Ausflug-Serie

Unterwegs im Dreiland: Der Luftkurort am Schwarzwaldrand

Romanische Kirche, Synagoge, Bergbaumuseum, Auktionshaus und gute Beizen – auf nach Sulzburg.

Es atmet sich gut im mittelalterlichen Städtchen Sulzburg am Rande des Schwarzwalds. Sobald man aus dem Bus oder dem Auto steigt, spürt die Lunge, dass Sulzburg seine Auszeichnung als «Luftkurort» zu Recht trägt. «Der wird übrigens alle zehn Jahre aufwendig in einem ein Jahr dauernden Test überprüft», berichtet Thomas Fuchs, Leiter des Tourismusbüros.

Das Städtchen profitiert auch davon, dass es keinen Durchgangsverkehr gibt und die Strasse drei Kilometer nach dem Ort als Sackgasse bei einem Waldhotel am Rande des Schwarzwaldes endet. Vor etlichen Jahren haben die Sulzburger sich auch mit Erfolg dagegen gewehrt, dass ihr hochwertiges, ausgezeichnetes Trinkwasser in einem Verbund mit weniger gutem Wasser vermischt wird.

Marktrecht seit 1008

Erstmals erwähnt wurde der Ort 821, 1008 erhielt er von Kaiser Heinrich II. das Marktrecht. Heute zählt Sulzburg 2600 bis 2700 Einwohner, dazu gehören auch die beiden Orte Laufen und St. Ilgen. Im alten Stadttor, das man durchfährt, war früher ein Gefängnis untergebracht.

Mit dem jüdischen Friedhof von 1500 und einer 1979 schön restaurierten Synagoge trifft man noch heute auf Spuren der ehemals grossen jüdischen Gemeinde. 1500 hatten die ersten Juden das Niederlassungsrecht für Sulzburg erhalten, 1864 lebten 416 Juden in dem Ort und stellten somit 32,1 Prozent der Gesamtbevölkerung. 1821 bis 1822 wurde die Synagoge im neubarock-klassizistischen Mischstil gebaut. In der gleichen Strasse gab es ein grosses Gemeindehaus.

Die Synagoge wurde in der Reichskristallnacht vom 10. November 1938 nur deshalb nicht niedergebrannt, um die eng angrenzenden Häuser nicht zu gefährden. Seit den 1970er-Jahren gehört sie der Stadt und ist heute Kulturdenkmal und Gedenkstätte in einem, in dem auch regelmässig Konzerte und Ausstellungen stattfinden – dann ist sie auch öfter geöffnet. Normalerweise hingegen ist sie nur jeden ersten und letzen Sonntag des Monats von 16 bis 18 Uhr zugänglich. Das Tourismusbüro ist allerdings bereit, sie interessierten Personen nach telefonischer Anmeldung (0049 7634 5600 40) zugänglich zu machen.

1940 wurden die noch in Sulzburg lebenden 27 Juden ins südfranzösische Lager Gurs deportiert und von dort ins Vernichtungslager Auschwitz geschickt.

Mehrere Jahrhunderte war Sulzburg Bergbaustadt; so wurde hier zum Beispiel ab 1028 Silber abgebaut. Die Blütezeit war 1540, als 500 Bergleute in den Silbergruben arbeiteten. Danach kommt der Bergbau während des Dreissigjährigen Krieges völlig zum Erliegen, wird zwischenzeitlich wieder aufgenommen, aber letztendlich 1830 bis 1835 ganz eingestellt. Im Landesbergbaumuseum kann man sich ausführlich über die Geschichte des Bergbaus informieren (Di–So 14–17 Uhr, Mo geschlossen).

Ein Highlight ist der Besuch der ehemaligen Klosterkirche Sankt Cyriak, die erstmals 993 erwähnt wurde. Am Eingang liegen Handexemplare für einen halbstündigen Rundgang bereit. Die Beschreibung aus der kleinen, gut gemachten Broschüre für einen Ortsrundgang, die im Tourismusbüro abgegeben wird, bringt es auf den Punkt: «Das gedämpfte Licht, die Rundbögen des romanischen Stils, die einfachen Pfeiler, die Vorhalle aus dem Jahr 1309, die Holzdecke aus dem Jahre 1510, die zurückhaltende ornamentale Malerei und Reste alter Fresken – das alles vermittelt den Eindruck einer stillstehenden Zeit und spricht in ungewöhnlicher Weise an.»

Parasiten im Naturschwimmbad

Fährt oder geht man von der Kirche ungefähr 1,5 Kilometer Richtung Tal-Ende, kommt man zu einem Campingplatz, dem erwähnten jüdischen Friedhof und schliesslich einem weiteren Kleinod von Sulzburg: dem durch den Sulzbach gespeisten Naturschwimmbad. Schade ist nur, dass wir einen Besuch derzeit nicht guten Gewissens empfehlen können. Die dort lebenden Enten sind von Parasiten befallen, die wiederum auf die im Uferbereich lebenden Schnecken übergehen. Als Zwischenwirt entwickeln sich Zerkarien, die leider auch Menschen befallen können.

Bei Badegästen, die darauf allergisch reagieren, kann sich ein starker Juckreiz bemerkbar machen. Auf der Internetseite der Gemeinde ist unter Naturschwimmbad ein Informationsblatt über Verhaltensregeln als PDF-Datei hinterlegt.

Zurück auf dem Marktplatz, wo sich im Rathaus auch das Tourismusbüro befindet, liegt in einem Teil der Renaissance-Schlossanlage des Markgrafen Georg Friedrich, mit dessen Bau 1515 begonnen worden war, das Auktionshaus Kaupp. Hier finden ein- bis zweimal im Jahr Auktionen, aber auch regelmässig Ausstellungen in Kooperation mit renommierten Galerien statt. Die letzte Ausstellung lief parallel zur Art Basel und war dem deutschen Pop-Art-Künstler Werner Berges gewidmet.

Laut Tourismuschef Fuchs kommen zunehmend Schweizer nach Sulzburg. Die Übernachtungszahlen können sich mit jährlich 50 000 sehen lassen. Das dürfte auch daran liegen, dass der Ort auch kulinarisch einiges zu bieten hat (siehe Box). Ausserdem gibt es von Sulzburg vielfältige Wandermöglichkeiten. Über einen 7,5 Kilometer langen Teil des Markgräfler Wiiwegli kann man zum Beispiel einen Ausflug in die Faust-Stadt Staufen mit ihrer schönen Burgruine machen. Von dort fahren Busse nach Sulzburg zurück.

Die Staudengärtnerei lockt

Wer mit dem Auto anreist, dem sei die wunderschöne Strecke durch die Reben und Winzerdörfer Zunzingen, Britzingen und Laufen entlang des Markgräflerlands empfohlen. In den Dörfern finden sich etliche Verkaufsstände. Wer sich für Pflanzen interessiert, der sollte am Ortsausgang von Laufen einen Halt in der Staudengärtnerei Gräfin von Zeppelin einlegen.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1