Die Menschen strömen nach Basel. Immer mehr Leute wollen hier nicht nur arbeiten, sondern auch leben. Und das ist schön. Nur: Wo sollen sie denn alle wohnen? Wohnungsnot, Dichtestress und Verdrängung sind die Begriffe der Stunde. Und die offene Frage, in welche Richtung die Stadt denn wachsen soll. Nach aussen?

So wollte es die Regierung mit ihren Vorschlägen zur Stadtrandentwicklung. Eine Allianz aus SVP und Grünen brachte diese Pläne 2014 an der Urne zu Fall. Seither redet alles von Verdichtung. Also der Steigerung des Angebotes auf dem vorhandenen Siedlungsgebiet. Das geht über verschiedene Wege. Oder eben nicht.

Der Heimatschutz beispielsweise fordert in seiner Stellungnahme zum neuen Richtplan der Regierung, man solle im Siedlungskern nicht verdichten. Er lehnt den Grundsatz der regierungsrätlichen Strategie also ab. Lieber solle man die ehemaligen und noch immer als solche genutzten Gewerbegebiete wie etwa das Klybeck und das Lysbüchelareal fürs Wohnen öffnen.

Der Gewerbeverband hält dagegen: Lasst dem Gewerbe seine Flächen, verdichtet lieber woanders. Zwar schafft es der Gewerbeverband nicht einmal, seine vollmundig angekündigte «Werk-Arena» – ein Haus nur für das Gewerbe – zu vermieten, aber dennoch: Was Gewerbeareal ist, soll Gewerbeareal bleiben. Das unterstützen erwartungsgemäss auch die Bürgerlichen. Verdichtet woanders, heisst es auch von ihnen.

Wo verdichtet werden könnte, erklären die Jungsozialisten. Sie haben vor einiger Zeit ein Konzeptpapier veröffentlicht, in dem sie das «Basler Dach» propagieren. Einen zwei- bis dreigeschossigen Holzaufsatz auf bestehende Häuser. Das soll die Hausbesitzer, immer noch in 70 Prozent der Fälle Privatpersonen, animieren, aufzustocken. Natürlich ohne Kündigungen und danach immer noch zum gleichen Mietzins. Ist ja ein Juso-Vorschlag.

Die tatsächlich vorhandenen Projekte gehen vor allem in eine andere Richtung. Denn für den einzelnen Besitzer eines Mehrfamilienhauses ist eine Aufstockung oft zu teuer. So sind die grösseren Player, allen voran die Wohngenossenschaften, daran, Freiräume zu identifizieren und zu überbauen. Und stossen dabei immer wieder auf grössere Innenhöfe innerhalb ihrer Blockrandbebauungen.

Vorschläge für solche Überbauungen gab und gibt es im St. Johann, im Kleinbasel, in Gundeldingen. Und überall gibt es Widerstand dagegen. Denn die Anwohner möchten lieber einen grünen Innenhof als ein Haus im Garten. Dieser Widerstand findet oft politische Verbündete, auch aus dem bürgerlichen Lager, das eben noch der Verdichtung nach innen das Wort redete. Nach innen ja, aber offenbar nicht in den Innenhöfen der Wählerschaft.

Das Muster ist ein ähnliches wie bei Atommüllendlagern, Windrädern und Asylheimen: «Ja, das braucht es und das muss man unbedingt bauen – aber doch sicher nicht gerade hier!» Es ist zwar das gute Recht jedes Einzelnen, sich gegen etwas zu wehren, das ihn unmittelbar betrifft, aber es ist wenig zielführend für die Lösung des Gesamtproblems.

Kommt es zu Volksabstimmungen, droht ein ähnliches Debakel wie in der Verkehrspolitik: Dort gab das Volk auch einst ein Ziel vor, nämlich die Reduktion des motorisierten Verkehrs um 10 Prozent. Und stimmte dann konsequent gegen jede konkrete Massnahme, die zu diesem Ziel hätte führen können. Da stellt sich irgendwann die Frage, ob man das ursprüngliche Ziel nicht ehrlicherweise abschreiben müsste.

Ähnlich sieht es bei der Verdichtung aus. Kann man nicht auf dem Lysbüchel, dem Klybeckareal und dem geplanten Messeparking Wohnungen bauen, am Riehenring, im Landskronhof, im Claraturm und wie die Projekt alle heissen, gegen die sich rechtlicher und/oder politischer Widerstand formierte, dann muss das woanders geschehen. Zum Beispiel eben doch am Stadtrand.

Dann muss halt der eine oder andere Grossrat auf die schöne Aussicht auf dem Bruderholz verzichten. Oder das eine oder andere den Grünen heilige Kriechtier auf einen Wanderungskorridor durch das natürliche Habitat der Spezies Homo sapiens, Unterart Stadtbewohner. Basel ist eine Stadt und somit Lebens- und Bauraum.

Mensch und Tier, die es überwiegend Grün mögen, müssen sich einen anderen Lebensraum suchen. Und wenn die Stadt verdichtet werden kann, oder innerhalb der ohnehin engen Kantonsgrenzen wächst, dann senkt das dafür den Druck, in ländlicheren Gebieten noch mehr Natur zuzubetonieren.