Unispital Basel
Valderrabano versus Unispital: Es steht Vorwurf gegen Vorwurf

Im Fall des entlassenen Cheforthopäden des Universitätsspital Basel steht Aussage gegen Aussage. Chefarzt Valderrabano dementiert die Vorwürfe der Spitalleitung, er habe unrechtmässig Honorar kassiert, das Universitätsspital hält daran fest.

Pascale Hofmeier
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Victor Valderrabano, geschasster Chefarzt der Orthopädie am Unispital Basel.

Victor Valderrabano, geschasster Chefarzt der Orthopädie am Unispital Basel.

Kenneth Nars

Unrechtmässig bezogene Honorare, falsch abgerechnete Spesen und Mängel in der Operationsorganisation: Aus diesen Gründen hat das Universitätsspital Basel (USB) am Montag seinen Cheforthopäden Victor Valderrabano angezeigt, entlassen und freigestellt (die bz berichtete). Diesen Anschuldigungen widerspricht Victor Valderrabano, er wird die Kündigung anfechten, bestätigt sein Anwalt Gabriel Nigon einen Bericht der «Basler Zeitung». Er wirft dem Universitätsspital schlechten Stil vor wegen seiner «aggressiven Kommunikation, die juristisch nicht nötig» sei. Und er bemängelt: «Wir mussten heute sogar noch die für den Rekurs nötigen Unterlagen anfordern», sagt Nigon. Valderrabano war gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Was heisst «selber erbracht»?

Der Hauptvorwurf: Valderrabano habe Honorare für privatärztliche Operationen kassiert, an denen er nicht anwesend war. Im entsprechenden Reglement des Universitätsspitals über die privatärztliche Tätigkeit steht, dass die Bewilligung berechtigt, «in eigenem Namen privatärztliche Leistungen zu erbringen und dafür ein Honorar zu verlangen». Als in eigenem Namen erbracht gilt die Leistung, wenn sie von der Person selber ausgeführt, von ihr instruiert oder überwacht wird. «Was das genau heisst, ist abstrakt. Es gibt keine konkreten Richtlinien und keine einheitliche Praxis, wie das im Spital gehandhabt wird», sagt Nigon. In der ganzen Schweiz gebe es keine einheitlichen Regeln, wo die Grenzen der sogenannten Instruktionsdelegation seien.

Das sieht das USB anders: «Darunter verstehen wir, dass der Arzt zumindest mit dem Patienten oder dem Fall vertraut ist», sagt Sabina Heuss, Kommunikationsleiterin des USB. «Der Spielraum wurde bei Weitem überschritten.»

Der Fall Valderrabano ist nicht der einzige seiner Art. Auch das Locarneser Spital «La Carità» im Kanton Tessin hat einen Vize-Chefarzt entlassen, weil er sich für Operationen entlöhnen liess, bei denen er nicht im OP anwesend war. Gesundheitsökonom Willy Oggier geht davon aus, dass es nicht bei diesen beiden Fällen bleiben wird: «Durch die Verselbstständigung der Spitäler ist der Druck grösser, die Verrechnungspraxis zu überprüfen.»

Honorare: buhlen um Beste

Grundsätzlich gilt: Ob ein Chefarzt ein Honorar für eine Operation bei halb- oder privat versicherten Patienten erhält, auch wenn er nicht im OP stand, ist von der Art seiner Vertragssituation abhängig, bestätigt Oggier seine Aussage gegenüber dem «Regionaljournal». «Es gibt Spitäler, die zulassen, dass ein Arzt für jede privatärztliche Operation entlöhnt wird.» Die Praxis sei im Wettbewerb um Spezialisten entstanden: «Wenn ein Spital einen Chefarzt unbedingt will, dann lässt es sich auf Bedingungen ein.» Er kenne Fälle solcher Verträge – allerdings nicht in Basel-Stadt und Baselland. Mit diesen zusätzlichen Honoraren, die den Lohn massiv aufbessern, beteiligt sich ein Chefarzt nur am Ertrag, nicht aber am Risiko der Klinik. «Unter dem neuen System mit den Fallpauschalen versuchen Spitäler vermehrt, für die leitenden Ärzte und Chefärzte kein Privathonorar mehr zuzulassen, sondern sie am Gesamtergebnis einer Klinik oder des Gesamtspitals zu beteiligen.»

Bei den Spesen gab es Fehler

Was den zweiten Vorwurf angeht, Valderrabano habe unrechtmässig private Spesen über zweckgebundene Fonds abgerechnet, da räumt Anwalt Nigon ein, dass es Fehler gab. Konkret geht es um Reisen an Kongresse, an die Valderrabano seine Familie mitnahm. Die Rechnungen des Reisebüros wurden aus einem Fonds bezahlt, in den ein Teil der Honorare fliesst, um Anschaffungen zu finanzieren. In diesem Fonds waren gemäss Nigon noch Honorargelder, die sich Valderrabano nicht als Lohn hatte auszahlen lassen. «Die Rechnung ist in einem Fall storniert und das Geld retourniert», sagt Nigon. «Im Fonds ist immer noch mehr Geld drin, als er hätte rausnehmen dürfen.»

Beim dritten Vorwurf der Operationsorganisation, da gehen die Meinungen wieder auseinander: Valderrabano sei «wiederholt mit Beschwerden bezüglich Mängel in der OP-Organisation» konfrontiert worden, hält das USB fest. «Es sind alte Vorwürfe von früher. Seit 2010 gab es keine Mitarbeitergespräche mehr», widerspricht Nigon. Aus einer Zeit, in der es zu wenig Personal und keinen Klinikmanager gab. Zudem sei sein Mandant nie verwarnt worden und er habe sich nie zu diesem Vorwurf äussern können.

Es wird erst ermittelt

Juristisch gesehen steht erst eines fest: Das Universitätsspital hat am Montag eine Anzeige erhoben. Momentan ist die Basler Staatsanwaltschaft (Stawa) damit beschäftigt in einem polizeilichen Ermittlungsverfahren abzuklären, ob eine Straftat passiert ist oder nicht. Ermittelt wird wegen Verdacht auf Vermögens- und Urkundendelikte. «Noch fehlen uns wichtige Unterlagen des Spitals», sagt Stawa-Sprecher Peter Gill. Sollten die Ermittlungen zum Schluss kommen, dass eine Straftat vorliegt, folgt eine eigentliche Untersuchung. Falls nicht, werden die Ermittlungen eingestellt.