziehen. Praktische Fehler müsse man vermeiden, also etwa lieber öfter die Container leeren, bevor sie stinken.

Sorry für Extraschlaufe

Regierungsrat Christoph Brutschin entschuldigte sich für die vierjährige Extraschlaufe des Müll-Themas; man hätte wohl besser von Anfang an einen Pilotversuch vorschlagen sollen. Ein SVP-Rückweisungsantrag scheiterte dann mit 15 gegen 76 Stimmen, bevor der Grosse Rat den Versuch mit 75 gegen 16 Stimmen beschloss.

Die gesammelten biogenen Abfälle werden in der Biopower-Anlage in Pratteln BL verwertet. In den 1,715 Millionen Franken enthalten ist neben den Kosten für die externe Sortierung auch die Evaluation des Versuchs. Eine Machbarkeitsstudie wird für eine Sortieranlage und für eine Biogasanlage zur Verwertung der biogenen Abfälle erarbeitet.

Der Pilotversuch startet im kommenden Jahr. Die gesamte Projektdauer wird gemäss Vorlage auf zweieinhalb Jahre geschätzt.