Internationaler Frauentag
Ursina Früh: «Hexenverfolgung passt gut zum Frauentag»

Ursina Früh und ihr «Basel Living History»-Team laden heute anlässlich des Internationalen Frauentags zu einer Führung zum Thema Hexenverfolgung ein. Im Interview spricht Früh über Hexenkult und Kaderpositionen.

Mélanie Honegger
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Ursina Früh spricht im Interview

Ursina Früh spricht im Interview

AZ

Frau Früh, warum greifen Sie in Ihrer Stadtführung das Thema der Hexenverfolgung auf?

Ursina Früh: Wir hatten diese Tour bereits letztes Jahr im Angebot. Das Thema der Hexenverfolgung passt sehr gut zum Frauentag. Wir wollen unseren Beitrag leisten und auch ein Stück weit verhindern, dass die Leute vergessen, was sich früher in dieser Stadt abgespielt hat.

Wo sehen Sie denn den Bezug zu heute?

Einerseits gibt es den Bezug zur Stadt: Wir leben in einer sehr geschichtsträchtigen Stadt, das geht oft vergessen. Andererseits gibt es immer noch Länder, vor allem in Afrika und Südamerika, wo dieser Hexenkult noch anzutreffen ist.

Viele Leute empfinden heutige Frauenorganisationen als ultrafeministisch. Besteht diese Gefahr auch bei Ihrer Tour?

Frauentag 2012: Basel macht mit

Von 15 bis 18 Uhr wird heute auf dem Marktplatz anlässlich des Internationalen Frauentags ein Zelt der «Aktion 8. März Basel» mit Installationen und einer Bühne für diverse Auftritte stehen. Zahlreiche namhafte Organisationen wie Amnesty International werden vor Ort sein, aber auch das Gleichstellungsbüro Basel-Stadt ist am Projekt beteiligt. Im Fokus steht das Geld. Die internationalen Finanzmärkte, in denen fast ausschliesslich Männer das Sagen haben, reissen die ganze Gesellschaft in eine Krise, von der viele Menschen, aber im Wesentlichen Frauen betroffen sind. Heute noch verdienen in der Schweiz die Frauen im Schnitt 18,7 Prozent weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen. (mho)

(Lacht) Nein, das glaube ich gar nicht. Wir von Basel Living History sind keine Frauenrechtlerinnen. So gesehen wollen wir auch gar keine Kämpfe für die Rechte der Frauen führen, sondern ein Theaterstück mit informativem Hintergrund bieten. Klar, wir geben ein Statement ab. Aber wir wollen keinen politischen Schwerpunkt setzen.

Mit der Hexenverfolgung greifen Sie aber ein Thema auf, das heute in Basel über keine Brisanz mehr verfügt. Sollten Sie sich nicht besser der Aktualität widmen?

Der Hexenglaube war geprägt von einem radikalen Fanatismus. Leider ist dieser, ob religiös oder politisch motiviert, bis heute aktuell. Wir verdeutlichen, zu welchen Grausamkeiten der Mensch fähig ist, wenn er von Fanatismus geleitet wird.

Wo besteht Ihrer Meinung nach heute noch Handlungsbedarf?

Frauen stehen durch familiäre Themen sicher stärker unter Druck als Männer. Diese könnten die Frauen auch etwas mehr unterstützen. In vielen Firmen sind Kaderpositionen hauptsächlich von Männern besetzt. Die Hexenverfolgung ist auch übertragbar auf andere Themen wie Rassismus oder sonstige Diskriminierung. Unsere Tour ist aber auf die vergangene Zeit fokussiert. Wir wollen damit auch zeigen, dass wir einen Schritt nach vorn gemacht haben, zumindest hier bei uns.

Bewegt sich unsere Gesellschaft denn in die richtige Richtung?

Ich hoffe es! Es gibt bestimmt immer noch grossen Handlungsbedarf, aber im Vergleich zu anderen Ländern sind wir sicher auf dem richtigen Weg.

Eine persönliche Frage, Frau Früh: Wie fühlen Sie sich denn als Frau in der heutigen Gesellschaft?

(Zögert) Ich in meiner Generation habe zum Glück keine grosse Benachteiligung erlebt. Was mich beschäftigt, ist die Lage auf dem Arbeitsmarkt. Wie soll eine Frau Familie und Arbeit unter einen Hut bringen? Ich empfinde eine Problematik in diesem Bereich.

Sie persönlich sind aber nicht betroffen?

Auch als freischaffende Schauspielerin ist es nicht immer einfach. Unregelmässige Arbeitszeiten und bessere Jobangebote für Männer machen die Schauspielerei zu einem harzigen Business und in diesem Sinne zu einem ziemlich frauenfeindlichen Gebiet.

Zurück zur Führung, bei der auch geschauspielert wird: Gibt es eine Szene, die Sie besonders beeindruckt?

Die Rolle an sich (Dilge Glaser, Anm. der Red.): Eine Katholikin, wie sie es war, kam bei einer Hexenbeschuldigung gleich in die Hölle. Darauf reagierte sie mit Resignation und beugte sich langsam ihrem Schicksal. Diese Stärke bewundere ich.