Scherben

Vandalismus an jüdischer Metzgerei in Basel: War Antisemitismus das Motiv?

Vier Vorfälle in den letzten Wochen. Nun denkt die jüdische Genossenschaftsmetzgerei über Videokameras nach.

Gleich zweimal schlugen die unbekannten Täter am vergangenen Wochenende zu. In der Nacht von Freitag auf Samstag – also während dem Sabbat, dem jüdischen Ruhetag – wurden Steine an die Eingangstüre der Jüdischen Genossenschaftsmetzgerei in der Friedrichstrasse geworfen. Dabei ging eine Scheibe zu Bruch. In der darauffolgenden Nacht auf Sonntag nochmals das gleiche Muster.

Bereits vor einem Monat wurde die Metzgerei, die als einzige in der Region koscheres Fleisch für die jüdische Gemeinschaft anbietet, Opfer von Vandalismus. Beide Male wurden die hebräischen und deutschen Schriftzüge beim Eingang beschädigt. Auffallend: Der Beginn der Vandalenakte fällt zusammen mit den wichtigen jüdischen Feiertagen Rosch Haschana (Neujahrsfest), Jom Kippur (Versöhnungstag) und Sukkot (Laubhüttenfest).

Sicherheit verstärkt

Die Metzgerei mit rund 800 Kunden im Monat hat ihren Standort schon seit Jahrzehnten an der Friedrichstrasse. «Solche Vorfälle haben wir zum ersten Mal», sagt Vorstandsmitglied Leopold Stefanski. Er vermutet Antisemitismus als Motiv. Allenfalls kämen mit Blick auf die Dauerkontroverse ums Schächten auch militante Tierschützer infrage. Konkrete Hinweise wie Drohungen, Schmierereien oder Bekennerschreiben gibt es allerdings keine. «Wir überlegen uns in Rücksprache mit der Polizei und einer Sicherheitsfirma nun, ob wir eine Überwachungskamera installieren sollen», sagt Stefanski.

Die Sachbeschädigungen fallen in eine Zeit, in der die Sicherheitsfrage der Juden in Basel ein grosses Politikum ist. Die Israelitische Gemeinde hat ihr Dispositiv rund um die Synagoge an der Eulerstrasse massiv verstärkt. Allerdings reisst ihr dies ein Loch in die Kasse. Mehrfach wurde deshalb in den vergangenen Monaten in der Regierung und im Parlament die Frage diskutiert, ob man jüdische Einrichtungen wegen der Gefahr von terroristischen Anschlägen besser bewachen solle. So wurden während den jüdischen Feiertagen im September erstmals Betonpoller rund um die Synagoge aufgestellt. Auch der Bundesrat hat kürzlich eine halbe Million Franken zum Schutz von gefährdeten Minderheiten in Aussicht gestellt.

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