Die Basler Sportanlagen sind zum Teil in einem desolaten Zustand. Erst kürzlich machte die bz publik, dass beim Gartenbad St. Jakob Notmassnahmen dringlich wurden, weil Badegästen der Beton auf den Kopf zu fallen drohte. Ebenfalls bekannt ist das Klagelied der Kunsteisbahn St. Margarethen, deren Betrieb ebenfalls nur durch Sofortmassnahmen vor rund zwei Jahren erhalten werden konnte. Das sind nur die bekannten Sorgenkinder. Ein bislang unveröffentlichter Bericht aus der Verwaltung dokumentiert den Zustand der Basler Sportstätten sehr genau.

Den Bericht hat das Sportamt auch unter Einbezug der Vereine zwischen den Jahren 2009 und 2012 erstellt; jetzt liegt er der bz vor. Über 35 Prozent der Befragten gaben damals an, die von ihnen benutzte Sportstätte sei in einem eher schlechten bis sehr schlechten Zustand. Betroffen sind nicht nur Eis- und Schwimmanlagen, sondern auch Turnhallen. Diese würden zwar im Allgemeinen als «gut» beurteilt, allerdings «bemängeln Sportamt und Sportvereine den grossen Sanierungsbedarf von insgesamt 13 Sporthallen». Besonderer Handlungsbedarf bestünde bei den Hallen Neubad, Gellert, Christoph Merian, Holbein und Hirzbrunnen. «Diese Sporthallen sind vom Konzept her veraltet und lassen modernen Sportunterricht sowie eine flexible Nutzung kaum zu», heisst es im Bericht; teilweise bestehe «erhöhte Unfallgefahr». Letzteres ist unter anderem auf zu harte Böden zurückzuführen.

Jede Turnhalle untersucht

Die Ersteller des Sportstätten-Konzepts sind sehr gewissenhaft vorgegangen. Zu einem grossen Teil verantwortlich dafür war Jeannine Borer, im Jahr 2009 konkret für die Erstellung dieses Berichts angestellt. «Wir haben während Monaten jede einzelne Turnhalle angeschaut», sagt sie gegenüber der bz. Ziel sei es gewesen, den Handlungsbedarf aufzuzeigen und eine grössere Vision anzufertigen, die der Frage nachgeht: Was will der Kanton mit seinen Sportanlagen?

Der Bericht enthält auch eine Liste mit baulichen Massnahmen, vorgeschlagenem Zeitraster inklusive. Die Sportanlage Bachgraben sei neu zu konzipieren, heisst es. Auf der Schützenmatte benötige der Unisport eine neue Dreifach-Sporthalle, der Schwingkeller bedürfe ebenfalls eines Ersatzstandorts. Dazu müssten in diversen Sporthallen die alten Böden ausgetauscht werden, und natürlich tue eine Gesamtsanierung der Kunsteisanlage Margarethen Not. Zeithorizont für diese Massnahmen: drei Jahre.

Manches davon konnte der Kanton erledigen, etwa dringliche Kunstrasen-Sanierungen oder der Schwingkeller. Das meiste hingegen nicht. Beim Bachgraben ist eine Neukonzeption nicht in Sicht, momentan liege der Fokus auf den Leitungen, schreibt der Sprecher des zuständigen Erziehungsdepartements (ED) Simon Thiriet, «zum Restaurant im Gartenbad ist eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben worden».

Die Sanierung der Sporthalle im Gellert sei per 2021 geplant, jene im Holbein aktuell gar nicht. Bei der Schützenmatten-Turnhalle verweist Thiriet auf die Uni, zudem seien andere Projekte priorisiert worden: Die Kunschti Eglisee und die Übernahme der Eishalle St. Jakob etwa. Grundsätzlich stellt sich das ED ein gutes Zeugnis aus: «Es werden jährlich mehrere Millionen Franken in Basler Sportanlagen investiert. Im grossen Ganzen dürfen wir uns also nicht beklagen», schreibt Thiriet.

Konzept verschwindet spurlos

Derweil ist das «Sportstätten-Konzept Kanton Basel-Stadt» in einer Schublade verschwunden und geistert seither kaum mehr als Gerücht durch das Basler ED. Nicht nur wurde das Papier nie veröffentlicht, es wurde auch nie finalisiert und als Planungsinstrument eingesetzt. Aktuelle Mitarbeiter des Sportamts wissen kaum mehr von dessen Existenz.

Dies, obwohl das Dokument auf einen grossrätlichen Vorstoss zurückgeht und im 2011 verabschiedeten Sportgesetz verankert ist, wie aus dem Vorwort des Konzepts hervorgeht. Eine Erklärung dafür hat Thiriet nicht, kündet aber an: «Ein Gesamtkonzept zu den Sportstätten liegt noch nicht in publizierbarer Form vor, das ist in Bearbeitung.»