Ikone
Unvergessen: Ruedi Walter lebt neu auf

Der berühmte Volksschauspieler wäre diesen Dezember 100 Jahre alt geworden – die Baseldytschi Bihni würdigt ihn.

Benjamin Rosch
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Der Schweizer Schauspieler Ruedi Walter im Jahr 1971.

Der Schweizer Schauspieler Ruedi Walter im Jahr 1971.

KEYSTONE

«Byss dr in d Stirne und schalt dr Ruggwärtsgang yyne, odr y drüll dr s’ Schwungrad aa, as d’mainsch de sigsch e Girobus.» Solche Sätze sagte er, Ruedi Walter. Solche Sätze versteht heute kaum jemand mehr, hat vielleicht damals auch niemand verstanden. Und dennoch kann sich auch heute noch jeder allzu gut vorstellen, wie Walter in einer Rolle den Zürcher Barmann zusammenstaucht, weil er zur Polizeistunde kein Bier mehr erhält. Hösch.

Ruedi Walter war einer der bekanntesten Volksschauspieler der Schweiz. Und eine Basler Ikone – obwohl er eigentlich in Solothurn zur Welt kam. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte sich der Teehändler hier angeschickt, die Cabaret-Bühnen der Schweiz zu erobern. Das Stadttheater Basel war die erste Stätte, die den beliebten Schauspieler beherbergte. Obwohl Walter durchaus auch ernste Rollen verkörperte, blieb der Humor sein Steckenpferd. Die Deutschschweiz lauschte dem Radio, wenn der «Spalebärg 77a» oder «Bis Ehrsams zum schwarze Kaffi» über den Äther laufen liess. Diese Radiosendungen waren Gassenfeger. Auch das Fernsehen machte er zu seiner Bühne, nicht nur, als «Die kleine Niederdorfoper» 1978 ausgestrahlt wurde. 1990 verstarb Walter plötzlich. Am 10 Dezember wäre er 100 Jahre alt geworden.

Kein Imitationsabend

Nun erwecken ausgerechnet zwei Zürcher sein Schaffen wieder zum Leben. Der Schauspieler Thomas Vetterli und der Pianist Stefan Onitsch haben in unzähligen Stunden in Archiven geforscht und nach Ruedi Walters Perlen gesucht. Dabei sind sie neben den absoluten Klassikern auch auf Material gestossen, das heute nur noch eingefleischte Fans kennen – wenn überhaupt. Aus ihren Funden haben sie das Programm «Jässodu!» zusammengestellt.

Eine Hommage, kein Imitationsabend ist es, mit dem die beiden Kleinkünstler seit Anfang Jahr auf Tournee sind. Und mit dem sie auch zahlreiche Hinterbliebene aus der Familie Walter gewonnen haben. Im Lohnhof, Heimat der «Baseldytsche Bihni», wollen die beiden Künstler an das Schaffen von Ruedi Walter erinnern – wenige hundert Meter von seiner Platte, die er als Ehrespalebärglemer erhielt.