Indoor-Anlage

Urban Farmers züchteten auf dem Dreispitz Hanf statt Gemüse

Auf dem Dach einer Liegenschaft der Christoph Merian Stiftung sollten Gemüse und Fische gezüchtet werden. Doch dann betrieben die Besitzer trotz Einsprache der Stiftung plötzlich eine Hanfplantage.

Von der Öffentlichkeit unbemerkt hat das Zürcher Start-up Urban Farmers vergangenes Jahr im Dreispitzareal eine Hanfanlage betrieben. Geerntet wurde sogenanntes CBD-Hanf, das wegen des niedrigen THC-Gehalts in der Schweiz legal ist. Doch das ist auch gleich das einzige, was an dieser Plantage legal war, denn: Angebaut wurde der Stoff auf dem Dach einer Liegenschaft der Christoph Merian Stiftung (CMS) im Dreispitzareal. Gemäss «Online Reports» handelt es sich um 260 Pflanzen. Die CMS hat auch den Bau der Anlage mitfinanziert – allerdings zu einem ganz anderen Zweck. Die Urban Farmers haben 2011 mächtig Rummel gemacht für ihr neuartiges Aquaponic-Projekt, das eine lokale Produktion von Gemüse und eine Fischzucht in einem umweltverträglichen Kreislauf vereint.

2013 wurde die Produktion aufgenommen, erste Abnehmer – lokale Restaurants, später auch die Migros – wurden gefunden. Sogar Bundesrat Johann Schneider-Ammann besuchte die Anlage, der Basler Mäzen Gabriel Eckenstein steuerte eine Million bei und nahm Einsitz im Verwaltungsrat. Grosse Expansionspläne wurden präsentiert, etwa der Bau einer riesigen Anlage auf dem Dach des Migros Dreispitz und einer weiteren Migros-Filiale in Zürich. Doch dann wurde es still um die Stadt-Farmer. Und aus dem zwar ökologischen, aber nicht ökonomischen Gemüse-Fisch-Kreislauf wurde eine CBD-Hanfplantage.

Produktion ohne Zustimmung

Die CMS wurde von den Urban Farmers über die Neuausrichtung informiert und legte umgehend Einsprache ein– doch die Farmer, die gemäss Vertrag für jegliche Form von Umnutzung die Zustimmung der CMS als Geldgeberin und Vermieterin brauchen, wollten nichts von einem Übungsabbruch hören und machten weiter, bis die Hanf-Pflanzen genügend CBD-Blüten produziert hatten. Was mit den Blüten geschah, ist unklar. CBD-Hanf erlebt derzeit in der Schweiz einen regelrechten Boom. So wird der nicht-psychoaktive Stoff alleine in Basel in über zehn speziellen Shops, aber auch bei Denner und an Kiosken, verkauft. Je nach Qualität kosten die Blüten bis zu 50 Franken pro Gramm. Bei 30 bis 40 Gramm getrockneter Blüten pro Pflanze, die gemäss einschlägiger Literatur bei Indoor-Anlagen mit künstlicher Beleuchtung anfallen, könnte die Ernte bis zu einer halben Million Franken eingebracht haben – mehr als doppelt so viel, wie die CMS beigesteuert hatte (260 000 Franken).

Gerne hätte die bz auch mit dem Basler Finanzier und Mäzen Eckenstein über die zwielichtigen Tätigkeiten jener Firma gesprochen, die er finanziell unterstützt hat und bei der er im Verwaltungsrat sitzt. Am Mittwoch noch bestätigte er gegenüber der bz, dass er weiterhin an der Firma beteiligt sei. «Die Anlage in Basel war als Pilotprojekt geplant und auch erfolgreich. Es hat sich jedoch gezeigt, dass der wirtschaftliche Betrieb einer Aquaponic-Anlage nur möglich ist, wenn mehr Fläche verwendet wird. Eine solche Anlage haben wir kürzlich in Holland in Betrieb genommen.»

Leider wusste die bz am Mittwoch zwar bereits, dass die Farm auf dem Dreispitz aktuell stillsteht. Dass zuvor darin Hanf angebaut wurde, hat die CMS auf die Frage nach dem Grund der Kündigung verschwiegen. Erst Recherchen von «Online Reports» brachten dieses brisante Detail ans Licht – Gabriel Eckenstein ist aber seither auf Tauchstation, ebenso wie Roman Gaus, CEO von Urban Farmers. Auch er hat dem Online-Portal Fragen beantwortet, ausweichend. So sagt er, dass der Test trotz negativen Feedbacks der CMS weitergeführt worden sei, weil die Pflanzen bereits geliefert und anschliessend gepflanzt worden seien. Die Gründe, die zur Kündigung geführt haben, sind für Gaus «nicht nachvollziehbar und unverhältnismässig».

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