Noch vor zwei Jahren bot die Basler Innenstadt ein buntes Bild mit illegalen Plakaten an Hauswänden, Tramhaltestellen und Bauzäunen. Seit einer Bestimmungsänderung im Jahr 2010 (sie Kasten) sind die illegalen Plakate der etablierten Kulturveranstalter aus dem Stadtbild verschwunden, da sie eine «konstruktive Haltung» zeigen wollten, wie Sandro Bernasconi, Musik-Chef der Kaserne Basel, erklärt. Nur: Es fehle an Alternativen. In der Basler Innenstadt gibt es achtzig legale Plakatboxen im öffentlichen Raum.

Das sei im Vergleich zu rund tausend wilden Plakaten vor der Regelung eine absurd geringe Zahl, hiess es an der gestrigen Medienorientierung des Vereins Kultur und Gastronomie. Die Boxen befinden sich an Verteilkästen der IWB, der BVB und des Bau- und Verkehrsdepartements. Zusätzliche Plakatboxen konnten bislang auch an den Wänden privater Häuser angebracht werden. Seit diese Boxen aber eine Baubewilligung erfordern, ziehen sich zahlreiche Hausbesitzer zurück, die Plakatstellen müssen demontiert werden.

Höhere Kosten für Veranstalter

«Zwar führen wir gute Gespräche mit der Verwaltung, die Verschärfung der Situation zwingt uns jetzt aber dazu, an die Öffentlichkeit zu gehen», betont Patrik Aellig, Vertreter des Vereins Kultur und Gastronomie, der die Interessen der kleinen Kulturveranstalter vertritt.

Durch die Neuregelung sind die Werbekosten für die Veranstalter immens gestiegen, da sie die Werbeflächen von einem der beiden Anbieter in Basel, der Kulturbox GmbH und der Kulturservice S.E.A GmbH anmieten müssen. Diese wiederum mieten die Standorte von der Stadt. Zwar hat diese den Preis auf 32 Franken pro Jahr festgesetzt, die BVB verlangt für ihre Flächen aber bis zu 220 Franken.

«Wir geben bei kleinen Produktionen mehr für die Werbung aus, als für die Gagen der Künstler», beschreibt Bernasconi die Situation. Aufgrund der hohen Preise und der wenigen Flächen verwenden viele Veranstalter inzwischen nur noch Übersichtsplakate mit dem Monatsprogramm. Damit betrifft das Problem auch Grafiker und Gestalter, da weniger Aufträge vergeben werden.

Dem Verein Kultur und Gastronomie schwebt ein Modell vor, wie es in Zürich bereits erfolgreich praktiziert wird. Dort stehen in der ganzen Stadt Plakatsäulen und Plakatwände zur Verfügung, die ausschliesslich der Kulturwerbung dienen. Die Kosten würden sich auf knapp eine halbe Million Franken belaufen, in zehn Jahren wären die Flächen amortisiert. Sebastian Kölliker von Kulturstadt Jetzt spricht von einem «zinsloses Darlehen für die Kultur».

Auch grosse Veranstalter betroffen

Fakt ist, dass den kleinen Basler Kulturveranstaltern im Moment die Möglichkeit fehlt, grosszügig und kostengünstig für ihr Programm zu werben. Ähnlich geht es aber externen Veranstaltern von Grosskonzerten im St. Jakob beispielsweise. Eine lebendige Kulturstadt zeichnet sich gerade durch eine grosse Vielfalt aus, die in der öffentlichen Wahrnehmung präsent sein muss. Dies zu unterstützen liege auch im Interesse der Regierung, betont der Verein Kultur und Gastronomie.