Das Thema vegane Ernährung ist immer für eine Diskussion gut. Sollte man meinen. Obwohl in knapp zwei Monaten in Basel genau über dieses Thema abgestimmt wird, herrscht eine Stille wie auf dem Rüeblifeld beim ersten Schnee. Die Initiative für eine «nachhaltige und faire Ernährung» fordert, dass der Kanton vegane und vegetarische Ernährung fördert, konkret etwa in den Kantinen von öffentlichen Institutionen oder im Haushaltsunterricht in der Schule. Fleischkonsum verstärke die Klimaerwärmung und verschärfe den Welthunger und die Wasserknappheit, so die Begründung der Initianten.

Das Spezielle: Die Vegi-Initiative ist regional kaum verankert. So sitzt kein einziger Basler Politiker im Komitee. Lanciert wurde die Initiative von der Tierrechtsorganisation Sentience Politics, die nach eigenen Angaben «Politik für alle empfindungsfähigen Wesen» macht. Für Aufsehen sorgte der Verein vor allem mit der zweiten Initiative. Diese forderte Grundrechte für Primaten und wurde kürzlich vom Basler Parlament für ungültig erklärt.

Dreh- und Angelpunkt der Ernährungsinitiative ist Meret Schneider, Gemeinderätin der Grünen im zürcherischen Uster. Sie hat die Initiative, die auch in Zürich und Luzern lanciert wurde, ausgearbeitet und formuliert. Die Baslerin Michèle Singer, welche pro forma das Initiativkomitee bildete, ist nach eigenen Angaben mittlerweile nicht mehr aktiv dabei. Bereits als die Initiative in der Kommission für Gesundheit und Soziales beraten wurde, liess sie sich von Schneider vertreten, was für Verwirrung sorgte.

«Wir machen auf jeden Fall noch eine Kampagne in Basel», sagt Schneider. Geplant ist vor allem eine Information mit Flyern. Ausserdem werde sie bei mehreren Parteien an deren Versammlungen für die Initiative werben. «Wir können allerdings nicht allzu viel investieren», sagt Schneider. Denn im Frühling will Sentience Politics eine nationale Initiative gegen Massentierhaltung lancieren.

Cassis distanziert sich

Dabei gäbe es für die Vegi-Initiative durchaus regionale Sympathisanten. Auf seiner Homepage listet der Verein Sentience Politics eine Reihe an prominenten Unterstützern auf, darunter der FDP-Bundesrat Ignazio Cassis – allerdings noch als Fraktionschef betitelt – und der Basler SP-Nationalrat Beat Jans. Die beiden würden das Positionspapier «Nachhaltige Ernährung», das die Grundlage für diese Initiative bildet, unterstützen. Allerdings wusste Jans nichts von seinem Glück. Auch eine Kontaktaufnahme vonseiten Initianten habe es nicht gegeben. «Vom Inhalt her unterstütze ich das Anliegen», sagt Jans. Allerdings frage er sich, wie viel die Initiative wirklich bewirken könne. Jans bezeichnet sich als Flexitarier.

«Ich würde gerne ganz vegetarisch leben, bin aber in meiner Familie in der Minderheit.»
Anders ist die Lage bei Bundesrat Ignazio Cassis: «Herr Cassis unterstützt die Initiative nicht», stellt seine Pressestelle klar. Er habe vergangenen Juni der Organisation mitgeteilt, dass seine Aussagen nicht als Unterstützung der Initiative interpretiert werden sollen.