Sich für Tiere zu engagieren, hat in der Schweiz Tradition. Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden die ersten Tierschutzvereine. Vier haben heute ihren Sitz in Basel.

Davon haben sich drei dem Veganaktivismus verschrieben. «Noch vor drei Jahren wussten die wenigsten, was vegan bedeutet», sagt Marielle Kappeler von der Veganen Gesellschaft Schweiz. Zumindest in den Städten Basel, Zürich und Bern ist es nun zu einem selbstverständlichen Begriff geworden.

«Vor acht Jahren gab es genau ein Restaurant, das in Basel unter anderem vegane Gerichte anbot», sagt Kappeler. Inzwischen gibt es in Buchhandlungen eine Fülle an Kochbüchern, in Restaurants wie dem Tibits und dem Hirscheneck gehören vegane Tage zum festen Programm.

«Das ist die Gelegenheit für alle, die Vielfalt der veganen Küche kennenzulernen», heisst es beim Tibits auf Anfrage. Das Angebot an tierfreundlichem Essen wächst. Immer mehr Beizen in Basel bieten zudem explizit vegane Gerichte an.

«Viele Gastronomen haben die Angst davor ein bisschen verloren und gemerkt, dass die Nachfrage immer grösser wird.» Denn neben veganen Burger und Döner gebe es mittlerweile sogar veganes Fondue. «Es gibt nichts, was es nicht gibt», sagt Jana Grunwald vom Verein Basel-Vegan.

Jeder rote Punkt ein veganes Angebot: Es wird immer einfacher, sich in Basel tierfreundlich zu verköstigen. Google Earth

Vegane Restaurants in Basel

Vielfältiges Angebot

Seit 2009 setzt sich der Verein Basel-Vegan für eine tierfreundliche Lebensweise in der Region ein. «Mit Hilfe von Aktionen wie Infoständen und dem Verteilen von Flyern, möchten wir die Menschen auf das Thema aufmerksam machen.»

Denn den Meisten sei nicht bewusst, dass man die Tierindustrie durch den Konsum von Milch und Eiern auch unterstütze. «Um möglichst viel Tierleid zu mindern, reicht es nicht, vegetarisch zu leben», sagt Kappeler.

In Basel tierfreundlich einzukaufen, ist durch das wachsende Angebot einfacher geworden. «Um Einsteigern und Interessierten unter die Arme zu greifen, bieten wir vegane Shoppingtouren an», sagt Grunwald.

Zu Jahresbeginn gebe es nämlich häufiger Menschen, die sich tierfreundlich ernähren möchten. Nebst Coop und Migros biete auch das Reformhaus Müller vegane Produkte an. «Man hat schon fast die Qual der Wahl», sagt Grunwald. 2014 eröffnete mit «Gingi» zudem der erste vegane Laden in der Region. In seinem Angebot ist sogar das Tierfutter vegan.

Mit ihren Aktionen möchten der Verein Basel-Vegan und die Vegane Gesellschaft Schweiz vor allem, dass der Trend anhält und zur Normalität wird. Laut Kappeler stehen die Chancen dafür in Basel gut.

Denn das Interesse sei vorhanden, wie Auswertungen der Homepage-Besuche zeigten. «Hier hat man den Vorteil, dass sich neue Ideen schnell verbreiten.» Zudem sei Basel eine Studentenstadt.

«Viele junge Leute haben heute ein Bewusstsein dafür entwickelt, dass es gut ist, vegan zu leben – auch wenn sie nicht gleich strenge Veganer werden», so Kappeler. Dazu gehöre auch, dass Basel Standort mehrerer grösserer Organisationen ist, die sich in diesem Bereich engagieren.

Schritte zur Normalität

Es wird zukünftig noch mehr tierfreundliche Angebote in Basel geben. «Mit dem Projekt ‹Educhefs› bieten wir ein Aus- und Weiterbildungsangebot für die Profi-Gastronomie an.»

So werden kleine und grössere Betriebe dabei unterstützt, vegane Gerichte möglichst einfach im Küchenalltag zu integrieren - von der Beschaffung über die Lagerung bis hin zur Zubereitung.

«Es sind auch noch weitere Projekte geplant, die ich aber nicht ausplaudern darf», sagt Kappeler. Mittelfristig solle es aber darum gehen, möglichst viele Personen zu erreichen, die vegan leben oder den ethischen Grundsatz dahinter zumindest passiv unterstützen.

Die Organisation «Sentience Politics» hat am 2. Dezember ihre «Initiative für nachhaltige und faire Ernährung» eingereicht. Das Begehren fordert unter anderem, dass öffentlich-rechtliche Kantinen, die mehr als ein Menü zur Auswahl haben, zusätzlich ein veganes Gericht anbieten.

Zudem soll der Kanton ein Leitbild erarbeiten, wie die pflanzliche Ernährung gefördert werden kann. «Basel hat sicher Chancen, mit einem guten Beispiel voranzugehen», sagt Kappeler.

Mit 3 085 gültigen Unterschriften wurde die Initiative überwiesen. Auch durch solche Aktionen wird es immer wahrscheinlicher, dass Veganismus sich zu mehr als einem blossen «Trend» entwickelt. Kappeler: «So können wir endlich darauf hinarbeiten, dass Tiere tatsächlich geschützt werden.»