Die Basler CVP sagt den Velorowdys den Kampf an. «Alle, die in Basel unterwegs sind, beobachten oder erleben am eigenen Leib täglich Dutzende von Verkehrsverstössen durch Velofahrer, die nicht geahndet werden», sagt Fraktionspräsidentin Andrea Knellwolf. Vor allem für ältere Menschen sei dies ein Problem. Viele, die dann Velofahrer zur Rede stellen wollen, würden ignoriert, beschimpft oder sogar bedroht, so Knellwolf. Sie habe den Eindruck, «dass es wohl nicht mehr sehr lange gehen wird, bis jemand quasi zur ‹Selbstjustiz› gegen rücksichtlichtslose Velofahrer greifen könnte».

Deshalb fordert die Nationalratskandidatin nun zusammen mit fünf weiteren Parlamentariern ihrer Fraktion Massnahmen gegen Zweiradrowdys. Der Polizei fehle offenbar eine praktikable Handhabe, so Knellwolf. So hatte Justiz- und Sicherheitsdirektor Baschi Dürr (FDP) bei einer ihrer früheren Anfragen auf den erheblichen personellen Aufwand von Velokontrollen durch die Polizei hingewiesen.

Es brauche also eine Lösung, mit der auch vorbeiflitzende Velos klar zugeordnet werden können, meint Knellwolf. Denkbar wäre für sie ein Nummernschild oder besser ein Funk-Chip: Dieser könnte von der Polizei erfasst werden, ohne die Velos stoppen zu müssen. Ausserdem würde so auch der Diebstahlschutz verbessert, argumentiert Knellwolf. Die Einführung müsste wohl schrittweise vonstattengehen. Für Basler Velofahrende dagegen «ist eine Lösung einfacher und soll entsprechend mit Priorität verfolgt werden».

Gleiche Vorschläge vom abgewählten Nationalrat

Bei Pro Velo winkt man ab: «Das ist völlig unverhältnismässig», sagt Co-Präsidentin Anina Ineichen, «mal ganz abgesehen von der Frage, wie man das bewerkstelligen will.» Ineichen widerspricht auch dem Bild, das die CVP vom Basler Verkehrsalltag malt: «Ich bin praktisch täglich mit dem Velo unterwegs und erlebe kein Sodom und Gomorra.» Um die Konflikte im Strassenverkehr zu verringern, wäre es deutlich zielführender die Velo-Infrastruktur zu verbessern, so Ineichen. «Dann gibt es auch weniger Übertretungen.»

Ironie der Geschichte: Bereits vor vier Jahren hatte der Basler CVP-Nationalrat Markus Lehmann mit den teils gleichen Vorschlägen für Aufsehen gesorgt. Neben Nummernschild oder Chip forderte Lehmann Videokameras an wichtigen Kreuzungen und Fussgängerzonen und einen Internetpranger für Velorowdys. Der Bundesrat winkte ab: Das geltende Recht biete genügend Handhabe, um gegen fehlbare Fahrradfahrer vorzugehen. Besonders viele Freunde scheint sich Lehmann damals nicht gemacht zu haben. Bei den Wahlen 2015 wurde er abgewählt.