Kommentar
Velofahren ist keine Religion

Martina Rutschmann über das Basler Nein zum Veloring.

Martina Rutschmann
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Eine überraschend deutliche Klatsche: Fast 60 Prozent sagen Nein zum Veloring. Die Befürworter haben es nicht geschafft, aufzuzeigen, warum es den Ring braucht. Die Idee eines Gesamtkonzepts zur Verbesserung der Velosituation kam im Abstimmungskampf zu kurz, es ging nur um den isolierten Ring. Und dass ein solcher keinen Sinn macht, war selbst vielen hartgesottenen Velofahrern klar. Sie wollen, was die Gegner predigten: direkt von A nach B fahren.

Das klare Nein ist auch als Stimmungsbarometer zu verstehen. Die Bürger haben genug von einer Verkehrsplanung, bei der einzelne Teilnehmer bevorzugt werden. Das haben die gescheiterten Abstimmungen zur Strasseninitiative und zum Erlenmatttram gezeigt. Für die anstehenden Initiativen des Gewerbeverbands für ein «rücksichtsvolles Miteinander aller Verkehrsteilnehmer» sollte es folglich gut aussehen, doch als Autofahrer-Vertreter steht der Verband wahrscheinlich genauso im Abseits wie die Velolobby. Selbst, wenn er wirklich alle Verkehrsteilnehmer berücksichtigen will: Der Stallgeruch der Autofahrer haftet dem Gewerbeverband zu sehr an.

Dabei ist es Zeit, die Ideologien abzulegen. Velofahren ist keine Religion, sondern eine praktische und gesunde Art, sich fortzubewegen. Autofahren ist kein Statement für oder gegen etwas, sondern oft einfach bequem. Die Gegner haben versprochen, die Veloförderung unabhängig vom Veloring vorantreiben zu wollen. Sie müssen Wort halten, um den Stimmbürger nicht zu enttäuschen. Und um aufzuzeigen, wie eine vernünftige Verkehrspolitik funktioniert.