Zu einer Haftstrafe von sechs Jahren wegen Mordes wurde am Freitag ein 48-jähriger Basler vor dem Landgericht Karlsruhe verurteilt. Das Gericht folgte damit uneingeschränkt der Anklage, die ebenfalls sechs Jahre Haft gefordert hatte. Der Verteidiger des Angeklagten hatte auf Freispruch plädiert. Der Prozess hatte für Aufsehen gesorgt, denn die Tat liegt rund 28 Jahre zurück.

Im Juni 1987 wurde die Leiche einer 25-jährigen Frau aus Trient in Südtirol grausam verstümmelt im Karlsruher Hardtwald gefunden. Der Täter wurde nie ermittelt, bis sich Anfang dieses Jahres ein Mann auf einer Polizeiwache in Basel zur Tat bekannte.

Der Schweizer, der sich vor Gericht geständig zeigte, hatte ausgesagt, dass ihn die Bilder der Bluttat seit Jahren in Albträumen verfolgen. Er wollte «reinen Tisch» machen. Bei dem Prozess kam das Jugendstrafrecht zum Tragen, weil der Täter 1987 erst 20 Jahre alt war und ihm Psychologen eine Reifeverzögerung attestierten.

Der Täter entschuldigt sich

Nach einem fünftägigen Prozess stellte das Landgericht unter Vorsitz von Peter Schweikart Heimtücke sowie Mord zur Befriedigung des Geschlechtstriebs fest. Das letzte Wort hatte zuvor der Angeklagte selbst. Paul Heinz P., der den gesamten Prozess regungslos – das Gesicht meist in die Hände gestützt – verfolgte, wandte sich an den Vater und den Bruder der ermordeten Antonella B., die seit den Plädoyers an dem Prozess teilnahmen: «Es tut mir leid», sagte er mit stockender Stimme.

In seiner Urteilsbegründung liess Schweikart das Tatgeschehen noch einmal Revue passieren. So habe die Eisverkäuferin aus Trient den Beschuldigten an besagtem Sonntag im Juni 1987 nach «Cavallo» (italien. für Pferd) gefragt – in der Nähe des Tatorts gibt es ein Gestüt. Der Beschuldigte sass auf einer Bank und hörte dem Konzert von Tina Turner zu, das im benachbarten Wildpark über die Bühne ging. «Schon dieser kurze Kontakt hat zu einer sexuellen Erregung beim Angeklagten geführt. Er folgte der Frau und als sie sich wehrte, nahm er sich vor, sie zu töten, um sexuelle Handlungen am toten Körper vorzunehmen», so Schweikart.

Der Version des Verteidigers, Paul Heinz P. habe Antonella B. aus Wut getötet, weil sie ihn beleidigt habe, nachdem er ihr zuvor an die Brust gefasst hatte, schenkte das Gericht keinen Glauben. Der Beschuldigte sei von Beginn bis Ende der Tat sexuell erregt gewesen. «Der Angeklagte wollte Verkehr um jeden Preis. Als das Opfer sich widersetzte, erwürgte er es.»

Strafmildernd hat sich sein Geständnis ausgewirkt. Denn: Wenn sich der Mann, der in Ettingen aufgewachsen ist, nicht gestellt hätte, wäre die Bluttat in Karlsruhe niemals aufgeklärt worden. Zudem wurde berücksichtigt, dass der Täter in zerrütteten Verhältnissen aufgewachsen war. Er lebte immer wieder in Heimen, unter anderem in Südwestdeutschland. Zur Tatzeit war er in einer Jugendeinrichtung bei Karlsruhe untergebracht.

Nimmt er das Urteil an?

Zuletzt fragte der Vorsitzende Richter Paul Heinz P., ob er das Urteil denn auch annehme oder ob er gedenke, noch Rechtsmittel einzulegen. «Für die Familie des Opfers wäre dies sicher gut zu wissen. Sie könnte Ruhe finden. Ebenso wie sie sie ihr Gewissen beruhigen können, wenn sie sich ihrer Strafe stellen.»

Sein Verteidiger Alexander Kist liess jedoch verlauten, dass «man erst eine Nacht darüber schlafen» werde. Einverstanden mit dem Urteil zeigten sich die Nebenkläger der Opferfamilie. Sie hatten eben auf jene sechs Jahre Jugendstrafe plädiert. «Ganz zufrieden ist man natürlich nie. Wichtig ist jedoch, dass die Familie mit dem Urteil leben kann», so die Nebenkläger nach dem Urteilsspruch.