Baselbieter Spardiktat

Vakante Professuren: Uni Basel verhängt Einstellungsstopp

Signal aus dem Baselbiet zeigt Wirkung: Die Uni Basel sistiert Berufungsverfahren für Professuren.

Signal aus dem Baselbiet zeigt Wirkung: Die Uni Basel sistiert Berufungsverfahren für Professuren.

Die vakante Botanik-Professur, die aufgrund des Spardrucks aus Baselland nicht besetzt wird, ist nur die Spitze des Eisbergs: Recherchen der bz zeigen, dass die Uni mittelfristig komplett auf Neubesetzungen von Professuren verzichtet.

Seit Ende Oktober liegt ein Strategiepapier der Universität Basel auf den Tischen der Regierungen der beiden Basel. Darin werden verschiedene Optionen aufgeführt, wie die Universität Basel künftig weniger ausgeben oder mehr fremde Mittel einholen kann. Der genaue Inhalt des Papiers ist vertraulich, doch scheint es auch weitreichende Sparoptionen zu enthalten. Denn nur so ist erklärbar, wieso die Uni proaktiv entschieden hat, sämtliche Berufungsverfahren für Professuren, die derzeit vakant oder neu zu besetzen sind, zu sistieren.

Sprecher Matthias Geering begründet den Entscheid der Uni-Leitung denn auch mit der unklaren finanziellen Situation im Hinblick auf die Leistungsperiode 2018 bis 2021. «Damit erhalten wir uns den grösstmöglichen Spielraum für künftige Berufungen, bis die Regierungen der beiden Trägerkantone entschieden haben, welche Strategie in Zukunft verfolgt werden soll.» Bereits vom Uni-Rat bewilligte Berufungen seien vom Entscheid nicht betroffen.

Eine Mauer des Schweigens

Wie viele Professuren davon betroffen sind, sagt Geering nicht. Auch in den Departementen: Eine Mauer des Schweigens. Nachdem die bz am Dienstag publik gemacht hat, dass im Departement für Umweltwissenschaften eine vakante Professur aus Spargründen nicht besetzt wird, wurden über 20 weitere Departementsvorsteher angefragt.

Einzig aus der geisteswissenschaftlichen Fakultät verlautete unter dem Deckmantel der Anonymität, dass mindestens drei Professuren zu besetzen seien. Im Fall einer vakanten Mediävistik-Professur liege der Ball beim Uni-Rat, der den Berufungsprozess freigeben sollte. Bisher sei alles reibungslos verlaufen und man gehe davon aus, dass die freie Professur im Herbst 2017, spätestens im Frühling 2018, besetzt werden könne.

Regierung stützt Vorgehen der Uni

Auch die beiden zuständigen Regierungsräte geben sich bedeckt. Der basel-städtische Erziehungsdirektor Christoph Eymann sagt nicht, ob er über den Einstellungsstopp der Uni informiert gewesen sei, und lässt lediglich über seinen Sprecher ausrichten, dass er «den Entscheid, den die Universität getroffen hat, respektiere».

Seine Baselbieter Kollegin Monica Gschwind hingegen befürwortet das Vorgehen der Uni. «Die beiden Kantone haben in ihrer Vereinbarung vom Oktober 2015 ein gemeinsames Bekenntnis abgegeben, sich einvernehmlich auf eine Reduktion der Trägerbeiträge zu einigen. Vor diesem Hintergrund handelt die Universität verantwortungsbewusst, wenn sie Stellen während dieses klärenden Prozesses nicht neu besetzt, bevor die Trägerschaftsbeiträge für die Jahre 2018 bis 2021 definiert sind.» Dieser Prozess dürfte bis Ende nächsten Jahres dauern, wie die Landeskanzlei skizziert.

Demnach laufen derzeit die Verhandlungen zwischen den beiden Regierungen, bis im Frühling 2017 soll eine Vorlage in die Kantonsparlamente gebracht werden. Berücksichtigt man die Möglichkeit eines Referendums, dürfte die Uni erst 2018 wieder Planungssicherheit haben und damit die sistierten Berufungsverfahren wieder aufnehmen.

Interpellationen eingereicht

Dabei war Planungssicherheit für die Uni der zentrale Punkt im 80-Millionen-Deal zwischen den beiden Kantonen. Darin einigten sich die beiden Regierungen 2015 darauf, dass der Landkanton trotz Sparbemühungen unter anderem den Univertrag nicht kündigt. Dafür verpflichtete sich Basel-Stadt zu jährlichen Zahlungen von 20 Millionen Franken für die Jahre 2016 bis 2019. Gemeinsam wurde auch festgehalten, dass die Universität bis Oktober 2016 Vorschläge unterbreiten muss, wie sie zu einer Reduktion des von beiden Kantonen zu tragenden Restdefizits beitragen kann, wie in der damaligen Medienmitteilung festgehalten wird. Dies kann mit Einsparungen, aber auch durch Erhöhung der externen Mittel geschehen.

Dass sich die Uni nun durch einen Einstellungsstopp den nötigen Spielraum verschaffen muss, der ihr eigentlich durch die Zahlungen von Basel-Stadt hätte gewährt werden sollen, war nicht vorgesehen. Die offenen Fragen hingegen werden vermutlich schneller beantwortet: Die Juso hat aufgrund der Berichterstattungen der bz vom Dienstag via Sarah Wyss und Jan Kirchmayr in beiden Kantonen zwei gleichlautende Interpellationen eingereicht. Sie wollen von den Regierungen unter anderem wissen, ob sie Kenntnis von den Nichtbesetzungen hatten, welche Professuren neu zu besetzen sind und welche vakant bleiben werden.

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