«Good News für Raucher: Im Raucherbereich darf weiterhin geraucht werden. Good News für Nichtraucher: Geraucht werden darf nur noch im Raucherbereich.» Das kündigen die blau-weissen Plakate jetzt auf den Perrons des Basler SBB-Bahnhofs an. So weit, so gut. Aber bringen die Raucherareale wirklich die gewünschten Folgen mit sich?

Während der Durchführung eines einjährigen Pilotprojekts wurden in sechs Schweizer Bahnhöfen drei verschiedene Konzepte getestet. Der Bahnhof in Basel machte mit und wurde komplett rauchfrei. Seit Ende 2018 ist klar: Das System mit den Raucherbereichen wird gegenüber den Raucherlounges und komplett rauchfreien Bahnhöfen bevorzugt und somit schweizweit eingeführt. Nun sind die Raucherbereiche auch am Basler SBB-Bahnhof anzutreffen.

SBB: Es sollen alle Bedürfnisse berücksichtigt werden

Es ist ein gewöhnlicher Nachmittag am Basler Bahnhof der SBB: Vor der Eingangshalle sitzen Leute, trinken Bier, hören Musik – und rauchen. Was vielleicht einige der pendelnden Raucher noch nicht wissen: Auch auf dem Perron ist es nun in markierten Zonen wieder erlaubt, die letzte Zigarette vor der Zugfahrt zu rauchen. Auf Gleis 6 steht ein Mann brav in der markierten Zone am Ostende des Perrons und pafft seine Zigarette. Der Zug fährt ein, an ihm vorbei – seine Begleiter folgen dem Zug, um möglichst schnell einzusteigen, er bleibt zurück. Schmunzelnd meint er: «Die haben kein Mitleid mit den Rauchern.»

Generell scheinen die Raucher das Thema nicht allzu schwer zu nehmen. Eine ältere Dame, die vor dem Nebeneingang der Bahnhofshalle ihre Zigarette raucht, stört sich nur daran, dass in keinem einzigen Raucherbereich eine Sitzbank steht. «Aber hier ist man immerhin nicht so ausgestellt wie beim Haupteingang oder in den Raucherzonen auf den Bahnsteigen», meint eine Frau, die daneben steht.

Die Hoffnung ruht auf Aschenbechern

Pro Perron sind in Basel zwei Aschenbecher aufgestellt, je einer an jedem Ende des Bahnsteigs. Auf Gleis 9 geniesst ein Student im Raucherbereich am Westende des Perrons seine Zigarette. Auch er zeigt Verständnis für die neue Regel. Sie sei ein fairer Kompromiss, der die Bedürfnisse der Raucher wie auch der Nichtraucher berücksichtige. Wichtiger ist ihm aber etwas anderes: «Die Raucher entsorgen ihre Stummel hoffentlich vermehrt in den Aschenbechern, wenn sie sowieso bei diesen rauchen müssen», sagt er. Auch die nichtrauchenden Mitpendler zeigen sich nicht unzufrieden. Einer Frau auf Gleis 4 ist gar noch nicht aufgefallen, dass an gewissen Orten wieder geraucht werden darf: «Als Nichtraucherin bin ich aber schon froh, wenn nicht überall um mich herum geraucht wird», sagt sie.

Bei der Durchsetzung des Rauchverbots wird weiterhin nicht auf Bussen gesetzt: «Reisende, die sich nicht an die Regelung halten, werden höflich angesprochen und auf die Raucherbereiche hingewiesen. Im Wiederholungsfall können sie weggewiesen werden», so Martin Meier, Mediensprecher der SBB.

Das Problem mit den Rowdy-Rauchern

Wenn sich alle an die Regeln halten würden, wären wohl die allermeisten mit der neuen Rauchverordnung einverstanden. Dies bestätigt auch Meier: «Die Akzeptanz der schweizweiten, etappenweisen Einführung von rauchfreien Bahnhöfen mit Raucherbereichen ist hoch, da dies einem Bedürfnis der Kundinnen und Kunden entspricht.»

Diese Einschätzung deckt sich nicht mit den Erfahrungen einer jungen Mutter, mit der die bz sprach: Zwar sei es viel angenehmer geworden, seit nicht mehr überall geraucht werde – leider gäbe es aber auch solche, die sich nicht an die Regeln hielten. Dass nicht alle die neuen Regelungen beachten, lässt sich bei einem Bahnhof-Rundgang schnell erkennen: Immer noch liegen viele Zigarettenstummel auf den Gleisen – sogar unmittelbar neben den Aschenbechern. Auch in flagranti ertappt man ohne grosse Mühe solche, die ausserhalb der Raucherzonen dem Tabakkonsum frönen.