Öffentlicher Verkehr
Verbot aufgehoben: BVB-Chauffeure dürfen beim Fahren Radio hören

Das Radio-Verbot für Buschauffeure der Basler Verkehrsbetriebe wurde nach Protesten wieder aufgehoben. Die Geschäftsleitung erlaubt den Angestellten das Musik-Hören, allerdings werden in den Bussen Lautstärkeregler mit Dezibelobergrenzen eingebaut.

Hans-Martin Jermann
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Die Chauffeure dürfen in den BVB-Bussen wieder Radio hören.

Die Chauffeure dürfen in den BVB-Bussen wieder Radio hören.

Martin Töngi

Der Protest der Bus-Chauffeure hat seine Wirkung nicht verfehlt: Die Geschäftsleitung der Basler Verkehrsbetriebe (BVB) rückt von ihrem im Januar kommunizierten Entscheid ab, den rund 200 Chauffeuren das Radiohören während der Arbeit in den BVB-Bussen zu verbieten. Gemäss eines Informationsschreibens an die Belegschaft, das am Dienstag intern kommuniziert wurde, hat die Geschäftsleitung eine Lösung abgesegnet.

Neue Hilfsmittel für Chauffeure

«Wir haben einen guten Kompromiss gefunden», freut sich BVB-Direktor Jürg Baumgartner. Demnach bleibt Radiohören während der Fahrt erlaubt, allerdings werden in den 100 BVB-Bussen Lautstärkeregler mit Dezibelobergrenzen eingebaut.

Ein weiteres technisches Gimmick wird künftig erlauben, das Radioprogramm bei Durchsagen der BVB-Leitstelle automatisch auszublenden. Weitere Hilfsmittel wie Tablets sollen den Umgang mit dem Radio während der Fahrt erleichtern. Die Geschäftsleitung will die Mitarbeitenden zudem für einen «achtsamen Umgang mit dem Radio» sensibilisieren, wie es im Schreiben heisst.

Der Entscheid gilt ab sofort. In Trams ist das Radiohören gemäss einem Bundesgesetz seit Jahrzehnten verboten. In öffentlichen Bussen ist das Radiohören für Chauffeure in der Schweiz allerdings nur in Zürich verboten.

«Wir haben in den Diskussionen mit der Belegschaft dazugelernt», räumt BVB-Chef Baumgartner ein. Die Geschäftsleitung hatte das Verbot mit der Sicherheit und Kundenreklamationen begründet. Bei der Sicherheit dürfe es keine Kompromisse geben, hiess es damals. Diese Überlegungen seien nach wie vor gültig, erläutert Jürg Baumgartner: Radiohören könne eine Quelle der Unsicherheit sein - insbesondere in hektischen Situationen, bei hohem Verkehrsaufkommen und vielen Fahrgästen im Bus. Aber: «Wir haben eingesehen, dass in gewissen anderen Situationen Radiohören der Sicherheit auch zuträglich sein kann.» Es behalte wach, könne motivieren und bereite Freude.

«Chefs weit weg von den Leuten»

Mit dem nun getroffenen Kompromiss dürfte unter der Belegschaft der BVB wieder Ruhe einkehren. So begrüsst die Staatsangestelltengewerkschaft VPOD der Region Basel, welche die Busfahrer in ihrem Protest unterstützt hat, den Entscheid als «Sieg der Vernunft.» Die Busfahrer würden auch in Zukunft beweisen, dass Radios ihre Konzentration erhöhen und nicht beeinträchtigen.

VPOD-Regionalsekretär Matthias Scheurer übt gleichwohl Kritik an der BVB-Geschäftsleitung. «Sie hat die Bedeutung des Radiohörens für die Busfahrerinnen und Busfahrer unterschätzt.» Tatsächlich liessen die Verantwortlichen bei Bekanntgabe des Verbots im Januar verlauten, die Chauffeure würden mit Verständnis auf die neue Regel reagieren, weil sie wissen, worauf es ankomme.

Das Gegenteil davon trat ein: Die Chauffeure lancierten eine Petition gegen das Radioverbot und sammelten innert weniger Tage rund 500 Unterschriften. Anfang Februar stoppte die Geschäftsleitung den Ausbau der Radios und verhängte zum Verbot, das auf den 1. März in Kraft treten sollte, ein Moratorium.

Seither wurden intern unzählige Diskussionen über Sinn und Unsinn des Verbots geführt. «Wie weit weg ist eine Geschäftsleitung von den Leuten, wenn sie derart lange benötigt, um einen Entscheid zu korrigieren?», fragt sich Scheurer.