Verurteilung

Vergewaltigung am Bahnhof: Vier Jahre und acht Monate für zweiten Täter

In der Frauentoilette am Basler Bahnhof wurde die Frau von den beiden Männern vergewaltigt

In der Frauentoilette am Basler Bahnhof wurde die Frau von den beiden Männern vergewaltigt

Eine Frau wurde im Mai letzten Jahres in einer Basler Bahnhofstoilette vergewaltigt. Zwei Männer wurden festgenommen. Der erste wurde bereits vom Strafgericht zu einer viereinhalbjährigen Freiheitsstrafe verurteilt. Der zweite Täter erhielt nun vier Jahre und acht Monate.

Als am Abend des 11. Mai 2011 ein Mann die Frauentoilette im französischen Bereich des Basler Bahnhofs verliess, schritten zwei Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes ein. Während der eine den Mann kontrollierte, schaute der andere in der WC-Anlage nach. Dort fand er eine völlig aufgelöste Frau, die ihm berichtete, sie sei soeben von zwei Männern vergewaltigt worden.

Aus der Kontrolle wurde eine Verhaftung, und in der Zwischenzeit hat das Basler Strafgericht den Mann, einen Tunesier, wegen gemeinsam begangener sexueller Nötigung und Vergewaltigung zu einer viereinhalbjährigen Freiheitsstrafe verurteilt.

Hinter der Schiebetür im Eingangsbereich befinden sich die Toiletten.

Hinter der Schiebetür im Eingangsbereich befinden sich die Toiletten.

Zweites Asylgesuch gestellt

Gestern musste sich der zweite Täter, auch er ein Tunesier, vor dem Strafgericht verantworten. Das Verdikt lautet auf vier Jahre und acht Monate Freiheitsstrafe, ebenfalls wegen sexueller Nötigung und Vergewaltigung, beides in gemeinsamer Begehung, und zusätzlich wegen weiteren Delikten. Die Staatsanwaltschaft hatte vier Jahre und zehn Monate verlangt, die Verteidigung hatte auf dreieinhalb Jahre plädiert.

Der 23-jährige Angeklagte war nach dem Vorfall im Basler Bahnhofs-WC verschwunden, höchstwahrscheinlich nach Italien, wo er eine Freundin hat. Erst am 11. Januar 2012 tauchte er wieder auf dem Schweizer Radar auf. In der ersten Nacht zurück im Land, in dem er im Frühling 2011 ein Asylgesuch gestellt hatte, landete auch er im Gefängnis. Gerne würde er in Europa bleiben, zurück nach Tunesien wolle er nicht, dort habe er politische Probleme, sagte er vor Gericht. Er habe in der Schweiz ein zweites Asylgesuch stellen wollen. Das erste war abgelehnt worden.

Opfer musste nicht mehr vor Gericht aussagen

Über die Geschichte vom Mai 2011 wollte er nicht mehr sprechen. Sein Verteidiger, Roger Wirz, machte geltend, dass Scham der Grund für seine Zurückhaltung sei. Staatsanwältin Eva Eichenberger und das Gericht gingen hingegen davon aus, dass sich die Zerknirschtheit des Angeklagten vor allem auf sich selber beziehe. Immerhin hatte er mit einem Geständnis und einem Verzicht auf eine Konfrontation an der Hauptverhandlung dafür gesorgt, dass das Opfer nicht mehr vor Gericht aussagen musste.

Er habe die Frau auf die Toilette begleitet, bestätigte er auf Fragen. Als der zweite Mann dazu gekommen sei, sei die Sache eskaliert. Während der andere die Frau gepackt habe, habe er sich an ihr vergangen. Danach habe der andere sie vergewaltigt.

Frau war den Beiden hilflos ausgeliefert

Er habe die Lage der Frau ausgenützt, hielt Gerichtspräsident Marc Oser in der mündlichen Begründung des Urteils fest. Er sei sich bewusst gewesen, dass sie alkoholisiert gewesen sei. Die Blutalkoholkonzentration lag ein paar Stunden nach dem Vorfall bei 2,29 Promille. Das Opfer sei den beiden Männern hilflos ausgeliefert gewesen und habe keine Chance gehabt.

Verglichen mit dem Hauptpunkt erschienen die weiteren Anklagepunkte fast schon als Bagatelle. Der Angeklagte hatte sich kurz vor dem Vorfall im Basler Bahnhof gewaltsam Zutritt zu einem Motorboot in Lugano verschafft und Bier und Whisky mitgenommen. Für diesen geringfügigen Diebstahl gab es eine Busse von 100 Franken. Vom Vorwurf, er habe den Motor des Bootes beschädigt, sprach das Gericht ihn hingegen frei. Es gebe keine Nachweise dafür, dass der Angeklagte den Schaden verursacht habe, sagte der Gerichtspräsident.

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