Er schwärmte in den höchsten Tönen. Man könnte auch sagen: Er trat mächtig in die Pedale. Grossrat Raphael Fuhrer (Grüne) durfte diese Woche in der «Tageswoche» darüber schreiben, warum «wir alle wirklich jeden Velofahrer lieben müssen». Im Text hielt er etwa fest, dass sie den Verkehr flüssiger machen oder wahre Parkplatzkönige sind, die jeden noch so eng bemessenen Platz gut ausnutzen würden: «Auf einem Autoparkplatz haben mindestens zehn Velos Platz.»

Fuhrer hat Recht – es gehen noch mehr. In der Eisengasse in Basel füllen an gewissen Tagen mehr als fünfzehn Velos ein Parkfeld aus. Nur: Es handelt sich dabei um einen Behindertenparkplatz. Am 8. Juni fotografierte Taxifahrer Sawas Wassiliadis die Situation und wies zwei Polizisten, die sich in der Nähe befanden, auf den Missstand hin. «Sie zuckten nur mit den Schultern.» Er verstehe ja, dass ein Velo irgendwo abgestellt werden müsse, «aber auf dem Behindertenparkplatz? Das ist respektlos und zeugt von fehlendem Anstand.»

Verstärkte Kontrollen

Die Polizei hat in der Zwischenzeit reagiert. Neben den ordentlichen Veloparkfeldern an der Eisengasse wurde vor wenigen Tagen ein Gitter platziert, um die Grenze zum Behindertenparkplatz noch deutlicher aufzuzeigen. Dazu die Aufschrift: «Ausserhalb der Parkzone abgestellte Zweiradfahrzeuge werden abgeschleppt.»

Laut Martin Schütz, Sprecher der Basler Polizei, beschränkt sich das Problem nicht auf die Eisengasse. «Wir stellen eine Häufung von falsch abgestellten Velos fest. Auch in der Stadthausgasse, teilweise beim Marktplatz», sagt er. Seit Anfang Juni habe der Verkehrsdienst deshalb seine Kontrolltätigkeit in diesem Bereich verstärkt. Fehlbare Fahrer würden konsequent mit 20 Franken gebüsst oder ihre Zweiräder abgeschleppt. Wie viele Velos das wöchentlich sind, variiert laut Schütz nach Jahreszeit oder etwa Baustellen. «Im Schnitt dürften es zwischen zehn und zwanzig sein. Die Tendenz ist steigend.»

Basels oberstem Velofahrer konnte die bz keinen Kommentar entlocken. Bau- und Verkehrsdirektor Hans-Peter Wessels lässt über Sprecherin Nicole Stocker ausrichten: «Selbstverständlich kann das Miteinander im Strassenverkehr nur funktionieren, wenn sich alle rücksichtsvoll verhalten.» Derzeit sei die Situation für Velos um die Mittlere Brücke erschwert; wegen der Baustelle seien etliche Abstellplätze temporär aufgehoben.

Den ganzen Sommer über Dichtestress gibt es entlang des Rheinufers. Bei schönem Wetter ist gefühlt die halbe Stadt mit dem Velo unterwegs, um im Fluss zu baden oder an einer Buvette ein Bier zu trinken. Platz für alle Velos hat es schon lange nicht mehr. Ein Buvettebetreiber berichtet, dass ein Velo kürzlich den Eingang zu seinem Barcontainer versperrt habe.

Anwohner sind stocksauer

Auf Antrag mehrerer Buvettebetreiber und der Allmendverwaltung hat das Bau- und Verkehrsdepartement (BVD) bereits im Jahr 2013 auf die Platznot am Rhein reagiert: Auf der Höhe Oetlingerstrasse und Florastrasse gibt es seither Parkfelder, die im Winter von Auto- und im Sommer von Velofahrern genutzt werden dürfen. Die Situation konnte allerdings nicht entschärft werden.

Stocker sagt: «In der Innenstadt gibt es deutlich zu wenig Veloparkmöglichkeiten.» Das Thema geniesse hohe Priorität: «Das Amt für Mobilität prüft derzeit eine Verbesserung der Abstellmöglichkeiten entlang des Rheins, konkret am Unteren Rheinweg.» Man könne nicht ausschliessen, dass zusätzliche Veloparkplätze zu Lasten der Autofahrer realisiert würden.

Als René Häfliger, Medienmann, LDP-Grossrat und Anwohner, von den Absichten des BVD erfährt, platzt ihm der Kragen. «Bei den Wechsel-Parkplätzen in der Flora- und Oetlingerstrasse haben wir Anwohner beide Augen zugedrückt. Dass jetzt noch mehr Autoparkplätze wegfallen sollen, ist der Gipfel.» Häfliger kündigt an, dass er politisch intervenieren wolle, sollten sich die Pläne konkretisieren.

Seine Chancen auf Erfolg dürften allerdings klein sein. Als er sich im Februar gegen einen Anzug wehrte, der eine weitere Begegnungszone am Rhein zulasten von 17 Parkplätzen vorsieht, blieb dies wirkungslos. Häfliger sieht sich zahlreichen Gegnern gegenüber. Einer davon dürfte Grossrat Fuhrer sein.