Basel
Velokuriere haben dank autofreier Innenstadt 20 Prozent mehr Aufträge

Die Basler Velokuriere erleben derzeit einen regelrechten Boom. Seit Einführung des neuen Basler Verkehrskonzepts haben die Transportaufträge der Velokuriere um 20 Prozent zugenommen.

Samuel Hufschmid
Merken
Drucken
Teilen
Pro Schicht mit vier bis fünf Cargo-Bikes unterwegs: «Metropol»-Velokurier.

Pro Schicht mit vier bis fünf Cargo-Bikes unterwegs: «Metropol»-Velokurier.

zvg

Velokuriere mit schwer beladenen Cargo-Bikes erleben derzeit einen regelrechten Boom. Seit die Basler Innenstadt Anfang Jahr für Autos gesperrt wurde, haben die Transportaufträge um 20 Prozent zugenommen, sagt Peter Tomasek, Geschäftsführer der Kurierfirma «Metropol». «Wir haben derzeit pro Schicht zwischen vier und fünf Lastenvelos im Einsatz. Als wir vor elf Jahren, kurz nach der Firmengründung, erstmals Cargo-Bikes eingesetzt haben, wurden wir noch belächelt – auch von der Konkurrenz.»

Unter dem Label «basel at home» bietet der Kurierdienst seit vier Jahren Heimlieferdienste für Geschäfte in der Basler Innenstadt an, darunter Manor, Migros und Coop. Auch dort spüre man eine positive Entwicklung, auch wenn es noch zu früh sei, um Zahlen zu nennen, sagen die Verantwortlichen der angefragten Warenhäuser. «Der Hauslieferdienst erfreut sich seit seiner Einführung 2011 immer wachsender Beliebtheit und hat seit Inkrafttreten des neuen Verkehrskonzepts für unsere Kunden nochmals an Bedeutung gewonnen», sagt Manor-Greifengasse-Direktorin Maria Janneke de Bruijn. Und auch für Migros-Basel-Sprecher Dieter Wullschleger ist der Dienst eine gute, ökologisch sinnvolle Sache. «Unsere Filiale Claramarkt zeigt, dass ‹basel at home› hier häufiger genutzt wird als in anderen Filialen, die mit dem Auto besser erreichbar sind.» Das Angebot sei aber grundsätzlich noch zu jung und müsse noch bekannter werden.

«Kurierzentrale» legt ebenfalls zu

Auch der zweite grosse Basler Velokurierdienst, die «Kurierzentrale», verzeichnet seit Einführung des neuen Verkehrskonzepts «spürbar mehr Aufträge mit Cargo-Bikes», sagt Geschäftsführer Jérôme Thiriet. «Dazu gehören auch Aufträge, die wir früher mit dem Auto ausgeführt haben, was jetzt ab 11 Uhr nicht mehr möglich ist.» Zugenommen habe auch die Zusammenarbeit mit der Post, für die die «Kurierzentrale» Express-Zustellungen in die Innenstadt durchführt, seit diese ihre Sendungen nicht mehr selbst per Auto abliefern kann. «Allgemein entwickeln sich die Aufträge eindeutig in Richtung grösserer Güter. Als wir vor 26 Jahren angefangen haben, transportierten wir vor allem Briefe, Druckgüter und CD-ROMS. Das wird heute alles per Internet verschickt. Als reines Velokurier-Unternehmen könnten wir deshalb kaum mehr existieren.» Thiriet wird demnächst zusätzliche Cargo-Bikes kaufen, um auf die erhöhte Nachfrage zu reagieren.

Leise Kritik aus Fahrerkreisen

Die Verantwortlichen beider Kurierdienste sagen, dass die Cargo-Schichten bei den Mitarbeitern beliebt seien. Einerseits weil die eingesetzten Cargo-Bikes relativ gut entwickelt seien, aber auch, weil ein kleinerer Perimeter gefahren werde und die Schichten gut bezahlt seien, so Thiriet. Für «Metropol»-Geschäftsführer Tomasek sind die Lastenvelos die logische Weiterentwicklung des Velokurier-Grundsatzes, so viel wie möglich unmotorisiert transportieren zu können. Doch die im Vergleich zu den sportlichen Kuriervelos relativ schweren, ungelenken Gefährte kommen nicht bei allen Velokurier-Fahrern gut an, wie mehrere ehemalige und aktive Mitarbeiter bestätigen. Die Schichten seien unbeliebt und hätten nichts mehr mit dem Velokurier-Lifestyle zu tun, lautet der Tenor. Öffentlich dazu stehen wollte hingegen niemand und alle bestätigten, dass es durchaus Fahrer gebe, die die Cargo-Schichten mögen. Das bestätigt auch «Metropol»-Geschäftsführer Tomasek: «Wir haben mittlerweile sogar Fahrer, die ihre eigenen Cargo-Bikes haben.»