Kinderbuch
Verena Pavoni erzählt eine Prinzessinnen-Geschichte der anderen Art

Die Wahlbaslerin Verena Pavoni, die Schöpferin des Clowns Nicolo, hat ein neues Buch herausgebracht. Auch wer kein Faible für Geschichten mit Prinzessinnen hat, kommt in diesem Buch auf seine Kosten.

Iris Meier
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Verena Pavoni «Roberta, die Prinzessin in der Krone», Atlantis Verlag, Zürich, 2017.

Verena Pavoni «Roberta, die Prinzessin in der Krone», Atlantis Verlag, Zürich, 2017.

Als die Wahlbaslerin Verena Pavoni (52) den Clown Nicolo erfand, war sie gerade mal 18 Jahre alt. Über Nacht wurde sie damit berühmt. Mit «Prinzessin Roberta» hat sie ein neues Kinderbuch gestaltet, das ganz klar ihre Handschrift trägt. Trotz den stärker gezeichneten Konturen ist ihre Aquarelltechnik unverkennbar.

«Prinzessin Roberta» handelt von der Entwicklung einer selbstbezogenen Prinzessin in ein weltoffenes Mädchen. Täglich zählt die Prinzessin die Zacken der Riesenkrone, in der sie lebt, und hält deren Zahl für unendlich, da sie sich im eigenen Kreise dreht.

Auch wer kein Faible für Geschichten mit Prinzessinnen hat, kommt in diesem Buch auf seine Kosten. Der heimliche Held der Geschichte ist nämlich der Fox-Terrier Mister Bo. Die Art und Weise, wie vergnügt und verschmitzt er gezeichnet ist, macht es einem schwer, sich nicht in ihn zu verlieben. Er ist es auch, der Roberta aus der Unfähigkeit, die Endlichkeit der eigenen Krone zu erkennen, befreit, und sie in das Vergnügen des Lebens ausserhalb ihrer eigenen zwölf Zacken einführt.

Die Zacken in der Krone

Mit dem einsetzenden Regen wird die Prinzessin mit den harten Seiten der Aussenwelt konfrontiert, was ihr gar nicht passt. Im Sturm verliert sie nicht nur ihre Hochsteckfrisur, sondern auch ihren Hochmut. Nach der überstandenen Krise kann sie ihre Erkenntnis einem winzigen König weitergeben, der selbst dem Irrtum erlegen ist, die Zahl der Zacken seiner Krone sei unendlich. Sprachlich ist die Geschichte nüchtern gehalten. Fehlt es dem Text an Dramaturgie und Verspieltheit, so findet sich solche dafür in den Bildern. Sicher im Strich, zärtlich in der Figurenzeichnung, fantasievoll im Detail entwirft Pavoni eine sinnliche Bilderwelt, in die man mehr als einmal eintauchen möchte um mit Mister Bo und Roberta Eis zu schlecken, im Brunnen zu baden und alles zu tun, was Spass macht.

Kinder zwischen 3 und 8 (und, wie bei jedem guten Kinderbuch, auch darüber hinaus) die gerne zählen und erzählen, werden an diesem Buch besonders Freude haben. Das Prinzessinnenthema wird relativ geschickt behandelt. Das Buch ist nämlich sowohl als alternative Form von Prinzessinnenliteratur (das Kleid ist grün statt pink) wie auch als moderate Kritik an dieser lesbar. Wie viele Märchen handelt die Geschichte von einem Übergang von einem Zustand in einen andern und davon, dass wir des andern bedürfen, um anders zu werden. Falls einem die bleiche Prinzessin Roberta nicht so recht ans Herz wachsen sollte, so tut dies ganz bestimmt ihr lustiger Schirm, der knallgrün ist und immer genau das Gleiche tut wie sie. Und den unwiderstehlichen Mister Bo, so hofft man, wird man nicht zum letzten Mal gesehen haben. Auch dem grossen Bruder der Figuren, Clown Nicolo, wird im Buch in Form eines mehrmals auftauchenden Akrobatik-Clowns eine kleine Referenz erwiesen.