Strafgericht
Vater erhält sieben Jahre Haft, weil er seinen Sohn mit einem Kissen erstickte

Der 45-jährige Schweizer, der im Dezember 2009 seinen Sohn erstickt hat, ist am Freitag vom Basler Strafgericht wegen vorsätzlicher Tötung und Urkundendelikten zu sieben Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden. Der Mann hat umgehend appelliert.

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Der Vater, der 2009 seinen Sohn erstickt hatte, wurde zu 7 Jahren Haft verurteilt. (Symbolbild)

Der Vater, der 2009 seinen Sohn erstickt hatte, wurde zu 7 Jahren Haft verurteilt. (Symbolbild)

Keystone

Das Gericht folgte zwar im Schuldspruch der Staatsanwaltschaft, ging aber beim Strafmass deutlich über deren Antrag hinaus. Der Staatsanwalt hatte vier Jahre wegen vorsätzlicher Tötung gefordert. Die Verteidigerin hatte auf fahrlässige Tötung und acht Monate bedingt plädiert, dies bei Straffreiheit für die Tötung wegen schwerer Betroffenheit. Der Beschuldigte befindet sich auf freiem Fuss, Schriftensperre und Meldepflicht bleiben bestehen.

Das Gericht sei der Meinung, dass die Aussagen des Beschuldigten nicht überzeugen würden, hielt der Gerichtspräsident in der mündlichen Begründung des Urteils fest. Der Beschuldigte habe seine Darstellung im Verlaufe des Verfahrens beschönigt, doch sei seine Version in relevanten Punkten forensisch widerlegt. Zentral war dabei die Frage, in welcher Position der Vater den Sohn gehalten hatte.

Gestützt auf Aussagen und eine Skizze des Beschuldigten aus einer frühen Phase der Strafuntersuchung ging das Gericht davon aus, dass der Vater auf dem Kissen lag, das sich der Sohn vor das Gesicht hielt, und sich das Kind wehrte. Der Beschuldigte hatte vor Gericht gesagt, er habe den Knaben seitlich gehalten und keine Gegenwehr wahrgenommen. Beim Eintreffen der Sanität war das Kissen auf dem Gesicht des Opfers gelegen.

Nicht abgenommen hat das Gericht dem Vater, dass er sich der Gefährlichkeit seines Verhaltens nicht bewusst gewesen sei. Jedermann wisse, wie gefährlich es sei, so lange und so stark ein Kissen auf ein Gesicht zu drücken, sagte der Gerichtspräsident. Der Druck sei so stark gewesen, dass es zu einer Brustkorbkompression gekommen sei. Angesichts der Schwere der Gefahr bejahte das Gericht auch den Vorsatz.

Der Beschuldigte habe den Tod des Kindes mindestens in Kauf genommen, hielt der Gerichtspräsident fest. Der Vater hatte geltend gemacht, er habe den Sohn trösten und beruhigen wollen. Der Knabe hatte ihn entdeckt, als er sich ein Messer ans Handgelenk gehalten hatte. Er war ins Schlafzimmer gerannt und hatte sich ein Kissen vor das Gesicht gehalten.

Das Strafgericht hat auf die Anordnung von Sicherheitshaft verzichtet. Es liege keine Fluchtgefahr vor, sagte der Gerichtspräsident. Die Schriftensperre und die Meldepflicht bleiben jedoch gemäss Anordnung des Gerichts bestehen. Der Beschuldigte sass nach dem Vorfall acht Monate in Untersuchungshaft.