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UPK-Direktorin Rita Anton: «Wir wollen Ängste und Scheu abbauen»

Rita Anton.JUN

Rita Anton.JUN

Rita Anton, CEO der Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel, erklärt im Interview, wie sie die Psychiatrie und die UPK Basel in ein besseres Licht rücken will. Die Charmeoffensive startet am Sonntag mit dem ersten UPK-Fest auf ihrem Gelände.

Rita Anton, am Sonntag feiern die UPK Basel erstmals ein grosses Fest. Was möchten Sie erreichen?

Rita Anton: Das Fest steht unter dem Motto «Uns persönlich kennenlernen». UPK mal anders übersetzt. Wir laden die Basler und die Bevölkerung aus der Umgebung ein, uns und unser schönes Areal kennenzulernen. Wir möchten allgemein die positive Wahrnehmung des Fachgebiets der Psychiatrie, der UPK Basel und ihrer Standorte, der Betroffenen wie auch der Mitarbeitenden fördern.

Wozu diese Charmeoffensive?

Es gibt immer noch eine grosse soziale Distanz, eine Stigmatisierung, Ängste und Vorurteile gegenüber dem Fachgebiet Psychiatrie als solches. Das wirkt sich auch auf die UPK aus. Es hat aber vor allem negative Auswirkungen für die Betroffenen. Ganz besonders möchten wir Ängste und Scheu der Betroffenen und deren Umfeld abbauen und die Psychiatrie entstigmatisieren. Dies stützt auch die Agenda Gesundheit 2020 des Bundesrates, die auf die Förderung der psychischen Gesundheit, Prävention und Früherkennung setzt.

Warum ist das noch immer so?

Das historisch geprägte Bild der Psychiatrie spielt eine grosse Rolle. Eine psychische Krankheit ist vom Umfeld viel schwieriger zu akzeptieren als eine physische, ganz einfach, weil man nichts sieht. Oft äussert es sich in einem veränderten Verhalten, was nicht fassbar ist wie ein Armbruch. Als CEO der UPK Basel muss ich auch sagen, dass Psychiatrien schlechter angesehen sind als Akutspitäler.

Welchen Einfluss hat die Amokfahrt Ende 2012 und die Kritik am unvollständigen Sicherheitskonzept der forensischen Psychiatrie?

Ich muss korrigieren: Wir hatten immer ein Sicherheitskonzept, auch in der forensischen Psychiatrie. Es ist aber unbestritten, dass ausserordentliche und tragische Ereignisse die Öffentlichkeit aufschrecken lassen. In der Psychiatrie ist es leider häufig so, dass die Wahrnehmung durch solche Einzelfälle geprägt wird. Das UPK-Fest hat aber mit der Flucht, deren tragischen Folgen und der Forensisch-Psychiatrischen Klinik überhaupt nichts zu tun. Die Entstigmatisierung, die Förderung der positiven Wahrnehmung der Psychiatrie, der UPK Basel und ihrer Standorte sowie der Betroffenen ist integraler Bestandteil der UPK-Strategie 2016.

Welche Massnahmen beinhaltet die Strategie 2016 weiter?

Mit gezielten Weiterbildungsveranstaltungen, Podien, Symposien und Kongressen werden wir den Wissenstransfer von uns als Universitätsklinikum in die Gesamtversorgungskette sicherstellen. Mit Diskussionsveranstaltungen und Vorträgen, aber auch Gesellschafts- und Kulturanlässen intensivieren wir die Öffentlichkeitsarbeit. Zudem eröffnen wir im Oktober das Gesundheitszentrum Psychiatrie Kornhausgasse für ambulante Psychiatrie in der Kornhausgasse 7.

Drei Ambulatorien werden zusammengelegt. Auch die sieben Standorte der Kinder- und Jugendpsychiatrie sollen auf dem UPK-Areal zentralisiert werden. Schafft das nicht mehr Distanz?

Nein, das Gesundheitszentrum Psychiatrie Kornhausgasse ist zentral gelegen, in Gehweite des Universitätsspitals und per öV gut erreichbar. Zudem vereint es vier Spezialsprechstunden unter einem Dach – ein Vorteil für die Patienten.

Das Neubauprojekt für die Kinder- und Jugendpsychiatrie ist wegen der Zentralisierung und wegen des Standorts beim Flughafen in Kritik und Stocken geraten.

Wir halten weiterhin an der Einstandortlösung fest, weil dies auch der Behandlungsqualität und der Qualitätssicherung dient. Den ursprünglichen Standort im Norden des UPK-Areals an der Friedrich-Miescher-Strasse haben wir aufgegeben.

Ist eine Alternative näher bei der Bevölkerung, wie die Kritiker fordern, schon gefunden?

Derzeit konzentrieren wir uns auf die Evaluation eines Neubauprojekts im Südostgürtel des UPK-Areals, also am entgegengesetzten Ende des ersten Standorts. Er befindet sich nahe der Bushaltestelle «Im Wasenboden» und dem Bahnhof St. Johann. Mit dem 36er-Bus ist man in weniger als 10 Minuten beim UKBB.

Ist der Standort schon definitiv?

Wir schliessen die Evaluation in den nächsten Monaten ab und werden im Anschluss daran die Öffentlichkeit informieren.

Das UPK-Fest findet morgen von 11–17 Uhr statt. Höhepunkt ist das Konzert der Basler A-capella-Band The Glue um 15 Uhr.

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