Basler Westring
Unveröffentlichte Tunnelpläne reissen Links-Rechts-Graben auf

Der Streit um den Gundelitunnel spaltet Basel. Wegen bisher unveröffentlichter Pläne für eine Stadtautobahn wird SP-Verkehrsdirektor Hans-Peter Wessels von links kritisiert, von rechts gelobt.

Daniel Ballmer
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Grafik: Micha Wernli Foto: Nicole Nars-Zimmer

Für den Basler Verkehrsdirektor Hans-Peter Wessels ist es «Mumpitz, der aus dem Zusammenhang gerissen ist». Am Samstag hatte die «Schweiz am Wochenende» bekannt gemacht, dass die Tiefbauämter beider Basel über einer neuen Stadtumfahrung brüten. Der umstrittene Gundelitunnel könnte auf Stadtgebiet bis Allschwil verlängert werden. Details will die Verwaltung nicht preisgeben. Der Baselbieter Kantonsingenieur Drangu Sehu spricht von einem vertraulichen Papier. Allerdings: Den Verkehrslobbyisten des TCS beider Basel wurden die Pläne bereits vorgestellt. Die beiden Parlamente dagegen wissen von nichts – obwohl der Basler Grosse Rat morgen über eine SP-Motion befindet, die den Gundelitunnel endgültig beerdigen will.

In der Umwelt-, Verkehrs- und Energiekommission (Uvek) sorge das Vorgehen für Ärger, sagt Präsident Michael Wüthrich von den Grünen. Die Kommission wird den Eindruck nicht los, dass Basel-Stadt hier in die Bresche springen soll. Baselland hatte 2015 die Entwicklungsplanung Leimental-Birseck-Allschwil (Elba) abgelehnt. SP-Grossrat Kaspar Sutter: «Jetzt soll man die Autobahn einfach in Basel bauen, mit allen Finanzfolgen.»

"Für Aufregung gesorgt"

Auch im Baselbieter Landrat ist die Überraschung gross: «Die Meldung hat für Aufregung gesorgt», sagt der Frenkendörfer SP-Landrat Urs Kaufmann. Für den Präsidenten der Bau- und Planungskommission (BPK) wäre es aber eine «etwas einfache Schlussfolgerung, dass nun Basel-Stadt für Baselland bauen soll». Es seien noch sehr viele Fragen offen. «Schockiert» zeigt sich dagegen Kommissions- und Parteikollege Jan Kirchmayr. Ohne politischen Auftrag plane Baselland eine Stadtautobahn auf Basler Boden.

Während Wessels von Links-Grün Kritik einstecken muss, erhält der SP-Magistrat Unterstützung von bürgerlicher Seite: «Die Folien zeigen klar, dass es den Gundelitunnel braucht. Er würde das übrige Strassennetz massiv entlasten», sagt TCS-Präsident und Basler FDP-Grossrat Christophe Haller. Daher sei er UvekPräsident Wüthrich auch dankbar, dass dieser die Folie auf Facebook veröffentlicht habe, «ansonsten bin ich mit ihm in Verkehrsfragen ja selten zufrieden».

Natürlich stelle sich aus Stadtsicht die Frage, ob es sinnvoll sei, wenn eine unterirdische Ringautobahn plötzlich auf Stadtgebiet geplant und so auch Basel-Stadt zur Kasse gebeten würde. «Aber die Verkehrsentlastung wäre so gross, dass sich der Bau auf jeden Fall lohnen würde.» Auch würde wohl ohnehin der Bund den Löwenanteil finanzieren. Das alles aber liege noch in weiter Ferne.

Zudem: «Zwischen ‹überlegen› und ‹planen› ist doch noch ein sehr grosser Unterschied», kommentiert SVP-Grossrat Joël Thüring via Kurznachrichtendienst Twitter. Für seinen Parteikollegen und Baselbieter BPK-Vizepräsidenten Markus Meier ist es dennoch wichtig, dass ein erster Schritt gemacht wird, «sonst kommen wir nirgends hin». Er begrüsse alle Überlegungen, die die Verkehrsprobleme in der Region lösen könnten.

Das sieht Wessels genauso. Der Basler Verkehrsdirektor scheint die Aufregung nicht verstehen zu können: «Selbstverständlich hat man geprüft, welche verkehrliche Wirkung ein solcher Ring haben könnte», versuchte er am Sonntagabend auf Telebasel, den Ball flach zu halten. Es gehe einzig darum, Planungsarbeiten starten zu können. Erst in vielleicht fünf Jahren sei man soweit, zusammen mit dem Bund und Baselland definieren können, wo die Linienführung genau durchführen könnte.

«Unglaublich naiv»

Und weiter: «Ich finde es unglaublich naiv, wie die Leute bei einem solchen Milliardenprojekt davon ausgehen, dass, wenn einer mit einem Filzstift einen Strich zieht, nächste Woche gleich die Bagger auffahren», so Wessels. Es gehe erst um Studien zur verkehrlichen Wirkung, «die wir selbstverständlich auch, wenn das Interesse da wäre, dem Grossen Rat darlegen würden».

In den beiden Parlamenten lassen sich davon allerdings nicht alle überzeugen: «Die Unterlagen der Tiefbauämter zeigen, dass es sich um mehr als nur eine Option handelt», findet GLP-Grossrat Aeneas Wanner. Und auch für den Baselbieter BPK-Präsidenten Kaufmann handelt es sich «sicher um mehr als nur einen Strich auf einem Plan». Dass bisher nur mit dem TCS gesprochen worden sei, sei irritierend. «Gerade nach der Ablehnung von Elba wäre mehr Sensibilität zu erwarten», findet Kaufmann. «Ein solches Projekt müsste breit abgestützt sein.»

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