Die Bekleidungsgestalter, die sich auf die grosse Modenschau vorbereiten, sind einfach zu erkennen: Sie tragen ein Messband um den Hals, sie beugen sich über eine Nähmaschine, ein Kleid oder ein Bügeleisen, sie haben einen leicht gestressten aber motivierten Ausdruck auf dem Gesicht. In den Couture-Ateliers auf dem Campus der Künste beim Dreispitz herrscht ein reges Treiben, die Bügeleisen und Nähmaschinen laufen auf Hochtouren.

Disziplinierte Lernende?

Alle bereiten sich auf eine Modeschau vor, die nur alle zwei Jahre stattfindet und Premiere und Derniere am selben Tag feiert. Die Couture-Ateliers der Berufsfachschule holten dafür die allgemeine Gewerbeschule, die Schule für Gestaltung und das Theater Basel mit ins Boot.

Die Show wird also von zahlreichen Lernenden in allen Lehrjahren bestritten: Die Bekleidungsgestalter entwerfen die Kleider, die Bekleidungsnäherinnen setzen die Entwürfe um und kreieren luxuriöse Roben und sportliche Ensembles. Die Coiffeure machen die Haare der Models, die Floristinnen schmücken die Mauerhalle, den Ort der Modeschau, und auch die Kleider. Die Fachleute Hauswirtschaft kümmern sich um einen Apéro. Dazu Dutzende weitere Berufsschüler, die zum Tag beitragen.

Viele unerfahrene Lernende an einem Ort, das machte Marianne Soltermann, Leiterin der Couture-Ateliers, zunächst Sorgen. «Ich mache das ja schon seit einigen Jahren. Trotzdem hatte ich Bedenken, dass es sehr unkoordiniert und chaotisch wird.» Das sei keineswegs der Fall gewesen. Seit einem Jahr ist sie bereits an den Vorbereitungen und ist jetzt begeistert, wie diszipliniert und effizient die jungen Leute arbeiten.

Als Thema wählte Soltermann den Begriff «Surprise», das einzige Wort, bei dem man nicht direkt eine Assoziation habe. Die Lernenden waren also ganz frei. Vom roten Abendkleid bis hin zum smarten Anzug ist in den Zimmern des Ateliers alles zu sehen. Aufgeteilt ist die Modeschau in sieben Bilder. Darunter eine Hommage an den bekannten Basler Couturier Fred Spillmann oder eine Kleinkollektion aus dem Couture-Atelier der Schule. Die Hommage gefällt Soltermann besonders. Es sei schön, zu sehen, wie viel Zeit und Liebe die Jugendlichen in das Projekt gesteckt haben.

Mit der Modeschau verfolgt sie ein klares Ziel: «Mit diesem Anlass möchten wir die vielfältigen Skills der Lernenden in den gestalterischen Berufen aufzeigen und damit den Nachwuchs stärken.» Besonders gerne erinnert sie sich an das Laufstegtraining, das vor einigen Wochen in der Maurerhalle stattfand. Sie zeigt ein Video davon: Die Jugendlichen laufen in Reih und Glied. Sie wissen, was sie tun und wo sie durchgehen müssen.

In den Räumen der Couture-Ateliers macht jeder etwas anderes - jeder hat sein eigenes kleines Projekt. Julian Sailer, im dritten Lehrjahr, näht noch letzte Federn an einen auffälligen, roten Rock. «Natürlich ist es sehr anstrengend, es macht aber auch unglaublich viel Spass. Wir sind alle schon sehr aufgeregt», sagt er. Aus einem Kleidersack zieht er einen orangefarbenen Anzug. «Sportlich, aus Neoprenstoff.» Er hat ihn eigens für die Modeschau gemacht und wird ihn auch selbst präsentieren - wie alle Lernenden. Sailer hat seinen Nachnamen auf den Anzug gestickt, in hoffnungsvoller Voraussicht: «Vielleicht werde ich mal meine eigene Marke haben.»

Modeschau Heute, 14.30 Uhr, 18 Uhr und 20.30 Uhr, Maurerhalle, Vogelsangstrasse 15,
Infos unter www.couture-ateliers.ch