Comic-Pionier
Vater von «Little Nemo» Winsor McCay im Cartoonmuseum Basel

Der «Little Nemo»-Erfinder Winsor McCay bekommt die erste Retrospektive in der Schweiz, im Cartoonmuseum Basel. Der Comic-Pionier hatte zu Beginn des 20. Jahrhunderts nicht nur den ersten Trickfilm überhaupt geschaffen, sondern auch den Surrealismus vorweggenommen.

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Little Nemo in Slumberland (11. Februar 1906)
11 Bilder
Little Nemo in Slumberland (1908)
Die Werke Winsor McCays sind im Cartoon Museum Basel ausgestellt
Little Nemo in Slumberland (25. Februar 1906)
Little Nemo in Slumberland (26. November 1905)
Little Nemo in Slumberland (27. Dezember 1908)
Dream of the Rarebit Fiend (25. Februar 1905)
Dream of the Rarebit Fiend (6. September 1905)
Little Sammy Sneeze (19. März 1905)
Midsummer Day Dreams (1911)
Winsor McCay (1906)

Little Nemo in Slumberland (11. Februar 1906)

Cartoon Museum

Die Ausstellung «Winsor McCay. Comics, Filme, Träume», die am Samstag öffnet, stellt das ganze phantastische Panoptikum des 1934 verstorbenen Amerikaners vor, das weit über seine bekannteste Comicfigur des «Little Nemo in Slumberland» hinausreicht. Von Nemos Traumabenteuern publizierte McCay fast 550 Folgen.

1869 in Spring Lake in Michigan geboren, arbeitete McCay als Plakatmaler für Vaudeville-Theater (Revues mit Musik, Tanz und Akrobatik), bevor er zu Zeitungen wechselte - «Nemo» wurde quasi im «New York Herald» geboren. Schon seine «Rarebit Fiend»-Serie davor im «New York Evening Telegram» war schwer (alp)traumlastig.

Seine Zeichnerkarriere begann in Detroit, wo er in einem kleinen Show-Museum gegen Geld Besuchende porträtierte. Ein Kunstprofessor erkannte sein Talent und unterrichtete ihn in Farben- und Perspektivlehre. Auch später als Zeitungs-Comickünstler trat McCay noch als Live-Zeichner auf verschiedenen Kleinbühnen auf.

Surreale Prinzipien

McCay experimentierte gerne mit der Bilderzählung, ungewöhnlichen Layouts und Perspektiven. Traummotive und Verzerrungseffekte nahmen Surrealisten-Ansätze vorweg. Manchmal stauchte oder bog er Figuren, um Wolkenkratzer und Häuserschluchten ins Bild zu rücken. Präzise sequenzierte Bewegungsabläufe schlugen den Bogen zum Film.

Walt Disneys «Steamboat Willie» war McCay 17 Jahre voraus, als er ab 1911 die allerersten Zeichentrickfilme der Filmgeschichte schuf: Mit 4000 Zeichnungen versetzte er seinen «Little Nemo» in Bewegung. Die Vorführung seiner Pionier-Trickfilme in Revuetheatern plante er genau und begleitete sie mit humoristischen Einlagen selbst.

Neben Fiction beschäftigte er sich auch mit Facts, als politischer Zeichner und Karikaturist. Zudem war sein dritter Trickfilm gleichzeitig der welterste Propagandafilm, jener über den Untergang des britischen Passagierschiffes «Lusitania» nach deutschem Torpedobeschuss.

Das Cartoonmuseum zeigt bis Ende Oktober rund 180 Exponate, darunter Zeitungsblätter, 30 Originalzeichnungen McCays, einige Objekte und auch Filme. Vieles stammt von privaten Leihgebern aus diversen Ländern. Die Basler Retrospektive kam in Zusammenarbeit mit mehreren deutschen Museen zustande.